Und dann strahlte das Gesicht. Es reichte -- -- er war stark genug --
sie durften ihn nicht abweisen.
„Stell mir den Wecker neben das Bett, Mutter. Gute Nacht!“ Drehte sich
um und war auch schon im tiefsten Schlaf.
Wieviele Mütter mögen in jenen ersten Nächten am Bett ihres Jungen
gesessen und fassungslos in das junge, weiche Gesicht geschaut haben.
Und wieviel Kämpfe mögen da ausgefochten worden sein. Verzweifelte
Kämpfe zwischen Stolz und namenloser Schwäche, zwischen hellem Ehrgeiz
und tiefstem Jammer.
Es war da plötzlich eine unsichtbare Macht in die Welt gekommen,
die riß die, welche zusammengehörten, auseinander -- machte aus dem
kindlichsten Buben einen Menschen, der ganz genau wußte, was er zu tun
hatte, der nicht mehr nach rechts und nach links schaute, der im Fieber
auf die Erfüllung des einen, großen, heiligen Wunsches wartete: „Nehmt
mich! Nehmt mich! Stoßt mich nicht aus!“
Und der glühende Wunsch, der da im schlafenden Buben lebte, teilte
sich der, die neben ihm saß, die durch ein einsames Leben mit dem Kind
an der Hand gegangen war, mit und gab ihr Stolz und Kraft. „Mag dein
Wunsch sich erfüllen -- mein Jung -- --“ und küßte die hohe, reine
Stirn, die das Schönste an diesem schmalen Knabengesicht war.
Dann noch ein Tag der Enttäuschung -- noch ein Tag, an dem die irre
Angst in den dunklen Augen lebte. -- „Ich ertrag’ es nicht, wenn sie
mich nicht nehmen!“ Und kein Trost, keine Ermutigung wollte helfen.
Am dritten Tage aber kommt er heim, das Gesicht wie mit Glanz
übergossen, holt einen Fahrschein, der ihm im Kriegsministerium
ausgestellt worden ist, aus der Tasche und jubelt: „Morgen fahren wir.
In der Altmark beim Husarenregiment brauchen sie Freiwillige, die
nicht über hundertdreißig Pfund wiegen. Pack mir das Notwendigste ein,
Mutter! Bevor ich eintrete, werde ich ja noch einmal zurückkommen!“
War das noch Ernst Hiller, der sich nichts zugetraut hatte? War das
noch der ernste Junge, der Philosoph, der Professor, der Grübler, der
jugendliche Weltverachter?
Nein! Das ganze Leben, das vorangegangen war, war jetzt ein Blödsinn
-- eine Wertlosigkeit -- oder wenn es schon einen Wert gehabt hatte,
dann war es doch nur der, daß es vorbereitet hatte für das, was nun zu
erfüllen war. --
Er hatte hundertzwanzig Mark in der Tasche, als er mit den zwei
Freunden, die ebenso wie er nach der altmärkischen Garnisonstadt
wollten, das Auto zum Bahnhof bestieg.
Die Zeit war so gewaltig und riß die Menschen zu ungeahnten Höhen; und
Ernst Hiller war auf einem großen Weg, war bereit, Blut und Leben für
Deutschlands Ehre darzubieten -- -- aber die hundertundzwanzig Mark in
seiner Tasche war doch etwas, was ihn ganz kolossal erhob und ihm eine
ungeheure Zuversicht für das, was kommen würde, gab.
„Leb’ wohl, Mutter! In zwei Tagen bin ich wieder da -- dann nehmen
wir richtigen Abschied!“ Sprang die Treppe hinab, grüßte noch einmal
herauf, und fort ging es.
Am Bahnhof großes Durcheinander -- der siebente Mobilmachungstag, und
die Beamten wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht.
Die drei Jungen aber haben ihren Fahrschein vom Kriegsministerium; man
darf sie nicht zurückschieben. Sie haben sich zu stellen und müssen
befördert werden. Und sie warten geduldig in der heißen Halle, warten
Stunde auf Stunde, so wie sie die Tage zuvor in der Kaserne gewartet
haben.
