kurzen Session vorübergehend, aber auch nur vorübergehend störte,
entsprang aus der unglücklichen und schimpflichen Schlacht von Beachy
Head. Torrington war unmittelbar nach dieser Schlacht in den Tower
geschickt worden und saß noch darin. Es hatte sich eine technische
Schwierigkeit bezüglich des gegen ihn einzuleitenden Verfahrens erhoben.
Einen Lord Großadmiral gab es nicht, und ob die Commissare der
Admiralität befugt waren, das Kriegsrecht auszuüben, darüber waren
manche Juristen nicht völlig im Klaren. Die Mehrzahl der Richter meinte,
die Commissare seien competent; um aber jeden Zweifel zu beseitigen,
wurde eine Bill im Oberhause eingebracht, und gegen diese Bill
opponirten mehrere Lords aus höchst nichtigen Gründen. Das
vorgeschlagene Gesetz, sagten sie, sei ein rückwirkendes Strafgesetz und
lasse deshalb Einwendungen zu. Wenn sie dieses Argument aus Ueberzeugung
geltend machten, so kannten sie die ersten Anfangsgründe der
Gesetzgebungswissenschaft nicht. Ein Gesetz deshalb machen, um etwas zu
bestrafen, was zu der Zeit wo es gethan wurde, nicht strafbar war,
widerstreitet jedem gesunden Prinzipe. Ein Gesetz aber, das lediglich
das Strafverfahren änderte, kann vollkommen schicklicherweise auf
vergangene sowohl wie auf zukünftige Vergehen angewendet werden. Es
würde die gröbste Ungerechtigkeit gewesen sein, dem Gesetz, welches den
Sclavenhandel für Felonie erklärte, eine rückwirkende Kraft zu geben.
Aber es lag nicht die geringste Ungerechtigkeit in der Verordnung, daß
der Centralcriminalgerichtshof Felonien untersuchen solle, welche lange
vor dem Bestehen dieses Gerichtshofes begangen worden waren. In
Torrington's Falle blieb das substantielle Gesetz das was es stets
gewesen war; die Definition des Vergehens und das Strafmaß blieben
unverändert. Die einzige Aenderung bezog sich auf die Form des
Verfahrens, und die Legislatur war vollkommen berechtigt, diese
Aenderung rückwirkend zu machen. Man kann in der That kaum glauben, daß
einige von Denen, die sich der Bill widersetzten, durch den Trugschluß
verblendet worden sein sollten, von dem sie Gebrauch zu machen sich
herabließen. Der Kastengeist war bei den Lords sehr stark und es dünkte
ihnen eine Erniedrigung ihres ganzen Standes, daß einer der Ihrigen
durch einen aus Plebejern bestehenden Gerichtshof auf Tod und Leben
gerichtet werden sollte. Wenn ihr hochgeborner College sich vergangen
hatte, so mußten Anklageartikel gegen ihn aufgesetzt werden; Westminster
Hall mußte hergerichtet werden, seine Peers mußten sich in ihrem
Richterornate versammeln und auf ihr Ehrenwort ihren Wahrspruch abgeben;
ein Lord Oberrichter mußte das Urtel verkündigen und den Stab
zerbrechen. Es war vorbei mit dem Privilegium, wenn ein Earl durch
Theerjacken, welche um einen Tisch in einer Schiffskajüte saßen, zum
Tode verurtheilt werden konnte. Diese Gefühle äußerten einen solchen
Einfluß, daß die Bill im Oberhause mit einer Majorität von nur zwei
Stimmen durchging.[127] Im Unterhause, wo die Würden und Immunitäten des
hohen Adels nicht mit freundlichem Auge betrachtet wurden, herrschte nur
geringe Meinungsverschiedenheit. Torrington verlangte vor der Schranke
gehört zu werden und sprach daselbst sehr ausführlich, aber schwach und
verworren. Er rühmte sich seiner Dienste, seiner Opfer und seiner Wunden
und schmähte die Holländer, die Admiralität und den Staatssekretär. Doch
die Bill durchlief ohne Abstimmung alle Stadien.[128]
[_Torrington's Prozeß und Freisprechung._] Zu Anfang Decembers wurde
Torrington unter Eskorte den Strom hinab nach Sheerneß geschickt. Hier
versammelte sich das Kriegsgericht an Bord einer Fregatte, der Kent
genannt. Die Untersuchung dauerte drei Tage, und während dieser drei
Tage war die Aufregung in London groß. An der Börse, in den
Kaffeehäusern und selbst an den Kirchthüren hörte man von nichts als von
Torrington sprechen. Alle Parteien waren heftig aufgeregt, es wurden
ungeheure Wetten gemacht, jede Stunde kamen Gerüchte zu Lande oder zu
Wasser, und jedes Gerücht wurde unterwegs übertrieben oder entstellt.
