Das Geschrei des Unwillens gegen Diejenigen, von denen man mit gutem

Grunde argwöhnte, daß sie den Feind aufgefordert hätten, eine Landung an

unseren Küsten zu versuchen, war heftig und allgemein und wurde durch

viele Stimmen verstärkt, welche noch kürzlich laut gegen Wilhelm's

Regierung gemurrt hatten. Die Frage hatte aufgehört eine Frage zwischen

zwei Dynastien zu sein, und war eine Frage zwischen England und

Frankreich geworden. Das nationale Gefühl war so stark, daß

Eidverweigerer und Papisten es theilten oder sich wenigstens stellten

als theilten sie es. Nicht lange nach der Einäscherung von Teignmouth

legte Dryden ein Schauspiel mit einer höchst geistreichen, kunstvollen

und beredten Widmung Halifax zu Füßen. Der Dichter gratulirte seinem

Gönner, daß er sich aus den Stürmen des öffentlichen Lebens in einen

ruhigen Hafen zurückgezogen, und pries in kräftiger und schöner Sprache

das Glück des Staatsmannes, der das geräuschvolle Treiben des

Staatsdienstes und den Ruhm der Rednerbühne mit philosophischen Studien

und häuslichen Genüssen vertauschte. England dürfe sich nicht darüber

beklagen, daß ihm Dienste entzogen würden, auf die es ein Recht habe.

Selbst die strenge Zucht des alten Rom habe einem Soldaten gestattet,

nach einer Reihe von Feldzügen um seine Entlassung zu bitten, und

Halifax habe gewiß genug für sein Vaterland gethan, um das nämliche

Recht beanspruchen zu dürfen. Aber der Dichter setzte hinzu, daß es

einen Fall gegeben habe, in welchem der römische Veteran selbst nach

seiner Entlassung seinen Schild und sein Pilum wieder ergreifen mußte,

und dieser eine Fall war eine Invasion der Gallier. Daß ein

Schriftsteller, der Jakob's Gunst durch Apostasie erkauft hatte, der von

Wilhelm's Hofe verstoßen worden war, der ein größeres Interesse an der

Restauration des exilirten Königshauses hatte als irgend ein andrer

berufsmäßiger Schriftsteller, eine solche Sprache führte, ob aufrichtig

oder unaufrichtig, ist gleich, dies ist ein Factum, welches uns

überzeugen muß, daß der Entschluß, sich nie durch Fremdlinge unterjochen

zu lassen, im Herzen des Volks feststand.[52]

