Siebente Szene

Erkerzimmer. Albrecht tritt mit Agnes ein. Der Kastellan folgt.

Albrecht (zu Agnes, die einzutreten zaudert). Nun? (Zum Kastellan.)

Also dies ist das Zimmer?

Kastellan. Dies ist das Zimmer!

Albrecht. Ein wahrer Lug ins Land!

Kastellan. Ja, von hier aus sieht man die Feinde zuerst, aber auch

die Freunde. Das sagte die Hochselige, als sie's zum ersten Mal

betrat und geradeso, wie Ew. Gnaden jetzt, aufs Fenster zuging!

Albrecht. Wir hätten früher kommen sollen, nicht wahr, Alter, gleich

nach der Ankunft? Denn ich merk's wohl, daß meine Mutter dich ins

Vertrauen gezogen hat!

Kastellan. Ei, ich brauch's nicht zu erfahren, warum das fünf Tage

später geschieht, als sie erwartete! Ich weiß ohne das, was ich dem

Burgwart und dem Kellermeister zu antworten hab, wenn sie die Köpfe

noch einmal zusammenstecken sollten, denn Ew. Gnaden stehen jetzt

darin, und also auch meine erlauchte Gebieterin Elisabeth von

Württemberg, nunmehr von Bayern!

Albrecht. Deine Gebieterin gewiß, wenn auch nicht Elisabeth von

Württemberg!

Kastellan. Nicht? Ich meinte doch! Anders freilich hätt' ich's mir

vorgestellt! Wenn Fürstinnen im Heiligen Römischen Reich sonst ihren

Brautzug hielten, meldete es ein Glockenturm dem andern durch

fröhlich Geläut, die Fahnen flogen, die Trompeten schmetterten und

bunte Herolde sprengten hin und her! Davon hat man diesmal nichts

gemerkt: nun, Gott segne die Herzogin dieser Lande und die

rechtmäßige Gemahlin meines Herrn! (Ab.)

Agnes Bernauer · 第 73 / 108 题