Von dem Tage, an welchem die Nachricht von der schimpflichen Schlacht
eintraf, bis zum Vorabende der Prozeßverhandlung war die öffentliche
Meinung dem Gefangenen sehr ungünstig gewesen. Gleichzeitige
Pamphletisten erzählen uns, daß sein Name fast nie ohne eine
Verwünschung genannt wurde. Als aber der Augenblick, in welchem sein
Schicksal sich entscheiden sollte, heranrückte, trat eine Reaction ein,
wie dies in unsrem Lande sehr häufig geschieht. Man erinnerte sich aller
seiner Verdienste, seines Muthes, seiner Gutherzigkeit, seiner treuen
Anhänglichkeit an den protestantischen Glauben in den schlimmen Zeiten.
Daß er in Trägheit und Genußsucht versunken war, daß er um seiner
Vergnügungen willen das wichtigste Geschäft vernachlässigte und daß er
einem Zechgenossen oder einer Maitresse nichts abschlagen konnte, war
unmöglich zu leugnen; aber man fand Entschuldigungen und milde
Bezeichnungen für diese Fehler. Seine Freunde wendeten ohne Bedenken
alle Mittel an, welche ein Nationalgefühl zu seinen Gunsten erwecken
konnten, und ihre Bemühungen erhielten eine mächtige Stütze durch die
Nachricht, daß der Haß, den man in Holland gegen ihn empfand, sich in
Unanständigkeiten gegen einige seiner Landsleute Luft gemacht habe. Das
allgemeine Geschrei war, ein tapferer, lebenslustiger, freigebiger
englischer Gentleman, dem man nichts Schlimmeres nachsagen könne als daß
er Wein und Weiber liebte, sollte erschossen werden, um den Rachedurst
der Holländer zu stillen. Der Verlauf des Prozesses war ganz geeignet,
das Volk in dieser Ansicht zu bestärken. Die meisten Zeugen, welche
gegen den Gefangenen auftraten, waren holländische Offiziere. Der
holländische Contreadmiral, der die Rolle des Anklägers übernahm, vergaß
sich soweit, daß er die Richter der Parteilichkeit beschuldigte. Als
endlich Torrington am Abend des dritten Tages für nicht schuldig erklärt
wurde, schienen Viele, die noch vor kurzem sein Blut verlangt hatten,
sich über seine Freisprechung zu freuen. Er kehrte frei und mit dem
Degen an der Seite nach London zurück. Als er auf seiner Yacht die
Themse hinauffuhr, salutirte ihm jedes Schiff, an dem er vorüberkam. Er
nahm seinen Sitz im Hause der Lords ein und wagte es sogar, bei Hofe zu
erscheinen. Aber die meisten Peers begegneten ihm mit Kälte, Wilhelm
ließ ihn nicht vor sich und befahl ihn seines Dienstes zu entheben.[129]
[_Erbitterung der Whigs gegen Caermarthen._] Es gab noch einen
