Gegen die Klausel, welche die Synodalverfassung wieder einführte, wurde

keine ernstliche Opposition erhoben. Aber drei Tage verstrichen mit

Discussionen über die Frage, ob der Souverain die Befugniß haben solle,

kirchliche Versammlungen einzuberufen und aufzulösen, und dieser Punkt

wurde schließlich in gefährlicher Ungewißheit gelassen. Einige andere

Klauseln wurden lange und heftig debattirt. Es ward gesagt, daß die den

Sechzig verliehene große Gewalt mit dem Grundprinzipe der Verfassung,

welche die Stände eben feststellen sollten, unvereinbar sei. Dieses

Prinzip bestehe darin, daß alle Presbyter einander gleich seien und daß

keine Klasse von Dienern der Religion über der der Presbyter stehen

solle. Was komme darauf an, ob die Sechzig Prälaten genannt würden oder

nicht, wenn sie Gottes Erbe mit mehr als prälatistischer Autorität

beherrschen dürften? Auf das Argument, daß das vorgeschlagene

Arrangement unter den ganz eigenthümlichen kirchlichen Verhältnissen das

zweckmäßigste sei, das getroffen werden könne, erwiederten die Gegner,

daß ein solches Raisonnement wohl dem Munde eines Erastianers anstehe,

daß aber alle orthodoxen Presbyterianer die Gleichheit der Geistlichen

als von Christus vorgeschrieben betrachteten und daß, wo Christus

gesprochen habe, es Christen nicht zieme zu erwägen was zweckmäßig

sei.[98]