[_Die jakobitische Presse._] Es gab zwar eine jakobitische Literatur,

in der keine Spur von diesem patriotischen Geiste zu entdecken

ist, eine Literatur, deren Ueberreste beweisen, daß es Engländer

gab, welche sehr geneigt waren, die englische Flagge entehrt, den

englischen Boden in fremder Gewalt, die englische Hauptstadt geplündert

und die englische Krone auf dem Haupte eines Vasallen Ludwig's zu

sehen, wenn sie sich nur an ihren Feinden und speciell an Wilhelm

rächen konnten, den sie mit einer zum Theil furchtbaren, zum Theil

lächerlichen Erbitterung haßten. Aber diese Literatur war durchaus

ein Werk der Finsterniß. Das Gesetz, durch welches das Parlament

Jakob's die Presse der Ueberwachung von Censoren unterworfen hatte,

war noch in Kraft, und obgleich die Beamten, denen es oblag, die

Uebertretung dieses Gesetzes zu verhüten, nicht allzu streng jede

Unregelmäßigkeit von Seiten eines Buchhändlers aufstachen, der die

Kunst verstand, einen Händedruck durch eine Guinee zu versüßen,

konnten sie doch den offenen Verkauf uncensirter Pamphlets, die voll

roher Insulten gegen den Souverain und directer Aufforderungen zur

Empörung waren, nicht ruhig mit ansehen. Aber schon seit langer Zeit

verbargen die Dachstuben London's eine Klasse von Buchdruckern, welche

unverdrossen und mit einer Vorsicht, wie nur Falschmünzer und Fälscher

sie beobachten können, in ihrem Berufe thätig waren. Frauen waren als

Wachen ausgestellt, um durch ihr Geschrei Alarm zu geben, sobald ein

Beamter sich in der Nähe der Werkstätte zeigte. Die Presse wurde dann

sogleich in ein hinter dem Bett angebrachtes Kabinet geschoben, die

Lettern wurden in den Ofenkasten geworfen und mit Asche bedeckt, und

der Setzer verschwand durch eine Fallthür im Dache und entkam über die

Dächer der Nachbarhäuser. In diesen Höhlen wurden hochverrätherische

Werke aller Art und von jedem Umfange fabricirt, von Halbpennyblättern

mit Knittelversen bis zu dickleibigen Quartanten voll hebräischer

Citate. Solche Preßerzeugnisse offen auszulegen war natürlich nicht

rathsam, und sie wurden nur durch zuverlässige Agenten ganz im Geheimen

verkauft. Einige Flugschriften, von denen man sich eine große Wirkung

versprach, wurden auf Kosten reicher Jakobiten in Massen von Exemplaren

vertheilt. Eine solche Schrift wurde bald unter eine Thür geschoben,

bald unbemerkt auf den Tisch eines Kaffeehauses gelegt. Einmal gingen

tausend Exemplare eines gemeinen Pamphlets mit den Briefbeuteln fort,

ein andermal sahen die Krämer, wenn sie am frühen Morgen ihre Laden

öffneten, ganz Fleetstreet und den Strand mit aufrührerischen Zetteln

beschneit.[53]

[_Die jakobitische Gebets- und Demüthigungsformel._] Von den

zahlreichen Schriften, welche auf solchen Schleichwegen unter die

Leute gebracht wurden, machte keine größeres Aufsehen als ein kleines

Buch, welches eine Gebets- und Demüthigungsformel zum Gebrauche der

verfolgten Kirche enthielt. Es unterlag keinem Zweifel, daß eine

bedeutende Summe auf dieses Werk verwendet worden war. Zehntausend

Exemplare waren durch allerhand Mittel und Wege im ganzen Lande

verbreitet worden. Es wurde nie ein lügenhafteres, hämischeres und

gottloseres Libell geschrieben. Obgleich die Regierung ihre Feinde

bisher mit einer in der Geschichte unsres Landes beispiellosen Milde

und Nachsicht behandelt, obgleich seit der Revolution kein Mensch wegen

eines politischen Vergehens die Todesstrafe erlitten hatte, schämten

sich die Verfasser dieser Liturgie doch nicht, Gott zu bitten, daß

er den unersättlichen Blutdurst ihrer Feinde stillen oder, wenn noch

mehr von ihnen durch das rothe Meer in das gelobte Land gehen sollten,

er sie für die Reise vorbereiten solle.[54] Sie beklagten sich, daß

die englische Kirche, einst das Schöne in höchster Vollendung, zum

Spott und Gelächter, ein Trümmerhaufen, ein Weinberg mit wilden Reben

geworden sei; daß ihre Uebungen nicht mehr den Namen des öffentlichen

Gottesdienstes verdienten; daß das Brot und der Wein, die sie spende,

keine sakramentliche Kraft mehr habe; daß ihre Priester, indem sie dem

Usurpator Treue gelobt, den geheiligten Character verloren hätten,

den die Ordination ihnen verliehen.[55] Jakob wurde profanerweise

der Stein genannt, den thörichte Baumeister verworfen hätten, und

es wurde die inbrünstige Bitte ausgesprochen, daß die Vorsehung ihn

wieder zum Schlußstein machen möge. Die Segnungen, die auf unser

Vaterland herabgerufen wurden, waren ganz absonderlicher Art. Es kam

etwas darin vor, was große Aehnlichkeit mit der Bitte um eine neue

blutige Rundreise hatte: »Gieb dem Könige die Hälse seiner Feinde;«

etwas Andres klang ganz wie eine Bitte um eine französische Invasion:

»Verschaffe ihnen auswärts Freunde;« und endlich enthielt das Buch

ein noch mysteriöseres Gebet, dessen besten Commentar später das

Ermordungscomplot lieferte: »Thue etwas Großes für ihn, was wir nicht

näher zu bezeichnen wissen.«[56]