Gegenstand, über den von keinem der beiden Häuser ein Beschluß gefaßt
wurde, über den aber sehr wahrscheinlich in beiden eine lebhafte
Discussion stattfand. Waren auch die Whigs minder heftig als im
vorhergehenden Jahre, so konnten sie es doch nicht geduldig mit ansehen,
wie Caermarthen so nahe daran war Premierminister zu sein, als es ein
englischer Unterthan unter einem Fürsten von Wilhelm's Character
überhaupt sein konnte. Obgleich Niemand eine hervorragendere Stelle in
der Revolution gespielt, und obgleich Niemand von einer Contrerevolution
mehr zu fürchten hatte als der Lord Präsident, konnten doch seine alten
Feinde nicht glauben, daß er im Herzen den Willkürdoctrinen entsagt
habe, denen er einst eifrig angehangen, oder daß er einer aus dem
Widerstande hervorgegangenen Regierung wirklich treu sein könne. Während
der letzten Hälfte des Jahres 1690 wurde er in Spottliedern arg
mitgenommen. Bald war er König Thomas, bald Tom der Tyrann.[130] Man
beschwor Wilhelm, nicht nach dem Kontinent zu gehen und seinen
schlimmsten Feind als Rathgeber der Königin zurückzulassen. Halifax, den
die Whigs im vorhergehenden Jahre ungroßmüthig und undankbar verfolgt
hatten, wurde jetzt mit Achtung und Bedauern von ihnen genannt, denn er
war der Feind ihres Feindes.[131] Das Gesicht, die Gestalt, die
körperlichen Gebrechen Caermarthen's wurden lächerlich gemacht.[132] Der
Verkehr mit dem französischen Hofe, in den er vor zwölf Jahren mehr
durch sein Unglück als durch eigne Schuld verwickelt worden war, wurde
in den schwärzesten Farben geschildert. Sein Anklageprozeß und seine
Gefangenschaft wurden ihm vorgeworfen. Einmal sei er glücklich davon
gekommen; aber die Rache könne ihn immer noch ereilen und London das
lange hinausgeschobene Vergnügen genießen, den alten Verräther an dem
blauen Bande, das er entehre, von der Leiter gestoßen zu sehen.
Sämmtliche Mitglieder seiner Familie, Gattin, Sohn und Töchter, wurden
mit wüthenden Schmähungen und beleidigenden Sarkasmen überhäuft.[133]
Jeder, von dem man vermuthete, daß er durch politische Bande an ihn
geknüpft war, erhielt seinen Theil von diesen Schmähungen, und Niemand
wurde reichlicher bedacht als Lowther. Die Gesinnung, die sich in diesen
Satyren aussprach, war unter den Whigs im Parlamente stark vertreten.
Mehrere von ihnen beriethen sich über einen Angriffsplan und waren der
Hoffnung, daß es ihnen gelingen werde, einen Sturm heraufzubeschwören,
der es ihm unmöglich machte, an der Spitze der Geschäfte zu bleiben.