Endlich dürfen sie durch -- die Menschen quellen durch die geöffnete
Sperre, werden von Schutzleuten angehalten -- in Reihen gestellt und zu
den Abteilen geführt.
Die drei sitzen in der vierten Klasse -- sitzen und stehen in dem immer
voller werdenden Raum. Aber keiner schimpft über das Gedränge, keines
einzigen Miene verzieht sich in Ärger, wenn immer Neue hereinquellen.
Sie lachen -- sie reißen Witze -- sie sind alle aufgeregt; ein jeder,
der hier im Wagen sitzt, macht heute eine Fahrt, die man nur einmal im
Leben macht.
Der größte Teil der Fahrenden ist schon in feldgraue Uniform gekleidet;
die anderen haben eine Binde um den Arm und einen Packen oder Karton an
der Hand. Jeder weiß genau, wo seine Stelle ist. Und da sind so viel
große und kräftige Gestalten, Männer mit gewaltigen Brustkasten und
eisernen Fäusten und mächtigen Stimmen. Denn in dem Augenblick, in dem
der Zug sich in Bewegung setzt, fangen sie an zu singen, alle wie auf
Verabredung das eine Lied:
Es braust ein Ruf wie Donnerhall --
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall! ...
‚Die Wacht am Rhein!‘ Was anderes sollen sie singen, denn die
Feldgrauen fahren direkt über den Rhein -- -- die anderen werden
unterwegs in ihren Garnisonen abgesetzt.
„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“ Und wie Ernst Hiller das Lied aus
diesen mächtigen Kehlen schallen hört, wie er diese breiten Männer mit
den gewaltigen Brustbreiten und den derben Fäusten rund um sich herum
sieht, da kriecht wieder die zermalmende Angst an ihm in die Höhe und
frißt sich in seine Seele ein: ‚Wenn sie mich nun doch nicht nehmen!
Wenn ich doch zu schwach, zu schmal sein sollte?‘
Und es ist, als ob die Welt sich vor ihm verfinstere, als ob die Sonne,
die heiß und leuchtend am Himmel steht, nur für die anderen da sei
-- für ihn nicht -- denn, wenn er zu schwach befunden, wenn er nicht
genommen wird, dann mag er nicht mehr leben -- dann hat das Leben
keinen Sinn für ihn mehr.
Die kindliche Freude an dem Vermögen, das er bei sich trägt, die
Begeisterung, die jubelnde Zuversicht -- alles ist fort. Die Augen
wieder tiefernst, um den Mund der alte überlegene Zug, der den Schmerz
verbergen soll, und Ernst Hiller ist inmitten dieser lebensprühenden,
heißen, beflügelten Reisegesellschaft wieder der, den sie den
Philosophen, den Professor, den Grübler nannten.
Aber nicht lange dauert diese Unterwerfung unter eine bange
Vorstellung. Irgendein Feldgrauer, ein älterer schon, auf den man sich
verlassen kann, hat an ihn und die zwei Freunde die Frage gerichtet:
„Freiwillige, was? Wo wollen Sie sich stellen?“
Und die drei antworten wie aus einem Mund: „Bei den Husaren!“ Und Ernst
Hiller fügt, ohne den Willen dazu zu haben, die Frage an: „Hat man
Aussicht, angenommen zu werden?“
„Totsicher!“ sagte der Mann, „Sie sind ja gesunde, kräftige Menschen.“
Zum Donnerwetter, ja -- wer hatte ihm denn eigentlich zeit seines
Lebens eingeredet, daß er zart und schwach sei?
Die Mutter natürlich. So ein Blödsinn -- und weil sie das immer
wiederholte, weil sie immerfort in Sorgen um seine Gesundheit gewesen
war, hatte er es eben als Tatsache hingenommen, daß er ein zarter,
schwächlicher Junge sei, der Schonung bedürfte.