[_Entrüstung gegen die eidverweigernden Bischöfe._] Diese Liturgie wurde

geschrieben, verbreitet und soll in einigen Gemeinden jakobitischer

Schismatiker verlesen worden sein, bevor Wilhelm nach Irland aufbrach,

erregte aber erst dann allgemeine Aufmerksamkeit, als das Erscheinen

einer fremden Flotte an unsrer Küste den Nationalgeist aufgerüttelt

hatte. Da erhob sich ein Geschrei des Unwillens gegen die Engländer,

welche unter dem scheinheiligen Vorwande des Gebets Flüche über England

herabzurufen gewagt hatten. Man hatte, nicht ohne einen Anschein von

Grund, die abgesetzten Prälaten in Verdacht, denn die Eidverweigerer

waren ohne eine einzige Ausnahme eifrige Episkopalen. Ihr Prinzip war,

daß in kirchlichen Angelegenheiten von wichtiger Bedeutung ohne die

Sanction des Bischofs nichts zweckmäßig gethan werden könne. Konnte man

also glauben, daß Jemand, der es mit diesem Grundsatze hielt, ohne die

Genehmigung Sancroft's, den die ganze Partei nicht allein als den wahren

Primas von ganz England, sondern auch als einen Heiligen und als einen

Bekenner verehrte, eine Liturgie verfassen, drucken, verbreiten und beim

öffentlichen Gottesdienste wirklich benutzen würde? Es war bekannt, daß

die Prälaten, welche die Eidesleistung verweigert, unlängst zu Lambeth

mehrere Berathungen gepflogen hatten. Der Gegenstand dieser Berathungen,

sagte man jetzt, sei leicht zu errathen. Die heiligen Väter hätten sich

damit beschäftigt, Gebete um die Vernichtung der protestantischen

Colonie in Irland, um die Niederlage der englischen Flotte im Kanal und

um die baldige Ankunft seiner französischen Armee in Kent zu entwerfen.

Die extreme Section der Whigpartei betrieb diese Anschuldigung mit

rachsüchtigem Eifer. Das, sagten diese unversöhnlichen Politiker, sei

also die Frucht von König Wilhelm's Nachsicht und Milde. Nie habe er

sich vollständiger geirrt, als indem er die Hoffnung genährt, daß die

Herzen des Klerus durch Milde und Mäßigung zu gewinnen seien. Er habe es

nicht für gut befunden, Männern Glauben zu schenken, welche durch

langjährige und bittere Erfahrungen gelernt hätten, daß keine Güte die

finstre Grausamkeit einer Priesterschaft besänftigen könne. Er habe

gestreichelt und gefüttert, wo er die Wirkung von Ketten und Hunger

hätte versuchen sollen. Er habe durch Protegirung seiner schlimmsten

Feinde die Zuneigung seiner besten Freunde aufs Spiel gesetzt. Die

Bischöfe, die sich öffentlich geweigert, ihn als ihren Souverain

anzuerkennen, und welche durch diese Weigerung ihre Würden und Einkünfte

verwirkt hätten, lebten noch immer ungestört in Palästen, die von

besseren Männern bewohnt sein sollten, und welchen Dank habe er für

diese Nachsicht, eine in der Geschichte der Revolutionen beispiellose

Nachsicht, geerntet? Keinen andren als den, daß die Männer, die er mit

so großer Schonung vor verdienter Strafe geschützt, noch die Frechheit

hätten, ihn in ihren Gebeten als einen mit dem Blute Gerechter

Befleckten zu bezeichnen; sie bäten Gott um die Kraft, seine blutige

Tyrannei standhaft zu ertragen; sie erflehten vom Himmel eine fremde

Flotte und Armee, um sie von seinem Joche zu erlösen; ja, sie deuteten

sogar einen Wunsch an, der so abscheulich sei, daß sie selbst nicht die

Stirn hätten, ihn offen auszusprechen. Ein Schriftsteller drückte in

einem Pamphlet, das großes Aufsehen machte, seine Verwunderung aus, daß

das Volk, als Tourville siegreich in den Kanal einfuhr, die

eidverweigernden Prälaten nicht dewittet[57] habe. Bei der damaligen

gereizten Stimmung des Volks stand zu befürchten, daß diese Andeutung

einen wüthenden Pöbelhaufen nach Lambeth führen würde. In Norwich stand

das Volk auch wirklich auf, griff den Palast an, den der Bischof noch

bewohnen durfte, und würde ihn zerstört haben, wenn die Milizen nicht

zur rechten Zeit eingeschritten wären.[58] Die Regierung zog den

Verfasser des Werks, das einen so beunruhigenden Landfriedensbruch

veranlaßt hatte, gebührenderweise in Criminaluntersuchung.[59]