Sein Einfluß im königlichen Cabinet scheint damals nicht mehr so groß
gewesen zu sein, als er früher war. Godolphin, den er nicht liebte und
über den er keine Gewalt hatte, dessen finanziellen Kenntnisse aber
während des Sommers schmerzlich vermißt worden waren, kehrte wieder ins
Schatzamt zurück und wurde zum ersten Commissar ernannt. Lowther, die
rechte Hand des Lord Präsidenten, saß zwar noch im Collegium, führte
aber nicht mehr den Vorsitz darin. Allerdings war damals kein solcher
Unterschied zwischen dem ersten Lord und seinen Collegen als jetzt. Doch
war die Aenderung immerhin wichtig und bezeichnend. Marlborough, dem
Caermarthen ebenfalls nicht gewogen war, genoß in militärischen
Angelegenheiten nicht weniger Vertrauen als Godolphin in finanziellen
Dingen. Die Siegel, welche Shrewsbury im Sommer abgegeben hatte, lagen
seitdem in Wilhelm's geheimem Schubfache. Der Lordpräsident erwartete
wahrscheinlich zu Rathe gezogen zu werden, ehe sie vergeben wurden;
allein er sah sich in dieser Erwartung getäuscht. Man ließ Sidney aus
Irland kommen und ihm wurden die Siegel übergeben. Die erste Anzeige,
welche der Lordpräsident von dieser wichtigen Ernennung erhielt,
erfolgte nicht in einer Weise, welche geeignet gewesen wäre, seine
Gefühle zu besänftigen. »Begegneten Sie dem neuen Staatssekretär, als er
fortging?« fragte Wilhelm. »Nein, Sire,« antwortete der Lordpräsident,
»ich begegnete Niemandem als Mylord Sidney.« -- »Er ist der neue
Sekretär,« sagte Wilhelm. »Er wird genügen, bis ich einen geeigneten
Mann finde, und sobald ich einen solchen Mann finde, wird er bereit sein
zu resigniren. Jeder Andre, den ich ernennen könnte, würde sich
beleidigt halten, wenn ich ihn wieder entfernen wollte.« Hätte Wilhelm
Alles gesagt was er dachte, so würde er wahrscheinlich hinzugesetzt
haben, daß Sidney zwar kein großer Redner oder Staatsmann, wohl aber
einer von den wenigen englischen Politikern war, auf die man sich eben
so fest verlassen konnte, wie auf Bentinck oder Zulestein. Caermarthen
vernahm die Mittheilung mit einem bitteren Lächeln. Es sei etwas Neues,
sagte er später, einen Edelmann in das Sekretariat gesetzt zu sehen, wie
man einen Bedienten in eine Theaterloge setze, nur um einen Platz so
lange einzunehmen, bis man einen Besseren gefunden habe. Doch hinter
diesem Scherze verbarg sich eine ernste Kränkung und Besorgniß. Die
Stellung des Premierministers war unangenehm und selbst gefährlich, und
die Dauer seiner Macht würde wahrscheinlich kurz gewesen sein, hätte das
Glück ihm nicht gerade in diesem Augenblicke die Mittel in die Hand
gegeben, seine Gegner durch einen wichtigen Dienst, den er dem Staate
leistete, zu beschämen.[134]
[_Ein jakobitisches Complot._] Im August hatte es geschienen, als ob die
Jakobiten vollständig niedergeworfen worden wären. Der Sieg am Boyne und
der durch das Erscheinen von Tourville's Geschwader an der Küste von
Devonshire veranlaßte unwiderstehliche Ausbruch des Nationalgefühls
hatten auch die kühnsten Vorkämpfer des erblichen Rechts entmuthigt. Die
Mehrzahl der Hauptverschwörer brachte einige Wochen in Haft oder in
Verstecken zu. Doch so weit die Verzweigungen der Verschwörung sich auch
erstreckten, nur ein Verräther erlitt die Strafe für seine Verbrechen.
Dies war ein Mann, Namens Gottfried Croß; der am Strande unweit Rye
einen Gasthof besaß und der Tourville mit Kundschaft versehen hatte, als
die französische Flotte an der Küste von Sussex lag. Als es sich zeigte,
daß dieses einzelne Beispiel für genügend erachtet wurde, als die Gefahr
einer Invasion vorüber war, als die durch diese Gefahr entzündete
Begeisterung des Volks sich gelegt und als die Nachsicht der Regierung
einigen Verschwörern erlaubt, ihre Gefängnisse zu verlassen, und Andere
ermuthigt hatte, sich aus ihren Verstecken hervorzuwagen, begann die
Partei, welche zu Boden geworfen und betäubt gewesen war, neue
Lebenszeichen von sich zu geben. Die alten Verräther hielten wieder
Zusammenkünfte an den alten Versammlungsorten, wechselten
bedeutungsvolle Blicke und hastiges Geflüster und zogen aus ihren
Taschen Pasquille auf den Hof von Kensington und mit Milch und
Citronensaft geschriebene Briefe vom Hofe von Saint-Germains. Preston,
Dartmouth, Clarendon, Penn gehörten zu den geschäftigsten. Mit ihnen war
der eidverweigernde Bischof von Ely verbunden, den die Regierung noch
immer in dem ihm nicht mehr gehörenden Palaste zu wohnen erlaubte und
der noch vor kurzem den Himmel zum Zeugen angerufen hatte, daß ihm der
Gedanke, Fremde zu einer Invasion in England aufzufordern ein Greuel
sei. Eine günstige Gelegenheit sei versäumt worden, aber es stehe eine
andre in Aussicht, und die dürfe man sich nicht entgehen lassen. Der
Usurpator würde bald wieder außerhalb England's sein und die Verwaltung
in den Händen einer schwachen Frau und eines getheilten Rathes liegen.