Mit noch viel größerer Heftigkeit und viel triftigerem Grunde griff die

Minorität die Klausel an, welche das gesetzlose Treiben der Fanatiker

des Westens guthieß. Ein vom Pöbel vertriebener Curat, wurde gesagt,

könne doch gewiß auch der strengen Prüfung der sechzig Inquisitoren

überlassen werden. Fehle es ihm an der nöthigen Begabung oder

wissenschaftlichen Bildung, führe er einen lockeren Lebenswandel, oder

sei er heterodox in seinen Glaubensansichten, so würden diese strengen

Richter nicht verfehlen, ihn zu entlarven und abzusetzen. Sie würden

dann wahrscheinlich ein Kegelspiel, ein der englischen Liturgie

entlehntes Gebet oder eine Predigt, in welcher der leiseste Anflug von

Arminianismus zu entdecken sei, als einen genügenden Grund ansehen, um

seine Pfründe für erledigt zu erklären. Sei es, nachdem man ein Tribunal

errichtet, von dem er kaum die nackte Gerechtigkeit erwarten dürfe,

nicht monströs, ihn zu verurtheilen, ohne ihm nur zu gestatten, vor

diesem Tribunale zu erscheinen, ihn ohne Untersuchung, ja ohne alle

Anklage zu verurtheilen? Habe jemals so lange die Welt stehe, ein

ernster Senat einen Menschen bloß deshalb als einen Verbrecher

behandelt, weil er ausgeplündert, mit Steinen geworfen, hin und her

gestoßen, durch Schnee und Koth geschleift und mit dem Tode bedroht

worden sei, wenn er in das Haus zurückkehre, das sein gesetzlich

anerkanntes Eigenthum war? Der Herzog von Hamilton, der sich freute,

eine so gute Gelegenheit zu einem Angriff auf den neuen Lord Commissar

zu haben, sprach mit großer Heftigkeit gegen diese gehässige Klausel. Es

wird uns erzählt, daß Niemand versucht habe, ihm zu antworten, und

obgleich Diejenigen, die uns das sagen, eifrige Episkopalen waren, so

dürfen wir doch ihrer Aussage Glauben schenken, denn war es überhaupt

möglich etwas darauf zu erwiedern? Melville, auf dem die

Hauptverantwortlichkeit ruhte, saß während dieser ganzen stürmischen

Debatte stumm auf seinem Throne. Wahrscheinlich ließ er sich bei seinem

Verhalten durch Betrachtungen leiten, welche auszusprechen Klugheit und

Scham ihm verboten. Der Zustand der südwestlichen Grafschaften war von

der Art, daß es nicht möglich gewesen wäre, die vom Pöbel vertriebenen

Geistlichen wieder in den Besitz ihrer Wohnungen und Kirchen zu setzen,

ohne eine Militärmacht aufzubieten, ohne in jedes Pfarrhaus eine

Besatzung zu legen, ohne jede Kanzel mit einer Wache zu umgeben und ohne

einige wilde Fanatiker dem Generalprofoß zu überliefern, und es würde

keine leichte Aufgabe für die Regierung gewesen sein, zu gleicher Zeit

die Jakobiten des Hochlandes und die Covenanters des Niederlandes durch

Waffengewalt niederzuhalten. Die Majorität, welche aus Gründen, die sich

nicht wohl aussprechen ließen, ihren Entschluß gefaßt hatte, verlangte

ungeduldig nach der Fragstellung. »Keine Debatte mehr!« war der

allgemeine Ruf; »wir haben genug gehört! zur Abstimmung! zur

Abstimmung!« Die Frage wurde gestellt und lautete der schottischen Form

gemäß: »Wird der Artikel gebilligt oder nicht?« Hamilton bestand darauf,

daß die Frage so gestellt werde: »Wird die gewaltsame Vertreibung der

Geistlichen gebilligt oder nicht?« Nach langem Hin- und Herreden wurde

er überstimmt und die Klausel wurde angenommen. Nur funfzehn oder

sechzehn Mitglieder stimmten mit ihm. Unter oftmaligen zornigen

Unterbrechungen rief er laut und nachdrücklich, er bedaure es

schmerzlich, daß ein schottisches Parlament sich durch solche

Ungerechtigkeit entehren könne, und verließ dann mit mehreren seiner

Freunde das Haus. Man kann der Entrüstung, die er aussprach, unmöglich

seine Theilnahme versagen; allein man darf nicht vergessen, daß es in

der Natur der Ungerechtigkeit liegt, neue Ungerechtigkeit zu erzeugen.

Es giebt Unbilden, die fast unmöglich wieder gut zu machen sind ohne

neue Unbilden zu begehen, und eine solche Unbill war dem schottischen

Volke unter der vorigen Generation zugefügt worden. Weil das Parlament

der Restauration mit seinen Gesetzen der Ansicht der Nation übermüthig

Trotz geboten hatte, mußte sich das Parlament der Revolution vor dem

Pöbel erniedrigen.

Als Hamilton und seine Anhänger sich entfernt hatten, rief einer von den

Predigern, welche in den Saal eingelassen worden waren, den ihm zunächst

sitzenden Mitgliedern zu: »Pfui! Pfui! Verlieren Sie keine Zeit. Beeilen

Sie Sich und erledigen Sie Alles ehe er zurückkommt.« Dieser Rath wurde

befolgt. Vier oder fünf unerschütterliche Prälatisten blieben, um ein

letztes Votum gegen den Presbyterianismus abzugeben. Eben so blieben

vier oder fünf unerschütterliche Covenanters, um ihr Mißfallen an dem

was ihnen ein Vergleich zwischen dem Herrn und Baal dünkte, zu äußern.

Doch die Acte wurde mit einer erdrückenden Majorität angenommen.[99]

Zwei Ergänzungsacte folgten bald nach. Die eine derselben, welche jetzt

glücklicherweise wieder aufgehoben ist, verlangte von Jedem, der an

irgend einer Universität Schottland's ein Amt bekleidete, daß er das

Glaubensbekenntniß unterzeichne und seinen Beitritt zur neuen Form des

Kirchenregiments erkläre.[100] Die andre erledigte die wichtige und

delikate Frage des Patronats. Knox hatte im +First Book of Discipline+

behauptet, daß jede christliche Gemeinde das Recht habe, sich ihren

Pastor selbst zu wählen. Melville war im +Second Book of Discipline+

nicht ganz so weit gegangen, hatte aber erklärt, daß ein Pastor einer

Gemeinde wider ihren Willen gesetzlich nicht aufgedrungen werden könne.