Währenddem veröffentlichten die abgesetzten Prälaten eine Vertheidigung

ihres Benehmens. In dieser Schrift erklärten sie auf das Feierlichste

und im Angesicht Gottes, daß sie keinen Antheil an der neuen Liturgie

hatten, daß sie nicht wüßten wer sie verfaßt habe, daß sie dieselbe nie

gebraucht, daß sie nie weder in directem noch indirectem Verkehr mit dem

französischen Hofe gestanden hätten, daß sie in kein Complot, gegen die

bestehende Regierung verwickelt seien und daß sie bereitwillig eher ihr

Blut vergießen als England durch einen fremden Fürsten unterjocht sehen

würden, der in seinem eignen Lande ihre protestantischen Brüder grausam

verfolgt habe. Was den Verfasser anlange, der sie durch ein

entsetzliches, nur zu wohl verstandenes Wort der öffentlichen Rache

bezeichnet habe, so empföhlen sie ihn der göttlichen Gnade und beteten

aus vollem Herzen, daß seine große Sünde ihm vergeben werden möge. Die

meisten von Denen, welche diese Schrift unterzeichneten, thaten es ohne

Zweifel mit vollkommener Aufrichtigkeit; aber es zeigte sich bald, daß

wenigstens einer von ihnen dem Verbrechen des Verraths an seinem

Vaterlande das Verbrechen hinzugefügt hatte, seinen Gott zum Zeugen

einer Lüge anzurufen.[60]

[_Militärische Operationen in Irland; Waterford genommen._] Die im

Kanale und auf dem Continent vorgehenden Ereignisse nöthigten Wilhelm

wiederholte Abänderungen in seinen Plänen zu treffen. Im Laufe der

Woche, welche auf seinen triumphirenden Einzug in Dublin folgte, kamen

Boten mit schlimmen Nachrichten rasch hintereinander aus England. Zuerst

kam die Nachricht von Waldeck's Niederlage bei Fleurus. Der König war

tief betrübt darüber. Alle Freude über seinen eigenen Sieg, sagte er,

werde ihm dadurch verleidet. Gleichwohl setzte er sich mit der hinter

seiner finstren Außenseite verborgenen Hochherzigkeit noch im

Augenblicke des ersten Unmuths nieder und schrieb einen freundlichen und

ermuthigenden Brief an den unglücklichen General.[61] Drei Tage darauf

kamen noch beunruhigendere Nachrichten. Die verbündete Flotte war

schimpflich geschlagen. Das Meer von den Dünen bis Land's End war im

Besitz des Feindes. Die nächste Post konnte die Nachricht von einem

feindlichen Einfall in Kent bringen. Ein französisches Geschwader konnte

im St. Georgskanal erscheinen und mit Leichtigkeit alle in der Bai von

Dublin vor Anker liegenden Transportschiffe verbrennen. Wilhelm beschloß

nach England zurückzukehren; zuvor aber wünschte er sich einen guten

Hafen an der Ostküste von Irland zu sichern. Waterford war der seinem

Zwecke am besten entsprechende Platz und er richtete denn auch

unverzüglich seinen Marsch dahin. Clonmel und Kilkenny wurden von den

irischen Truppen verlassen, sobald es bekannt ward, daß er heranrückte.

In Kilkenny wurde er am 19. Juli vom Herzoge von Ormond in dem alten

Schlosse der Butler bewirthet, das vor nicht langer Zeit von Lauzun

bewohnt gewesen war und das daher trotz der allgemeinen Verwüstung noch

Tische und Stühle in den Zimmern, Tapeten an den Wänden und Claret im

Keller hatte. Am 21. bequemten sich zwei in Waterford liegende

Regimenter nach einem schwachen Anschein von Widerstand zum Abzuge;

einige Stunden später wurde das Fort Duncannon übergeben, das sich am

Eingange des Hafens auf einem felsigen Vorgebirge erhob, und Wilhelm war

Herr des ganzen sicheren und geräumigen Beckens, das von den vereinigten

Gewässern des Suir, des Nore und des Barrow gebildet wird. Er kündigte

hierauf seine Absicht an, sofort nach England zurückzukehren, und

nachdem er den Grafen Solms zum Oberbefehlshaber der Armee in Irland

ernannt hatte, reiste er nach Dublin ab.[62]