Das zu Ende gehende Jahr sei allerdings ein unglückliches gewesen, aber
das neue könne glückbringender sein.
[_Zusammenkunft der Hauptverschwörer._] Im December wurde eine
Zusammenkunft der leitenden Jakobiten gehalten. [135] Die Ansicht
der Versammlung, welche ausschließlich aus Protestanten bestand, war
die, daß etwas unternommen werden müsse, daß aber die Schwierigkeiten
groß seien. Keiner wagte dazu zu rathen, daß Jakob ohne Begleitung
von fremden Truppen herüberkommen solle. Dennoch aber fürchteten
Alle, durch die Erfahrung des vergangenen Sommers belehrt, den
Eindruck, den der Anblick französischer Uniformen und Fahnen auf
englischem Boden machen würde. Es wurde eine Schrift aufgesetzt,
von der man hoffte, daß sie sowohl Jakob als Ludwig überzeugen
werde, daß eine Restauration ohne die aufrichtige Mitwirkung der
Nation nicht bewerkstelligt werden könne. Frankreich -- dies war
der wesentliche Inhalt dieses interessanten Schriftstückes -- könne
die Insel möglicherweise in einen Trümmerhaufen, nie aber in eine
unterworfene Provinz verwandeln. Wer die Stimmung des Volksgeistes
nicht beobachtet habe, könne sich schwerlich einen Begriff von der
wilden und finstren Entschlossenheit machen, mit der die Leute aller
Klassen, Sekten und Parteien bereit seien, jedem fremden Potentaten,
der es versuchen sollte, das Land durch Waffengewalt zu erobern,
Widerstand zu leisten. Auch könne England nicht als ein katholisches
Land regiert werden. Es gebe fünf Millionen Protestanten und keine
hunderttausend Papisten im Königreiche; daß eine solche Minorität eine
solche Majorität niederhalten könne, sei physisch unmöglich, und der
physischen Unmöglichkeit müßten alle anderen Rücksichten weichen. Jakob
werde daher wohlthun, wenn er unverzüglich solche Maßregeln ergriffe,
welche erkennen ließen, daß er entschlossen sei, die bestehende
Landesreligion zu schützen. Leider enthalte jeder Brief aus Frankreich
etwas, was darauf hinziele, Gefühle aufzureizen, deren Beschwichtigung
höchst wünschenswerth sei. Ueberall circulirten Geschichten von
Kränkungen, welche in Saint-Germains Protestanten erfahren hätten, die
den höchsten Beweis von Loyalität gegeben, indem sie einen Gebieter,
der sich zu einem andren Glauben als dem ihrigen bekenne, in die
Verbannung begleitet hätten. Die gegen die Hugenotten erlassenen Edicte
könnten allenfalls durch die anarchischen Meinungen und Handlungen
dieser Sectirer gerechtfertigt werden, aber es sei ein Uebermaß von
Ungerechtigkeit und Ungastfreundlichkeit, diese Edicte gegen Männer
anzuwenden, welche einzig und allein wegen ihrer Anhänglichkeit an
einen katholischen König aus ihrem Vaterlande vertrieben worden seien.