In diesem Augenblick war er ärgerlich auf die Mutter. Trotz aller ihrer
Liebe und Fürsorge -- es wäre vielleicht besser gewesen, sie hätte
auf Großmutter gehört und hätte ihn mit elf Jahren ins Kadettenkorps
gesteckt, dann wäre er jetzt Offizier und stände schon irgendwo in der
Front.
War das eine Fahrerei heute! Schneckengleich kroch der Zug dahin und
alle Viertelstunde eine Station oder auch nur Anhalten im freien Feld!
Und das Herz schlug einen so schnellen Takt; man wollte so gern am Ziel
sein -- so gern den Ort sehen, in dem das Schicksal sich entscheiden
sollte.
An den Bahnhöfen stürzten junge Mädchen mit großen weißen Schürzen an
die Züge heran; sie trugen Körbe mit Brot und große Blechkannen mit
Kaffee für die Soldaten.
„Das sind alles feine junge Damen!“ sagte einer von Ernsts Freunden und
reckt die Hand aus.
„Fräulein -- wir sind auch Soldaten -- -- -- Hiller, laß dir auch was
geben!“ Aber Ernst Hiller wandte sich ab, und sein Jungengesicht war
rot geworden.
„Ich bin ja noch kein Soldat!“ und die Angst wollte sich wieder regen.
Jedoch Kaffee, Brot und Zigarren hatten eine frohe Stimmung in der
Reisegesellschaft geweckt. Sie sangen wieder -- einer hatte eine
Ziehharmonika und begleitete -- sie sangen ohne Aufhören, bis die
Kehlen heiser waren, bis sie keine Lieder mehr wußten.
„Heute sind wir die Herren der Welt!“ schrie ein Feldgrauer. „Heute
tausche ich mit keinem Millionär!“
Der kleine Hiller sah bewundernd zu ihm auf. Wenn er doch auch erst
so weit wäre! Übermorgen in Belgien! Bei ihnen kam, wenn sie wirklich
angenommen wurden, erst noch der lange Drill, und wer weiß, wie weit
der Krieg schon vorgeschritten war, wenn sie endlich ausrückten.
Verdammt, daß er sich in den Kopf gesetzt hatte, zu studieren. Er
stammte aus einer Soldatenfamilie und fühlte nun plötzlich, daß auch er
Soldatenblut in sich trug.
Offizier könnte er sein, wenn er’s gewollt hätte -- und mußte nun
abwarten, ob sie ihn überhaupt als Freiwilligen nahmen.
Flach und reizlos war die Landschaft, durch die sie fuhren; aber reich
und fruchtbar war sie auch -- -- auf den grünen Weiden buntgeschecktes,
mächtiges Vieh und an beiden Seiten der Wege Bäume, die sich unter der
Last der Früchte beugten.
Die Sonne sank glührot immer tiefer hinab. Wie ein feuriger Ball
schwebte sie eine Weile dicht über der Erde; dann mit einmal war sie
fort, und der Himmel, der sich wundervoll hoch und blau gewölbt hatte,
schien auch näher zur Erde herabzukommen und ward grau und fahl, und
die ganze Welt schien plötzlich stiller und trauriger zu werden.
Es dunkelte, als die drei mit ihren Taschen sich zum Aussteigen
rüsteten. „Glück auf!“ riefen ihnen die Soldaten aus dem Zug nach. „Auf
Wiedersehen in Paris!“
Sie schwenkten ihre Mützen, „Hurrah!“ Und dann kam eine selige
Freiheitsstimmung über die drei Kerle; kein Mensch in der Welt hatte
ihnen jetzt etwas zu sagen. Sie standen hier auf dem Bahnhof einer
fremden Stadt, hatten ein gefülltes Portemonnaie in der Tasche --
konnten tun und lassen, was sie wollten.
