Preising (der sich zugleich mit Stachus erhebt). Ja, es ist aus!
Das Glöcklein verstummt, das Kind tat seinen letzten Atemzug, und
Ernst hat keinen Erben mehr, da er seinen Sohn verstieß. Dies ist
eine schwere Stunde fürs Land! Gott schaue gnädig auf uns herab!
(Er ergreift das Dokument wieder.) Nun wird er wohl gleich hiersein!
Die ganze Nacht war er drüben! (Er nimmt es aus dem Umschlag und
entfaltet's.) Was ist das? (Er liest.) "Rechtlicher Beweis,
geschöpft aus den Ordnungen des Reichs und anderen lauteren Quellen,
daß die Agnes Bernauer oder Pernauer aus Augsburg wegen
verbrecherischer Verleitung des jungen Herzogs Albrecht zu
unrechtmäßiger Ehe, ja sogar, falls sich nichts Weiteres erhärten
ließe, wegen bloßer Eingebung einer solchen im äußersten Falle gar
wohl, zur Abwendung schweren Unheils, auf welche Weise es immer sei,
vom Leben zum Tode gebracht werden dürfe!" (Er setzt ab.) Oh, nun
begreif ich alles! Dieser Tote wird wieder töten, dieser Knabe, der
nicht einmal seine Nürnberger Klapperbüchse mehr schütteln kann, wird
das Mädchen nachholen! Schrecklich! (Er sieht wieder hinein.) Des
jungen Herzogs! Er ist fünf Jahre älter, als sie, und hat vielleicht
schon seine erste Schlacht gewonnen, bevor sie noch ihre letzte Puppe
in den Winkel warf! ärmste, welch ein Schicksal ereilt dich! (Er
blättert um.) Wer hat sich denn unterschrieben? Adlzreiter!
Kraitmayr! Emeran Nusperger zu Kalmperg! Große Juristen, würdig, zu
Justinians Füßen zu sitzen und die Welt zu richten, wer wagte ihnen
zu widersprechen! Sie ist verloren! (Er sieht wieder hinein.) Und
gleich nach dem Regensburger Turnier abgefaßt! Ja, da trafen sie
alle drei hier in München zusammen, ich hielt's für Zufall, nun seh
ich wohl, daß sie gerufen waren! Das sind schon dritthalb Jahre!
Wie wenig mag sie's noch erwarten! (Er blättert noch einmal um.)
Unten das förmliche Todesurteil, dem nur noch der Name des Herzogs
fehlt! Der wird nun wohl bald hinzukommen! Mich graust! Manch
ähnliches Blatt hielt ich schon in der Hand, aber da ging dem
strengen Spruch jedesmal eine Reihe schnöder Gewalttaten voran, man
las viel von Raub, Mord, Brand und Friedensbruch, ehe man an die
Strafe kam. Hier könnte höchstens stehen: sie trug keinen Schleier
und schnitt sich die Haare nicht ab! Ich weiß jetzt ja recht gut,
wie's zugegangen ist! Und dennoch--(Er liest wieder.) Durchs Beil,
durchs Wasser, ja durch einen Schuß aus dem Busch--(Er setzt ab.)
Gibt's denn gar kein anderes Mittel mehr?