Söhnen der anglikanischen Kirche, die gehorsam ihrer Lehre Alles was
ihnen auf Erden theuer sei, der Sache des Königs zum Opfer gebracht
hätten, dürfe man es doch sicherlich nicht länger verwehren, sich
in einem bescheidenen Hause zu versammeln, um die Gebräuche dieser
Kirche zu üben und ihre Tröstungen zu empfangen. Eine Ankündigung,
daß Ludwig auf Jakob's Ansuchen den englischen Verbannten gestattet
habe, Gott nach ihren nationalen Formen zu verehren, werde die beste
Einleitung zudem großen Versuche sein. Dieser Versuch müsse zu Anfang
des Frühjahrs gemacht werden. Ein französisches Truppencorps müsse
allerdings Se. Majestät begleiten; aber er müsse erklären, daß er diese
Truppen nur zum Schutze seiner Person und seiner getreuen Unterthanen
mitbringe und daß, sobald die fremden Tyrannen vertrieben seien, die
fremden Befreier entlassen werden würden. Auch müsse er versprechen,
den Gesetzen gemäß zu regieren, und müsse alle Punkte, welche zwischen
ihm und seinem Volke streitig gewesen seien, der Entscheidung eines
Parlaments anheimgeben.
[_Die Verschwörer beschließen, Preston nach Saint-Germains zu
schicken._] Es wurde beschlossen, daß Preston die Resolutionen und
Vorschläge der Verschwörer nach Saint-Germains bringen solle. Johann
Ashton, ein Mann, der Geheimsekretär Mariens von Modena gewesen, als sie
auf dem Throne saß, und den Interessen der verbannten Familie mit Leib
und Seele ergeben war, nahm es auf sich, für die Beförderungsmittel zu
sorgen, und gewann zu dem Ende die Mitwirkung eines heißblütigen jungen
Jakobiten Namens Elliot, der nur im Allgemeinen erfuhr, daß der guten
Sache ein etwas gefährlicher Dienst zu leisten sei.
Ein Schiff, dessen Eigenthümer sich wegen des Zweckes, zu dem es
verwendet werden sollte, keine Sorge machte, war im Hafen von London
nicht schwer zu finden. Ashton und Elliot wurden dem Kapitain einer
Schmacke vorgestellt, welche der »Jakob und Elisabeth« hieß. Die
jakobitischen Agenten gaben sich für Schmuggler aus und sprachen von
mehreren tausend Pfunden, welche durch eine einzige glückliche Fahrt
nach Frankreich und wieder zurück zu gewinnen seien. Das Geschäft wurde
abgeschlossen, ein Sixpencestück zerbrochen und alle Anstalten zur Reise
getroffen.
[_Die Preston anvertrauten Papiere._] Preston hatte von seinen
Freunden ein Packet bekommen, das mehrere wichtige Papiere enthielt.
Darunter befand sich eine Liste der englischen Flotte, von Dartmouth
angefertigt, der mit einigen seiner alten Waffengefährten in Verbindung
stand, ein Protokoll über die Beschlüsse, welche bei der Zusammenkunft
der Verschwörer angenommen worden waren, und die Hauptpunkte einer
Erklärung, deren Veröffentlichung man für wünschenswerth hielt, sobald
Jakob gelandet sein würde. Außerdem befanden sich sechs bis sieben
Briefe von angesehenen Personen der jakobitischen Partei darunter.
Die meisten von diesen Briefen waren Parabeln, aber Parabeln, die
nicht schwer zu verstehen waren. Ein Verschwörer bediente sich des
juristischen Styls. Es sei Hoffnung vorhanden, daß Mr. Jackson bald
wieder in den Besitz seines Gutes gelangen werde. Der neue Gutsherr sei
ein harter Mann und habe seine Pächter gegen sich aufgebracht. Eine
Kleinigkeit werde die Besitzung von ihrem Joche erlösen. Die Ansicht
der besten Advokaten sei zu Gunsten Mr. Jackson's. Es bedürfe weiter
nichts als seines persönlichen Erscheinens in Westminster Hall. Die
Schlußverhandlung müsse noch vor Ablauf des Ostertermins stattfinden.