Frei! Frei! Frei! Kein Pauker ging sie mehr was an. Nein -- sie waren
mit einem Schlag viel mehr als ihre früheren Pauker geworden -- das
hatten die ihnen ja selbst gesagt. Und alle Frauen vergötterten sie,
alles faßte sie mit Glacéhandschuhen an. Wenn sie nur erst in ihrer
Uniform steckten!
„Da steht einer!“ Und sie sahen bewundernd auf einen graugelben
Husaren, der, den Karabiner über der Schulter, unbeweglich dastand.
„Na -- nu los!“ Und durchs Bahnhofgebäude durch auf den Vorplatz des
Bahnhofs.
Da stand eine Pferdebahn -- eine richtiggehende Pferdebahn, mit einem
alten Klepper bespannt.
Na, die Pferdebahn mochten sie nicht; sie nahmen sich einen Wagen.
„Gasthof ‚Zum Schwan‘, das ist doch das beste Hotel am Ort?“
Der Kutscher winkte, und sie rasselten in die schon dunkel werdende
Stadt hinein. Der ‚Schwan‘ lag an einem großen Platz; Rathaus und
Kirche, zwei uralte Bauten, warfen riesenhafte Schatten. Man konnte die
goldenen Lettern am Hotel kaum erkennen.
„Ist das wirklich das beste Hotel am Ort?“ fragte einer von den drei
noch einmal mißtrauisch zum Kutscher hinauf, und der nickte wieder.
„Alle Herren Offiziere steigen hier ab.“ Und da sprangen denn auch die
drei aus dem Wagen, zahlten und gingen durch die große Einfahrt des
altmodischen Hauses bis zu einer kleinen Seitentreppe hin.
Ein Kellner fragte nach ihrem Begehr.
„Drei Zimmer!“
„Erster oder zweiter Stock?“
„Gleichgültig!“
Sie ließen sich drei geräumige Zimmer geben. Preis war Nebensache.
Die Hände gewaschen und hinunter in den Speisesaal; sie waren hungrig
geworden.
Seltsam, das hätte man gar nicht denken sollen, daß in diesem von außen
so altmodisch aussehenden Hotelchen ein so anständiger Speisesaal war.
An zwei Wänden entlang ausgebaute Nischen, dicker Teppich auf dem Boden
und erstklassige Beleuchtung.
In ihren grauen und hellbraunen Sommeranzügen traten sie ein und sahen
mit angenehmem Staunen ein buntes Bild. Gleich am ersten Tisch ein
Infanterieoberst, der flüchtig aufblickte, als die drei eintraten. Und
im übrigen fast nur graugelbe Husarenuniformen: zwei Offiziere, ein
paar Junker und eine Anzahl Soldaten -- Freiwillige oder Einjährige.
Der Kellner, der ihnen ihre Zimmer angewiesen hatte, führte sie zu
einem Tisch und reichte ihnen die Speisekarte. Sie bestellten mit
der Freude der ganz Jungen, denen ein Absteigen im Hotel noch etwas
Fremdes ist. Sie bestellten das Beste, was sie auf der Karte entdecken
konnten, und ließen eine Flasche Wein kommen. So oft ein junger Husar
den Saal betrat, blieb er erst, die Hacken zusammengeklappt, am Tisch
des Infanterieobersten stehen, dann bei den zwei Offizieren, grüßte die
Fahnenjunker und verschwand im Hintergrund.
Die drei, die heute noch freie Leute waren, fühlten sich ein wenig
beklommen. Heute noch ging kein Mensch in der Welt sie was an; heute
konnten sie ruhig hier in nächster Nähe des Obersten sitzen, ihre
Mahlzeit verzehren und ihren Wein trinken, konnten lachen und sich
unterhalten, wie es ihnen beliebte. In ein paar Tagen aber, wenn sie
Glück hatten, wenn sie angenommen wurden, waren diese hier ihre
Vorgesetzten, und sie würden sich wahrscheinlich wie die anderen
Husaren ihren Platz in gemessener Entfernung suchen.
