Der andre Vorteil ist der Natur des menschlichen Verstandes mehr
angemessen und besteht darin einzusehen, ob die Aufgabe aus demjenigen,
was man wissen kann, auch bestimmt sei und welches Verhältnis die Frage
zu denen Erfahrungsbegriffen habe, darauf sich alle unsre Urteile
jederzeit stützen müssen. Insoferne ist die Metaphysik eine Wissenschaft
von den =Grenzen der menschlichen Vernunft=, und da ein kleines Land
jederzeit viel Grenze hat, überhaupt auch mehr daran liegt, seine
Besitzungen wohl zu kennen und zu behaupten, als blindlings auf
Eroberungen auszugehen, so ist dieser Nutze der erwähnten Wissenschaft
der unbekannteste und zugleich der wichtigste, wie er denn auch nur
ziemlich spät und nach langer Erfahrung erreichet wird. Ich habe diese
Grenze hier zwar nicht genau bestimmt, aber doch insoweit angezeigt, daß
der Leser bei weiterem Nachdenken finden wird, er könne sich aller
vergeblichen Nachforschung überheben in Ansehung einer Frage, wozu die
Data in einer andern Welt, als in welcher er empfindet, anzutreffen
sind. Ich habe also meine Zeit verloren, damit ich sie gewönne. Ich habe
meinen Leser hintergangen, damit ich ihm nützete, und wenn ich ihm
gleich keine neue Einsicht darbot, so vertilgte ich doch den Wahn und
das eitele Wissen, welches den Verstand aufblähet und in seinem engen
Raume den Platz ausfüllt, den die Lehren der Weisheit und der nützlichen
Unterweisung einnehmen könnten.
Wen die bisherigen Betrachtungen ermüdet haben, ohne ihn zu belehren,
dessen Ungeduld kann sich nunmehro damit aufrichten, was DIOGENES, wie
man sagt, seinen gähnenden Zuhörern zusprach, als er das letzte Blatt
eines langweiligen Buchs sah: =Courage=, meine Herren, =ich sehe Land=.
Vorher wandelten wir wie DEMOKRIT im leeren Raume, wohin uns die
=Schmetterlingsflügel= der Metaphysik gehoben hatten und unterhielten
uns daselbst mit geistigen Gestalten. Jetzt, da die =stiptische= Kraft
der Selbsterkenntnis die seidene Schwingen zusammengezogen hat, sehen
wir uns wieder auf dem niedrigen Boden der Erfahrung und des gemeinen
Verstandes; glücklich, wenn wir denselben als unseren angewiesenen Platz
betrachten, aus welchem wir niemals ungestraft hinausgehen, und der auch
alles enthält, was uns befriedigen kann, solange wir uns am Nützlichen
halten.