Das Patronatsrecht war im Jahre 1649 durch ein Covenantsparlament

abgeschafft, und im Jahre 1661 durch ein royalistisches Parlament

wiederhergestellt worden. Es war nicht leicht zu entscheiden, was 1690

geschehen mußte. Es gab kaum eine andre Frage, welche Wilhelm so große

Sorge gemacht hätte. Er hatte in seinen geheimen Instructionen den Lord

Commissar ermächtigt in die Abschaffung des Patronats zu willigen, wenn

die Stände nicht anders zufrieden zu stellen wären. Aber diese

Ermächtigung wurde nur sehr ungern gegeben, und der König hoffte, daß

kein Gebrauch davon gemacht werden würde. »Es heißt,« sagte er, »den

Leuten ihr Eigenthum wegnehmen.« Es gelang Melville, einen Vergleich zu

Stande zu bringen. Das Patronat wurde abgeschafft; aber es wurde

decretirt, daß jeder Patron sechshundert schottische Mark, was ungefähr

so viel war als fünfunddreißig Pfund Sterling, als Entschädigung für

seine Rechte bekommen sollte. Die Summe sieht lächerlich klein aus. Wenn

man indessen den Charakter des Eigenthums und die Armuth des Landes in

Betracht zieht, so darf man zweifeln, ob ein Patron bei freiem Verkauf

viel mehr bekommen haben würde. Die größte Summe, welche ein Mitglied

vorzuschlagen wagte, war neunhundert Mark, etwas mehr als funfzig Pfund

Sterling. Das Recht, einen Geistlichen vorzuschlagen, wurde einem aus

den protestantischen Grundbesitzern und Kirchenältesten bestehenden

Gemeindeconcil verliehen. Die Gemeinde konnte gegen den in Vorschlag

Gebrachten Einwendungen erheben, und das Presbyterium hatte über die

Einwendungen zu entscheiden. Diese Anordnung gab dem Volke nicht einmal

ganz diejenige Macht, die ihm das +Second Book of Discipline+ zuerkannt

hatte. Aber das verhaßte Wort Patronat war beseitigt; man dachte

wahrscheinlich, daß die Aeltesten und Grundbesitzer selten auf der

Ernennung eines Mannes bestehen würden, gegen den die Majorität der

Gemeinde triftige Einwendungen erheben konnte, und in der That wurde, so

lange die Acte von 1690 in Kraft war, der Friede der Kirche nie durch

Streitigkeiten gestört, wie die, welche die Schismen von 1732, von 1756

und von 1843 hervorriefen.[101]

[_Auflösung der Coalition zwischen dem Club und den Jakobiten._]

Montgomery hatte Alles was in seiner Macht stand gethan, um die

Feststellung der kirchlichen Verfassung des Reichs durch die Stände zu

verhindern. Er hatte die eifrigen Covenanters angereizt, Forderungen zu

stellen, von denen er wußte, daß die Regierung sie nie bewilligen würde.

Er hatte gegen jeden Erastianismus, gegen jeden Vergleich protestirt.

Der holländische Presbyterianismus, sagte er, passe nicht für

Schottland; es müsse das System von 1649 wieder haben. Dieses System sei

dem Worte Gottes entlehnt; es sei der mächtigste Zügel, der jemals gegen

die Tyrannei schlechter Könige ersonnen worden, und es müsse, ohne etwas

hinzuzufügen noch hinwegzunehmen, wieder eingeführt werden. Seine

jakobitischen Verbündeten konnten ihr Mißfallen und ihren Verdruß, ihn

eine solche Sprache führen zu hören, nicht verbergen, und waren mit den

Erklärungen, die er ihnen privatim gab, keineswegs zufrieden. Während

sie sich über diesen Gegenstand mit ihm stritten, kam ein Bote mit

wichtigen Depeschen von Jakob und von Marien von Modena in Edinburg an.