Aber es war merkwürdig, auch jetzt fühlten sie sich schon gar nicht
mehr ganz frei. Irgendwas lag wie ein leiser Druck auf ihnen. Sie
sprachen mit gedämpfter Stimme und sprachen nur über Dinge, die jeder
hören durfte. Eine Vorahnung kam in sie. Diese beiden Herren hier in
der graugelben Husarenuniform waren vielleicht die, die morgen über
sie zu entscheiden hatten, und Ernst Hiller senkte den Kopf und ward
blutrot, als er bemerkte, daß einer der Offiziere scharf nach ihrem
Tisch hinübersah.
Der wußte natürlich längst, in welcher Eigenschaft sie in diese
kleine Stadt und in dieses Hotel gekommen waren: ‚Freiwillige.‘ Wie
anders sollten drei junge Burschen den Weg hierher gefunden haben?
Sie waren sehr bescheiden geworden, sie aßen nicht ganz mit dem
harmlos glücklichen Appetit, mit denen sie die guten Dinge, die ihnen
gereicht wurden, vielleicht auf neutralerem Boden verzehrt haben
würden. Sie tranken auch den Wein nur in zaghaften Zügen, zahlten und
gingen hinaus, um draußen in der dunklen Einfahrt einen Seufzer der
Erleichterung auszustoßen.
Was nun? Erst neun Uhr! Da konnte man natürlich noch nicht zu Bett
gehen.
Also sah man sich das Nest, in das man gekommen war, mal an. Und mit
dem Hochmut der geborenen Großstadtmenschen schlenderten sie über den
Marktplatz mit seinen altmodischen Bauten, durch enge Gäßchen mit
niedrigen bunten Häusern, um bald in die Hauptstraße, in der noch reges
Leben herrschte, zu gelangen.
Plakate und Extrablätter genau so wie in Berlin!
Lüttich war genommen. Die Bonner Husaren hatten sich ausgezeichnet! Das
war etwas für sie! Das trieb ihnen das Blut in die Wangen!
Lüttich genommen! Wie das rasend schnell vorwärtsging! Vielleicht
war in ein paar Wochen der ganze Krieg ausgefochten, und sie kamen
überhaupt nicht mehr heraus. Ernst Hiller fühlte es wie Schmerz in
sich aufsteigen. Die Straße zog sich lang und einförmig hin. „Verdammt
langweilig, so ein Provinznest!“
Aber da drüben auf der anderen Seite stand an einem unansehnlichen Haus
die Aufschrift: ‚Wiener Café‘, und durch große Fensterscheiben strahlte
Licht. Also da hinein! Irgend etwas mußte man doch noch unternehmen!
Einen einzigen leeren Tisch noch gab’s im ganzen Lokal, und der stand
etwas abseits in einer Ecke. Sie steuerten drauflos und fühlten
sich hier sicherer als im Hotel, in nächster Nähe der zukünftigen
Vorgesetzten.
Sie ließen Kaffee und Kuchen kommen; Kuchen mit Schlagsahne und einen
Likör. Eine kleine Kapelle spielte Vaterlandslieder, und wenn die
‚Wacht am Rhein‘ oder ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ einsetzte,
stand jeder von seinem Platz auf und sang mit. Es war heiß im Saal und
die Luft vom Rauchen so dick, daß man auf zehn Schritte Entfernung
niemandes Gesicht mehr unterscheiden konnte; aber es war schön. Das
Blut geriet in Wallung -- man fühlte die große, gewaltige Zeit, in der
man lebte.
Die drei waren jetzt wieder ganz frei geworden.
Donnerwetter, ja, wenn man bedachte, daß die Schule jetzt für immer
überwunden war! Überhaupt kein Zwang mehr! Noch ein paar Wochen Drill
und dann heraus! Donnerwetter!