Unterwegs trafen ihn jedoch gute Nachrichten. Tourville war an der Küste

von Devonshire erschienen, hatte einige Truppen ans Land gesetzt und

Teignmouth zerstört; allein er hatte damit nichts weiter erreicht, als

daß die ganze Bevölkerung der westlichen Grafschaften sich bewaffnet

gegen die Eingedrungenen erhoben. Der Feind war wieder abgezogen,

nachdem er gerade so viel Schaden angerichtet, um die Sache Jakob's den

Tories sowohl als den Whigs eine Zeit lang verhaßt zu machen. Wilhelm

änderte daher abermals seinen Plan und eilte zu seiner Armee zurück, die

sich während seiner Abwesenheit westwärts bewegt hatte und bei der er in

der Nähe von Cashel wieder eintraf.[63]

Um diese Zeit erhielt er einen Brief von Marien, worin sie ihn ersuchte,

eine wichtige Frage zu entscheiden, über welche der Rath der Neun

getheilter Meinung war. Marlborough war der Ansicht, daß jede Gefahr

einer Invasion für dieses Jahr vorüber sei. Das Meer, sagte er, sei

frei, denn die französischen Schiffe seien nach Hause zurückgekehrt, wo

sie ausgebessert würden. Jetzt sei es Zeit, eine englische Flotte mit

fünftausend Mann Truppen an Bord nach dem südlichen Ende von Irland zu

schicken. Eine solche Streitmacht könne Cork und Kinsale, zwei der

wichtigsten Plätze, die sich noch in der Gewalt der Truppen Jakob's

befänden, ohne Schwierigkeit nehmen. Nottingham unterstützte Marlborough

kräftig; eben so energisch aber opponirten ihm die übrigen Mitglieder

des Staatsraths mit Caermarthen an ihrer Spitze. Die Königin berichtete

die Sache ihrem Gemahl. Er billigte den Plan entschieden und gab Befehl,

daß er von dem General, der ihn entworfen, ausgeführt werden solle.

Caermarthen fügte sich, wenn auch mit Widerstreben und über die

ausnehmende Parteilichkeit Sr. Majestät für Marlborough murrend.[64]

[_Die irische Armee bei Limerick zusammengezogen. Lauzun erklärt,

daß der Platz nicht zu halten sei._] Inzwischen rückte Wilhelm gegen

Limerick vor. In diese Stadt hatte die am Boyne geschlagene Armee sich

geworfen, zwar entmuthigt und mit Schande bedeckt, der Zahl nach aber

nur unbedeutend geschwächt. Er würde nicht die Mühe gehabt haben, sie

zu belagern, wenn der Rath Lauzun's und seiner Landsleute befolgt

worden wäre. Sie lachten über den Gedanken, solche Festungswerke

vertheidigen zu wollen und gestanden überhaupt gar nicht zu, daß man

den Namen Befestigungswerke Erdhaufen geben könne, die allerdings wenig

Aehnlichkeit mit den Werken von Valenciennes und Philipsburg hatten.