Diese Depeschen waren in der zuversichtlichen Erwartung geschrieben, daß

die großen Versprechungen Montgomery's erfüllt werden und daß die

schottischen Stände unter seiner geschickten Leitung sich für den

rechtmäßigen Souverain gegen den Usurpator erklären würden. Jakob war

so dankbar für den unerwarteten Beistand seiner früheren Feinde, daß er

die Dienste seiner alten Freunde völlig vergaß und keine Rücksicht auf

ihre Gefühle nahm. Die drei Oberhäupter des Clubs waren, obgleich

Rebellen und Puritaner, seine Lieblinge geworden. Annandale sollte

Marquis, Gouverneur des edinburger Schlosses und Lord Obercommissar

werden; Montgomery sollte Earl von Ayr und Staatssekretär, Roß ebenfalls

Earl und Commandant der Garden werden. Ein characterloser Jurist, Namens

Jakob Stewart, der bei der Insurrection Argyle's stark betheiligt

gewesen war, der die Farbe gewechselt und das Dispensationsrecht

unterstützt, der hierauf zum zweiten Male die Farbe gewechselt und an

der Revolution Theil genommen, und der jetzt zum dritten Male die Farbe

gewechselt hatte und eine Restauration herbeizuführen strebte, sollte

Lord Advokat werden. Der Geheime Rath, der Court of Session und die

Armee sollten mit Whigs gefüllt werden. Ein Fünferrath wurde ernannt,

dem alle loyalen Unterthanen zu gehorchen hatten, und in diesem Rathe

bildeten Annandale, Roß und Montgomery die Majorität. Marie von Modena

benachrichtigte Montgomery, daß ihm fünftausend Pfund Sterling

angewiesen worden seien und daß weitere fünftausend Pfund bald

nachfolgen würden. Es war unmöglich, daß Balcarras und Diejenigen,

welche mit ihm agirt hatten, die ihnen zu Theil werdende Behandlung

nicht schmerzlich hätten empfinden sollen. Ihre Namen waren gar nicht

erwähnt; Alles was sie gethan und gelitten hatten, schien aus der

Erinnerung ihres Gebieters verwischt zu sein. Er hatte ihnen jetzt

geradezu gesagt, daß, wenn es ihnen mit Gefahr ihres Grundeigenthums und

ihres Lebens gelänge ihn wieder einzusetzen, Alles was er zu geben

hatte, Denen gegeben werden würde, die ihn abgesetzt hatten. Als sie

seine Briefe lasen, wußten sie überdies, was er, als die Briefe

geschrieben wurden, nicht wußte, daß er durch die zuversichtlichen

Prahlereien und Versprechungen der abtrünnigen Whigs dupirt worden war.

Er glaubte, der Club sei in Edinburg allmächtig, und in Wirklichkeit war

derselbe ein Gegenstand der Verachtung geworden. Die toryistischen

Jakobiten fanden leicht Vorwände, um den presbyterianischen Jakobiten,

denen der verbannte König seine Autorität delegirt hatte, den Gehorsam

zu verweigern. Sie beschwerten sich, daß Montgomery ihnen nicht alle

Depeschen gezeigt habe, die er erhalten, und äußerten den Verdacht, daß

er sich an den Siegeln vergriffen habe. Er rief Gott den Allmächtigen

zum Zeugen an, daß dieser Verdacht ungegründet sei, aber Eide wurden von

Männern, welche eben einem Könige Treue geschworen hatten, gegen den sie

conspirirten, ganz natürlich als ungenügende Bürgschaften betrachtet. Es

gab auf beiden Seiten heftige Ausbrüche der Leidenschaft; die Coalition

wurde aufgelöst, die Papiere ins Feuer geworfen, und binnen wenigen

Tagen wurden die schändlichen Triumvirn, welche in dem kurzen Zeitraum

von einem Jahre heftige Wilhelmiten und heftige Jakobiten gewesen waren,

abermals Wilhelmiten und versuchten durch gegenseitige Anschuldigungen

die Gunst der Regierung zu erlangen.[102]

[_Die Häupter des Clubs verrathen einander._] Roß war der Erste, der zum

Angeber wurde. Nach der Manier der Schule, in der er erzogen war, beging

er diese Nichtswürdigkeit mit allen Formen der Heiligkeit. Er gab vor,

sich in großer Seelenangst zu befinden, schickte nach einem berühmten

presbyterianischen Geistlichen, Namens Dunlop, und jammerte kläglich:

»Es liegt eine Last auf meinem Gewissen, ich weiß ein Geheimniß, das ich

enthüllen sollte, aber ich kann es nicht über mich gewinnen.« Dunlop

betete lange und inbrünstig. Roß schluchzte und weinte, bis endlich der

Himmel durch das heftige Flehen erstürmt worden zu sein schien. Die

Wahrheit kam heraus, und mit ihr viele Lügen. Der Geistliche und der

Bußfertige vereinigten dann ihre Dankgebete. Dunlop eilte mit der

Nachricht zu Melville, Roß begab sich nach England, um sich mit dem Hofe

auszusöhnen, und er kam wohlbehalten am Orte seiner Bestimmung an,

obgleich einige seiner Complicen, die von seinem reumüthigen

Geständnisse gehört hatten, aber wenig davon erbaut worden waren,

Anschläge geschmiedet hatten, ihm unterwegs die Gurgel abzuschneiden. In

London betheuerte er bei seiner Ehre und auf sein Wort als Gentleman,

daß er wider seinen Willen in das Complot gezogen worden sei, daß er

dasselbe stets verabscheut habe und daß Montgomery und Ferguson die

wirklichen Schuldigen seien.[103]

Inzwischen pries Dunlop überall wohin er kam, die göttliche Güte, die

durch ein so bescheidenes Werkzeug wie er eine vornehme Person auf den

rechten Weg zurückgeführt habe. Kaum hörte Montgomery von diesem

wundervollen Gnadenwerke, so begann auch er Reue zu empfinden. Er ging

zu Melville, legte demselben ein mit dem Roß'schen nicht ganz

übereinstimmendes Geständniß ab und erhielt einen Paß nach England.

Wilhelm war damals in Irland und Marie regierte anstatt seiner. Ihr warf

sich Montgomery zu Füßen. Er versuchte ihr Mitleid rege zu machen, indem

er von seinem zerrütteten Vermögen sprach, und sich bei ihr

einzuschmeicheln, indem er ihr liebreiches, huldvolles Wesen pries. Er

bezeichnete ihr die Namen seiner Mitverschwornen und gelobte sein ganzes

Leben ihrem Dienste zu weihen, wenn sie ihm eine Anstellung verschaffte,

die ihm eine anständige Existenz sicherte. Sie wurde so gerührt durch

seine Bitten und Schmeicheleien, daß sie ihn der Nachsicht ihres Gemahls

empfahl; Wilhelm aber konnte das gerechte Mißtrauen und den Abscheu,

womit er Montgomery betrachtete, nicht überwinden.[104]

Bevor der Verräther bei der Königin vorgelassen wurde, hatte er die

Zusage erlangt, unbehindert wieder abreisen zu dürfen. Diese Zusage

wurde gehalten. Er hielt sich noch mehrere Monate in London verborgen

und es gelang ihm in Unterhandlung mit der Regierung zu treten. Er erbot

sich unter der Bedingung, daß er eine gute Stelle bekäme, als Zeuge

gegen seine Mitschuldigen aufzutreten. Wilhelm aber wollte nichts weiter

als Begnadigung gewähren, und so wurden die Unterhandlungen endlich

abgebrochen. Montgomery ging auf einige Zeit nach Frankreich, kehrte

aber bald wieder nach London zurück und brachte den freudenleeren Rest

seines Lebens damit hin, daß er Complote schmiedete, die nicht zur

Ausführung kamen, und Libelle schrieb, die sich durch einen eleganten

und kräftigen Styl von den meisten Erzeugnissen der jakobitischen

Presse vortheilhaft unterscheiden.[105]

Als Annandale erfuhr, daß seine beiden Complicen zu Angebern geworden

waren, zog er sich nach Bath zurück und gab vor, die dortige Kur zu

brauchen. Von da wurde er durch einen Verhaftsbefehl bald nach London

gebracht. Er gestand ein, daß er sich zum Hochverrath habe verleiten

lassen, erklärte aber, daß er zu den Plänen Anderer nur Amen gesagt habe

und daß seine fast kindliche Einfalt von Montgomery, diesem

schändlichsten, falschesten und unruhigsten Menschen, den es gebe,

benutzt worden sei. Der edle Büßer versuchte sodann seine eigne Schuld

durch Anklagen anderer Leute, Engländer und Schotten, Whigs und Tories,

Schuldiger und Unschuldiger, zu sühnen. Einige klagte er auf eignes

Wissen hin, Andere nach bloßem Hörensagen an. Unter Denen, die er auf

eignes Wissen hin anklagte, befand sich Neville Payne, der, wie es

scheint, weder von Roß, noch von Montgomery erwähnt worden war.[106]