Andere Briefschreiber affectirten den kaufmännischen Geschäftsstyl. Es
sei starke Nachfrage nach einer Ladung von der rechten Sorte. Man habe
Grund zu hoffen, daß die alte Firma bald vortheilhafte Verbindungen
mit Häusern anknüpfen werde, mit denen sie bisher keine Geschäfte
gemacht habe. Dies war offenbar eine Anspielung auf die mißvergnügten
Whigs. Aber, hieß es weiter, die Verladungen dürften nicht verzögert
werden. Nichts sei gefährlicher als den Markt zu lange warten zu
lassen. Wenn die erwarteten Güter nicht bis zum 10. März einträfen,
sei der ganze Gewinn des Jahres verloren. Bezüglich der Details
könne man dem vortrefflichen Geschäftsführer, welcher das Schreiben
überbringe, volles Vertrauen schenken. Clarendon spielte die Rolle
eines Ehestifters. Es sei große Hoffnung, daß das Geschäft, welches
er eingeleitet, zu Stande kommen und daß die Aussteuer gut angelegt
werden würde. »Ihre Verwandten,« schrieb er in Anspielung auf seine
kürzliche Haft, »haben mir vorigen Sommer hart zugesetzt; aber sobald
ich wieder ohne Gefahr ausgehen konnte, betrieb ich das Geschäft.«
Katharine Sedley vertraute Preston einen Brief an, in welchem sie
sich ohne Allegorie oder Umschreibung beklagte, daß ihr Geliebter
ihr eine Tochter zurückgelassen habe, die sie erhalten müsse, und
dringend um Geld bat. Die beiden wichtigsten Depeschen aber waren vom
Bischof Turner. Sie waren an Mr. und Mrs. Redding gerichtet, aber in
einem Tone geschrieben, der jedem Andren als einem Könige gegenüber
eines Gentleman unwürdig gewesen wäre. Der Bischof versicherte Ihren
Majestäten, daß er ihrer Sache treu ergeben sei, daß er dringend
eine wichtige Gelegenheit herbeiwünsche, um seinen Eifer beweisen zu
können und daß er von seiner Pflicht gegen sie eben so wenig abweichen
werde, wie er seiner Hoffnung auf den Himmel entsagen könne. In zwar
bildlicher, aber vollkommen verständlicher Sprache setzte er hinzu, daß
er das Organ mehrerer eidverweigernder Prälaten und speciell Sancroft's
sei. »Ich spreche im Plural, Sir,« -- dies sind die Worte des an Jakob
gerichteten Briefes, -- »weil ich sowohl die Gesinnungen meines älteren
Bruders wie auch meine eigenen und die aller übrigen Mitglieder unsrer
Familie ausdrücke.« Der Brief an Marie von Modena ist in demselben
Sinne gehalten. »Ich sage dies im Namen meines älteren Bruders und
aller meiner übrigen nächsten Verwandten, wie in meinem eigenen
Namen.«[136]
Sämmtliche Preston anvertraute Briefe verwiesen den Hof von
Saint-Germains wegen näherer Auskunft an den Ueberbringer. Er hatte
eigenhändig geschriebene Notizen bezüglich der Gegenstände bei sich,
über die er mit seinem Gebieter und mit den Ministern Ludwig's sprechen
wollte. Diese Notizen, obwohl kurz und flüchtig, sind größtentheils
nicht schwer zu verstehen. Die verwundbaren Punkte der Küste sind
erwähnt. Gosport ist nur durch Pallisaden geschützt. Die Besatzung von
Portsmouth ist klein. Die französische Flotte muß im April auslaufen und
losschlagen, bevor die Holländer im Kanal sind. Es kommen einige
abgebrochene Worte vor, aus denen sich klar ergiebt, daß wenigstens
einige von den eidverweigernden Bischöfen eine Unwahrheit sagten, als
sie vor Gott erklärten, daß sie den Gedanken, die Franzosen herüber zu
rufen, verabscheuten.[137]