»Die Engländer,« sagte Lauzun mit einem Schwure, »brauchen nicht erst

Kanonen gegen eine Festung wie diese aufführen zu lassen. Was Ihr Eure

Wälle nennt, könnte man mit gebratenen Aepfeln zusammenschießen.«

Er stimmte daher für die Räumung Limerick's und erklärte daß er

entschlossen sei, auf keinen Fall das Leben der Tapferen, die sein

Gebieter seiner Obhut anvertraut habe, in einem nutzlosen Widerstande

aufzuopfern.[65] Die persönlichen Neigungen des glänzenden und

kühnen Franzosen hatten allerdings nicht geringen Einfluß auf seinen

Ausspruch. Er und seine Waffengefährten waren Irland's müde. Sie

waren bereit, muthig, ja freudig auf einem Schlachtfelde dem Tode ins

Angesicht zu schauen; aber das unthätige, schmutzige und barbarische

Leben, das sie nun schon seit mehreren Monaten führten, war mehr

als sie ertragen konnten. Sie waren der civilisirten Welt eben so

weit entrückt, als wenn sie nach Dahomey oder Spitzbergen verbannt

gewesen wären. Das Klima untergrub ihre Gesundheit und ertödtete

ihre Lebensgeister. In diesem durch einen jahrelangen Raubkrieg

ausgesogenen unglücklichen Lande vermochte die Gastfreundschaft wenig

mehr zu bieten als ein Strohlager, ein Stück halb rohes und halb

verbranntes Fleisch und einen Schluck saure Milch. Eine Brotrinde und

eine Flasche Wein waren kaum für schweres Geld zu erlangen. Ein Jahr

solcher Strapatzen und Entbehrungen war eine Ewigkeit für Männer,

welche von jeher gewohnt waren, allen Luxus von Paris mit ins Feld zu

nehmen: weiche Betten, kostbare Decken, Silbergeschirr, Körbe voll

Champagner, Operntänzerinnen, Köche und Musiker. Besser ein Gefangener

in der Bastille, besser ein Mönch in La Trappe, als Generalissimus der

halbnackten Wilden, die sich im Schlamme der öden Sümpfe von Munster

wälzten. Jeder Vorwand war willkommen, der als Entschuldigung für die

Rückkehr in das Land der Kornfelder und Weingärten, der vergoldeten

Karossen und der Spitzenkragen, der Ballsäle und Theater dienen

konnte.[66]

[_Die Irländer bestehen auf der Vertheidigung von Limerick._] Ganz

anders war die Gesinnung der Söhne des Landes. Die Insel, welche in den

Augen französischer Hofleute ein trostloser Verbannungsort war, war des

Irländers Heimath. Hier waren alle Gegenstände seiner Liebe und seines

Ehrgeizes vereinigt und hier hoffte er, daß sein Staub sich einst mit

dem Staube seiner Väter vermischen werde. Für ihn hatten selbst der

durch die Dünste des Oceans verschleierte Himmel, die schwarzen

Binsendickichte und stehenden Gewässer, die Lehmhütten, in denen die

Landleute ihre Wurzelmahlzeit mit den Schweinen theilten, einen Reiz,

der den sonnigen Tagen, den wogenden Feldern und den stattlichen

Palästen der Seine fehlte. Er konnte sich keine schönere Wohnstätte

denken als sein Vaterland, wenn es erst einmal von der Tyrannei der

Sachsen erlöst sein würde; und jede Hoffnung, sein Vaterland von dem

Tyrannenjoche der Sachsen erlöst zu sehen, mußte schwinden, wenn

Limerick übergeben wurde.

