Ernst. Was noch? Warum stockt Ihr? Das kenn ich ja gar nicht an Euch!
Preising. Das Gerücht--wissen müßt Ihr's--geht sogar noch weiter,
viel weiter!
Ernst. Das Gerücht hat tausend Zungen, und nur mit einer spricht es
die Wahrheit; wer will die herausfinden? Aber wie weit geht's denn?
Ich bin doch neugierig!
Preising. Man munkelt von einer heimlichen Heirat! Die Dirne hätt's
nicht anders getan!
Ernst. Und das könnt Ihr mir mit einem ernsthaften Gesicht sagen?
Preising! Bringt das auch der Bote?
Preising. Ich habe ihm augenblicklich das strengste Stillschweigen
auferlegt.
Ernst. Nicht doch! Er soll reden! Aber er soll hinzufügen, daß der
Dirne ganz Bayern zum Leibgeding verschrieben ist! (Er lacht.) Meint
Ihr nicht? Auch der Teil, der nicht uns gehört, der solle apart für
sie erobert werden! Durch mich, versteht Ihr?
Preising. Und Ihr seid gewiß, daß nichts dahintersteckt? Gar nichts?
Ernst. Preising! (Er hebt seine drei Finger in die Höhe.) Das
solltet Ihr doch auch können, und ob Ihr auf dem Todbett lägt! So
viel Respekt für mein Blut verlang ich! Die Sippschaft der Dirne
hat's in Umlauf gesetzt, um ihre Schande zu verbrämen! Das liegt ja
auf der Hand! Aber daraus folgt nicht, daß wir ruhig zusehen wollen,
bis es im ganzen Reich herum ist, bewahre! Es freut mich jetzt
doppelt, daß der Braunschweiger endlich gesprochen hat, nun können
wir dem Kot gleich einen Platzregen nachschicken, und wir wollen uns
rühren, daß er sich nicht vorher festsetzt! Also! Ihr steigt
augenblicklich zu Pferd und meldet's meinem Sohn-
Preising. Wenn er's nun aber doch nicht aufnimmt, wie Ihr denkt?
Ernst. Haltet Euch doch nicht bei Unmöglichkeiten auf! Das sind ja
ganz verschiedene Dinge! Er sagt ja; ob gern oder ungern, schnell
oder langsam, das kümmert nicht mich und nicht Euch. Es gibt zwar
eine Person, der das nicht so gleichgültig sein kann, wie uns beiden,
aber auch um die ist mir nicht bange, sie wird's schon durchsetzen,
wenn sie nur einmal da ist! In Braunschweig ist ja alles schön, bis
auf das Hexenvolk, das sich zu Walpurgis bei Nebel und Nacht auf dem
Blocksberg versammelt, und Erichs Anna soll noch mächtig
hervorleuchten! Ihr kennt das schnurrige Wort ja wohl, das auf dem
letzten Fürstentag über sie umging. Der Burggraf von Nürnberg, der
kleine Bucklichte, der immer so twatsche Einfälle hat, sagte, als die
Rede auf ihr schlichtes Wesen in Gang und Kleidertracht kam, sie sei
ein Licht, das ungeputzt noch heller brenne, als geputzt, und die
Jüngeren unter uns schwuren mit großem Lärm, das sei wahr, während
wir Älteren lachten. Zum Teufel, die wird's doch mit der Baderin
aufnehmen können?
Preising. Gut denn!
Ernst. Weiter entbietet ihn zum Turnier, nach Regensburg, denk ich!
Ja, ja, nach Regensburg! Ich bin's denen schuldig! Er soll nicht
länger dastehen, wie ein Knabe, dem der eine Vogel davongeflogen ist,
und der keinen andern fangen kann, auch soll's die Ritterschaft
gleich wissen, daß Welf und Wittelsbach sich endlich einmal wieder
küssen wollen, und das will ich feierlich auf dem Turnier verkünden!
Es muß so rasch, als möglich, zustande gebracht werden, mein Bruder
soll die Ausschreibungen auf der Stelle erlassen, ich will gleich zu
ihm, er wird's gern tun, das ist ein Geschäft für ihn! Wißt Ihr,
wie's mit seinem Sohne steht? Ich sah ihn lange nicht, sie
verstecken ihn vor mir, wie's scheint, als ob sie sich schämten, ich
mag kaum nach ihm fragen!
Preising. Besser, wie ich höre, etwas besser, seit das alte
Kräuterweib ihn pflegt!
Ernst. Das freut mich, obgleich es wohl nicht viel heißt! Denn mit
diesem Knaben spielen alle Gebresten Fangball, ich hätte gar nicht
gedacht, daß es so viele übel gibt, als er schon gehabt hat, es ist
ein Elend! Preising, der arme Adolph wird gewiß keine tolle Streiche
machen, höchstens den, daß er ins Kloster geht, und daran tut er am
Ende sogar recht!
Preising. Oft werden schwache Kinder doch noch starke Männer!
Ernst. Gott geb's, ich wünsch es von Herzen! Aber--was trieb mein
Albrecht schon alles, als er vier Jahr' alt war! Da kam kein Bart
ungerupft vom Schloß, und kein Fenster blieb ganz, wo er
herumhantierte. Freilich, jetzt ist's weit mit ihm gekommen, er hat
sein Nest beschmutzt, und das hätt' ich nie gedacht, ich hielt ihn
für einen bessern Vogel. Nun, es soll schon wieder rein werden, und
später kann ich dafür auch um so mehr von ihm fordern, denn alle zehn
Gebote zusammen peitschen den Mann nicht so vorwärts, wie die
Jugend-Torheiten, die ihm rechts und links über die Schultern kucken,
wenn er den Kopf einmal dreht. Nur darum, glaub ich, läßt Gott, der
Herr, sie zu! (Wendet sich zum Abgehen.)
Preising. Und wenn--Gnädiger Herr, in einem solchen Fall ward das ja
gewiß noch niemals schnell gesagt! Wenn er es mir nicht gleich auf
den Weg mitgibt: lad ich ihn dann auch zum Turnier?
Ernst. Dann erst recht! Dann will ich ihn vor gesamter
Ritterschaft--Torheit! Zu Pferd, Preising, zu Pferd! (Rasch ab.)
Vohburg.