Ernst Hillers Gesicht leuchtete. Seit er hier in diesem verräucherten
Lokal mit der lauten, hinreißenden Musik und den vielen begeisterten
Menschen saß, seit er diese heißen, schönen Lieder im gewaltigen Chor
erbrausen hörte, war er wieder ganz sicher geworden. Sie nahmen ihn
selbstverständlich! Morgen oder übermorgen stak er in der graugrünen
Uniform, und in ein paar Wochen stand er draußen im Felde.
Irgendwo knallten Sektpfropfen, und ein Kellner war an ihren Tisch
getreten.
„Die Herren befehlen noch etwas?“ Und die drei sahen sich an, dachten
an den blauen Schein, den sie in der Tasche trugen, einigten sich stumm
und schnell; schon stand der Sektkübel vor ihnen und der Kellner drehte
die Flasche mit kundiger Hand in den kleinen Eisstücken herum.
Spät war es, als sie in den ‚Schwan‘ zurückkehrten, und die Köpfe waren
nicht ganz frei. Einer von ihnen behauptete, trotz des Zigarrendunstes
einen Husarenoffizier ganz in der Nähe ihres Tisches gesehen zu haben.
Aber wenn auch -- heut waren sie ja noch frei; heute hatte kein Mensch
auf der ganzen Welt ihnen was zu sagen.
Und ausschlafen konnten sie auch! Für zwölf Uhr erst waren sie zur
Untersuchung in die Kaserne befohlen.
„Also Punkt zehneinhalb Uhr zum Katerfrühstück im Eßsaal! Gute Nacht!“
Sie reichten sich die Hände und verschwanden in ihre Zimmer, warfen
dann noch die Stiefel hinaus und klappten die Türe zu.
* * * * *
Von der strahlenden Augustsonne überflutet, liegen die roten Gebäude
der Husarenkaserne da. Wenn man aus der inneren Stadt heraus durchs
alte, ehrwürdige Tor kommt, muß man noch eine lange, mit netten Villen
bebaute Straße hingehen, oder man kann auch direkt aus der Stadt in die
Anlagen und von da über den schwarzen Husarenweg gehen, dann sieht man
sie schon von weitem liegen, die lang sich hinziehenden, roten Fronten
der noch neuen Kaserne. Ringsherum sind Felder -- gegenüber ein Weg,
der in ein Dorf führt, und geradeaus weiter eine Chaussee, deren Länge
man nicht abzusehen vermag.
In Scharen trotten die jungen Leute um die Mittagszeit über die
heißen Straßen der Kaserne zu. Vom schwarzen Husarenweg wirbeln die
Staubwolken so hoch auf, daß sie in Mund und Nasen der Wandernden
eindringen.
Immer Sonne, Sonne, Sonne! Seit vielen Tagen kein Tropfen Regen!
Das ist gut für die, die schon draußen im Felde stehen, und darum muß
man dankbar für die große Reihe schöner, sonnenheller, trockener Tage
sein, wie wohl auch ein Regenguß den Feldern wohltun würde.
Junge, aufgeregte Gesichter! Eifriges Reden! In manchen Augen etwas wie
Angst!
Ernst Hiller hat sich beim Aufstehen nicht recht wohl gefühlt.
Jetzt aber hat er rote Farben im Gesicht und klare Augen. Sie haben
ordentlich gefrühstückt, ein richtiges, anständiges Katerfrühstück
-- dazu Südwein und einen kleinen Kognak. Das hat ihnen allen dreien
wieder auf die Beine geholfen.
Aber das Herz zittert; das Herz schlägt in ganz schnellen, kurzen
Schlägen. Die niederträchtige Angst ist wieder da.
Bang sieht er auf die große Schar, die alle denselben Weg gehen, den
er mit seinen Freunden geht. Ob die sich alle als Freiwillige gemeldet
haben?
Prüfend fliegt sein Blick über sie hin? Sind das nicht alles ganz
abnorm große Gestalten, oder hat er ein falsches Augenmaß? Sie
erscheinen ihm wie Riesen und sie scheinen ihm alle sehr selbstsicher
und stolz dahinzugehen.