Das Verhalten der Irländer während der letzten zwei Monate hatte ihren

militärischen Ruf auf die tiefste Stufe herabgezogen. Sie waren, mit

Ausnahme einiger tapferer Cavallerieregimenter, am Boyne schimpflich

geflohen und hatten sich dadurch die Verachtung ihrer Feinde sowohl wie

ihrer Verbündeten zugezogen. Die Engländer, die sich in Saint-Germains

befanden, nannten die Irländer nie anders als ein Volk von Memmen und

Verräthern.[67] Die Franzosen waren so erbittert gegen die unglückliche

Nation, daß irische Kaufleute, die schon seit vielen Jahren in Paris

etablirt waren, sich nicht in den Straßen zeigen durften, wenn sie vom

Pöbel nicht insultirt werden wollten.[68] Das Vorurtheil war so stark,

daß alberne Geschichten erfunden wurden, um die Unerschrockenheit, mit

der die Reiter gefochten, zu erklären. Bald sagte man, die Reiter seien

nicht Männer von celtischem Geblüt, sondern Nachkommen der alten

Engländer des Sachsengebiets;[69] bald wieder, sie seien kurz vor der

Schlacht mit Branntwein berauscht worden.[70] Nichts ist jedoch

gewisser, als daß sie zum größten Theil irischer Abstammung gewesen sein

müssen; auch hatte der sich gleichbleibende Muth, den sie in einem

langen und fast hoffnungslosen Kampfe entfalteten, nicht die mindeste

Aehnlichkeit mit der Wuth eines durch geistige Getränke zu momentaner

Tapferkeit erhitzten Feiglings. Selbst bei der Infanterie, so

undisciplinirt und desorganisirt sie war, fand sich viel Muth, nur wenig

Ausdauer. Anfälle von Begeisterung und Anfälle von Entmuthigung

wechselten mit einander ab. Das nämliche Bataillon, das jetzt in

panischem Schrecken die Waffen wegwarf und um Pardon bat, focht bei

einer andren Gelegenheit mit großer Tapferkeit. In der Schlacht am Boyne

war der Muth der ungeübten und schlecht commandirten Kernen auf den

Nullpunkt gesunken. Als sie sich in Limerick wieder gesammelt hatten,

war ihr Blut in Aufruhr. Patriotismus, Fanatismus, Scham, Rachedurst und

Verzweiflung hatten sie über sich selbst erhoben. Offiziere und

Mannschaften verlangten einstimmig, daß die Stadt bis aufs Aeußerste

vertheidigt werde. An der Spitze Derer, welche für den Widerstand waren,

stand der tapfere Sarsfield, und seine Ermahnungen erweckten in allen

Reihen einen Muth, der dem seinigen gleichkam. Sein Vaterland zu retten,

lag außer seiner Macht. Er konnte nichts weiter thun, als den letzten

Todeskampf um ein blutiges und unheilvolles Jahr verlängern.[71]

[_Tyrconnel ist gegen die Vertheidigung von Limerick._] Tyrconnel

war vollkommen unfähig, die Frage, über welche die Franzosen und

die Irländer getheilter Meinung waren, zu entscheiden. Die einzigen

militärischen Tugenden, die er jemals besessen, waren persönliche

Tapferkeit und Geschicklichkeit im Gebrauche des Degens. Diese

Eigenschaften hatten ihn in früherer Zeit befähigt, Nebenbuhler von den

Thüren seiner Maitressen fern zu halten und bei Hahnenkämpfen und am

Spieltische den Hektor zu spielen. Um aber über die Möglichkeit einer

Vertheidigung von Limerick sich ein Urtheil zu bilden, dazu gehörte

mehr. Wäre sein Blut noch so heiß gewesen wie in den Tagen, da er mit

Grammont würfelte und dem alten Herzoge von Ormond den Hals zu brechen

drohte, würde er wahrscheinlich dafür gestimmt haben, das Aeußerste zu

wagen. Aber Alter, Mühen und Krankheit hatten von dem bramarbasirenden,

polternden und rauflustigen Dick Talbot der Restauration wenig mehr

übrig gelassen. Er war sehr schwach geworden und einer energischen

Anstrengung nicht mehr fähig. Die französischen Offiziere erklärten

ihn für gänzlich unwissend in der Kriegskunst. Sie hatten bemerkt,

daß er am Boyne ganz bestürzt ausgesehen, unfähig selbst Anordnungen

zu treffen, ja sogar unfähig, sich über die von Anderen gemachten

Vorschläge zu entscheiden.[72] Die Niederlagen, welche seitdem rasch

aufeinander gefolgt, waren nicht geeignet, die Lebenskraft eines so

kläglich geschwächten Geistes wieder zu heben. Seine Gattin war mit

den spärlichen Ueberresten seines einst großen Vermögens schon in

Frankreich, er wünschte ihr dahin zu folgen, und daher stimmte er für

das Aufgeben der Stadt.

[_Limerick wird von den Irländern allein vertheidigt._] Schließlich

wurde ein Uebereinkommen getroffen. Lauzun und Tyrconnel zogen sich mit

den französischen Truppen nach Galway zurück, und die Hauptmacht der

eingebornen Armee, etwa zwanzigtausend Mann, blieb in Limerick. Das

Obercommando wurde hier Boisseleau übertragen, der den Character der

Irländer besser kannte und sie in Folge dessen günstiger beurtheilte als

irgend einer ihrer Landsleute. Im Allgemeinen sprachen die französischen

Offiziere von ihren Verbündeten mit grenzenloser Verachtung und Abscheu,

wodurch sie sich bei ihnen ebenso verhaßt machten wie die Engländer.[73]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Achter Band: enthaltend Kapitel 15 und 16. · 第 15 / 22 段