Stachus (tritt ein). Ein Bauer ist da, mit einer ungeheuer großen
Ähre, die er dem Herzog zeigen will!
Preising. Nur heute nicht! Er wird vom Sterbebett keine Augen dafür
mitbringen!
Stachus. Das hab ich ihm schon gesagt! Aber er läßt sich nicht
bedeuten, und Ihr wißt's ja, daß wir mit den gemeinen Leuten nicht
unsanft verfahren dürfen!
Preising. So laß ihn stehen, bis er von selbst geht! Hört man denn
nichts von dem armen Prinzen? Wird's nicht doch ein wenig besser?
Bei Gott ist ja kein Ding unmöglich!
Stachus. Besser! Vor einer halben Stunde ward er versehen! Herr
Kanzler, die Augsburger Hexe paßt schon auf, und der Teufel läßt sie
nicht im Stich, wie sollt's besser werden!
Preising. Was redst du da wieder, Stachus!
Stachus. Was sie alle reden! In der Burg, auf der Straße, an der
Schranne, im Klosterhof, wo man auch hinkommt, alle, alle! Ein
hochwürdiger Pater Franziskaner hat diese Bernauerin schon von der
Kanzel herab verflucht, er hat gesagt, sie sei wert, bei lebendigem
Leibe verbrannt zu werden, da wird's doch wohl wahr sein! Und wie
sollt's auch nicht! Erst stirbt der Vater, der gute, gute Herzog
Wilhelm; dies Wams hab ich von ihm! Dann folgt seine Gemahlin!
Heute rot, morgen tot; wir mußten sie beweinen, eh' sie ihn noch
beweinen konnte. Nun der Prinz, der freundliche kleine Adolph! Hört
Ihr? Das Sterbeglöcklein! Es ist aus! Aus! (Er ballt die Hände,
wie zum Fluchen.) Und ich sollte nicht!?--(Er sinkt auf die Knie und
betet.)
Preising (sinkt gleichfalls auf die Knie).
Stachus (aufstehend). Selbst in Brand stecken möcht' ich den
Scheiterhaufen! Die fände so viele Henker, als es treue Bayern gibt.
Nun geht's an den Herzog, den regierenden Herrn, gebt nur acht! (Ab.)