Er aber würgt wieder an seiner alten, scheußlichen Angst und kann ihrer
nicht Herr werden.
Je näher die Kaserne kommt, um so langsamer gehen sie. Es ist noch so
früh; sie werden eine halbe Stunde warten müssen. Man könnte eigentlich
noch ein Stück die Chaussee hinuntergehen; es hat ja keinen Zweck, sich
so lang’ in irgendeinem Winkel herumzudrücken. Aber die Sonne meint es
sehr gut und man ist müde. Der Südwein hat zwar den Kater vertrieben,
aber in den Beinen ist man schwach. Und wie man die Kaserne erreicht
hat, macht man ganz von selbst halt und geht den Weg, den all die
anderen gehen.
Der Posten der Kaserne läßt sich die Legitimation zeigen; man tritt
durch das große Tor ein und hat im selben Augenblick ein merkwürdig
zuckendes Gefühl im Herzen, so, als hätte man einen großen, schweren
Abschied von irgend etwas genommen.
Dann stehen sie zwischen den Bäumen, die den inneren Kasernenhof
einfassen. Kein Mensch kümmert sich um sie; sie stehen da, als
seien sie nicht bestellt, sondern als ständen sie auf irgendeinem
allgemeinen, gleichgültigen Platz, als gäbe es hier keine Mission für
sie zu erfüllen.
Eine Stunde ist vergangen und eine zweite will auch vergehen. Aller
Blicke sind auf die einzelnen Ausgänge der Gebäude, die hier in diesen
Hof münden, gerichtet. Es muß doch irgend jemand kommen, der sich um
sie kümmert.
Ernst Hiller steht an einen Baum gelehnt. Gemeinheit, daß er gestern
Sekt getrunken hat! Nun fühlt er sich elend, und die Hitze benimmt ihm
den Kopf. Weh ist ihm zumute! Er fühlt sich wirklich nicht wohl -- hat
Schmerzen im Hinterkopf und zittert mit den Beinen.
Da endlich!
„Stillgestanden!“ dröhnt es über den Platz, und die jungen Menschen,
die noch gar keine Soldaten sind, stehen stramm wie die Rekruten da; es
kommt Bewegung in die Sache.
Die Papiere werden ihnen abgenommen.
„Vorwärtstreten!“ Und sie gehen in Reihen -- immer zwei zu zwei auf
eines der Gebäude zu, in einen Flur hinein, bis ein „Halt!“ sie zum
Stehen bringt.
Dann werden Namen verlesen, und immer drei zusammen werden in einen
Raum eingelassen.
Es dauert eine geraume Weile, bis sie zurückkommen. Man möchte in ihren
Gesichtern lesen -- aber die sind von Stein, und sie gehen geradeaus an
den noch Wartenden vorbei.
Wie da Minuten zu Ewigkeiten werden! Wie das Herz in immer kürzeren
Stößen arbeitet und der Schweiß auf der Stirne perlt!
Wenn man nur wüßte, ob alle die, die aus der Tür zurückkommen, wirklich
angenommen sind! Wenn man sie doch fragen könnte! Aber, obwohl kein
Stillschweigen geboten ist, steht man doch stumm da, als wäre man in
einer Kirche. Feierlich ist es -- schwer und feierlich!
Doch wie es immer zu gehen pflegt, so auch bei Ernst Hiller. Ganz elend
vom Warten fährt er staunend auf, als er plötzlich seinen Namen rufen
hört -- fühlt, wie sich seine Muskeln spannen, wie der Kopf frei wird
und das Zittern in den Knien aufhört.
In dem Vorraum, in den sie getreten sind, müssen sie sich entkleiden,
müssen alles von sich abwerfen und treten in das zweite Zimmer, in dem
ein Arzt in Feldgrau und ein Schreiber sitzen.