Der durch Boten und Verhaftsbefehle verfolgte Payne war so übel

berathen, daß er nach Schottland flüchtete. Wäre er in England

geblieben, so würde ihm nichts geschehen sein, denn obwohl die

moralischen Beweise seiner Schuld vollkommen waren, lag doch kein

legaler Beweis gegen ihn vor, der eine Jury hätte überzeugen können, daß

er Hochverrath begangen; er konnte der Folter nicht unterworfen werden,

um ihn zur Selbstanklage zu zwingen, und eben so wenig durfte er lange

in Haft gehalten werden, ohne daß man ihn vor Gericht stellte. Von dem

Augenblicke an aber, wo er die Grenze überschritt, befand er sich in der

Gewalt der Regierung, deren Todfeind er war. Die Rechtsforderung hatte

in Fällen wie der seinige die Folter als ein statthaftes Mittel,

Aufschluß zu erlangen, anerkannt, und keine Habeascorpusacte schützte

ihn vor einer langen Detention. Der Unglückliche wurde festgenommen,

nach Edinburg gebracht und vor den Geheimen Rath gestellt. Man war

allgemein der Ansicht, daß er ein Schurke und Feigling sei und daß der

bloße Anblick der spanischen Stiefeln und Daumenschrauben ihm alle die

strafwürdigen Geheimnisse entlocken werde, die man ihm anvertraut hatte.

Aber Payne besaß viel mehr Muth als die hochgebornen Verschwörer, mit

denen er zu seinem Unglück in Verbindung gestanden hatte. Zweimal wurde

er den fürchterlichsten Martern unterworfen, aber nicht ein Wort, durch

das er sich selbst oder irgend jemand Andren angeklagt hätte, konnte ihm

entrissen werden. Einige Räthe verließen schaudernd den Sitzungssaal.

Aber der fromme Crawford präsidirte. Er ließ sich, wo ein Amalekiter im

Spiele war, von der Schwäche des Mitleids nicht leicht übermannen, und

zwang den Folterknecht, einen Keil nach dem andren zwischen die Knie des

Gefangenen einzutreiben, bis der Schmerz so groß war, als der

menschliche Körper ihn ertragen kann, ohne die Lebensfähigkeit zu

verlieren. Payne wurde dann in das edinburger Schloß gebracht, wo er

lange blieb, gänzlich vergessen von Denen, um derentwillen er, wie er in

rührenden Worten beklagte, mehr als die Qual des Todes erduldet hatte.

Doch keine Undankbarkeit vermochte die Gluth seiner fanatischen Treue zu

dämpfen und noch Jahre lang entwarf er in seinem Kerker Insurrections-

und Invasionspläne.[107]

[_Allgemeine Ergebung in die neue Kirchenverfassung._] Vor Payne's

Verhaftung waren die Stände nach einer der bedeutungsvollsten Sessionen,

welche Schottland je gesehen, vertagt worden. Die Nation fügte sich

allgemein in die neue kirchliche Verfassung. Die Indifferenten, welche

in jeder Gesellschaft einen beträchtlichen Theil bilden, freuten sich,

daß die Anarchie vorüber war, und bequemten sich der presbyterianischen

Kirche an, wie sie sich der bischöflichen Kirche anbequemt hatten. Die

gemäßigten Presbyterianer waren mit der getroffenen Einrichtung im

Ganzen zufrieden, und auch die meisten strengen Presbyterianer gewannen

es über sich, sie unter Protest als eine starke Abschlagszahlung auf die

ihnen zukommende Schuld anzunehmen. Sie vermißten zwar was sie als die

vollkommene Schönheit und Symmetrie der Kirche ansahen, welche vierzig

Jahre früher der Stolz Schottland's gewesen war. Obgleich aber der

zweite Tempel dem ersten nicht gleichkam, konnte sich das erwählte Volk

nicht des Gedankens freuen, daß es nach einer langen Gefangenschaft in

Babylon das Haus Gottes, wenn auch unvollkommen, auf den alten

Grundmauern wieder erbauen durfte; auch konnte es ihm nicht schlecht

anstehen, für den latitudinarischen Wilhelm eine dankbare Zuneigung zu

fühlen, wie die zurückgeführten Juden sie für den heidnischen Cyrus

gefühlt hatten.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Achter Band: enthaltend Kapitel 15 und 16. · 第 18 / 22 段