„Sie heißen?“
„Hiller.“
„Abiturient? Alter? Schwere Krankheiten gehabt? Irgendwelche schwere
Krankheit in der Familie?“
Lungen und Herz werden abgehorcht.
„Ein bißchen schnell der Herzschlag! Das ist wohl nur augenblickliche
Erregung? Augen sind normal, ja? -- Gut -- angenommen!“
Wie ein Paukenschlag trifft ihn das Wort: „Angenommen!“ Einen
Augenblick ist er wie geblendet -- vergißt, daß er hier, wie Gott
ihn geschaffen hat, vor den Herren steht und taumelt dann fast ins
Vorzimmer zurück.
Er nimmt gar nicht teil am Ergehen seiner beiden Freunde, und als er
ein paar Minuten später hört, daß einer von ihnen wegen zu starker
Kurzsichtigkeit abgewiesen ist, ist er nicht fähig, das richtig in sich
aufzunehmen.
Nur das eine weiß er: Er ist angenommen! Man braucht ihn! Er wird mit
hinausreiten gegen Deutschlands Feinde. Und er muß seine ganze Kraft
zusammennehmen, um nicht aufzuschluchzen, um die Tränen, die plötzlich
so brennen, zurückzuhalten.
Nun geht er ebenso ernst und stumm wie die, die vor ihm aus der Stube
herausgekommen sind, an den noch Wartenden vorüber; wohin, das weiß er
nicht -- er ist nur froh, als er draußen im Hof steht, wo ein leiser
Sommerwind ihm um die heißen Schläfen streicht.
Um fünf Uhr sind sie frei -- das Häuflein derer, die zur Kaserne
gewallfahrtet waren, ist ein wenig zusammengeschmolzen, und doch ist’s
noch eine stattliche Schar, der man das Wort ‚Angenommen!‘ zugerufen
hat und deren Gesichter glänzen, deren Augen leuchten.
Sie haben ein paar Stunden Urlaub, um ihre Sachen zu holen. Das erste,
was Ernst tut, ist, daß er ein Telegramm an die Mutter aufsetzt.
„Angenommen!“
Wie ein Jubelruf ist das! Was wird sie dazu sagen? Natürlich freut sie
sich, muß sich freuen! Aber daß er gleich hierbleiben muß, nicht für
einen einzigen Tag noch aus der Kaserne herausdarf, um ihr Lebewohl zu
sagen, das wird ihr ein wenig hart sein.
Aber schadet nicht! Es geht ja allen Müttern so. Krieg ist Krieg, und
man darf nicht weich werden.
Um sieben Uhr stehen sie alle zum ersten Appell versammelt im
Kasernenhof. Die Befehle für den kommenden Tag werden verlesen:
„Viereinhalb Uhr aufstehen -- Stube reinigen -- fünf Uhr Einkleidung“
-- weiter hört er nichts.
Sein Kopf ist wieder benommen -- mechanisch folgt er dem Unteroffizier,
der ihnen ihre Stuben anweist. Je fünfunddreißig Mann in einer Kammer.
Eiserne Betten übereinander wie in Schiffskabinen. Strohsäcke und eine
wollene Decke.
Was dann noch kommt, geht wie im Traum an ihm vorüber. Erregt ist er
und müde.
Nur das eine kann er noch denken: ‚Nun hat sie das Telegramm!‘ Dreht
sich noch mal auf seinem Strohsack um und schläft, ehe noch die große
Lampe, die in der Mitte der Stube hängt, ausgelöscht ist -- --
Ein glücklicher Schlaf, den der kleine Hiller schläft. Traumbilder
ziehen an seiner Seele vorüber. Er trägt schon die Uniform des
Regiments, auf dem Kopf den hohen Kolpak. Auf einem feurigen Roß sitzt
er -- -- herrlich greift das Tier aus. Um ihn herum Kanonendonner --
Kugelregen -- blitzende Lanzen -- gezogene Säbel. -- Nichts ficht ihn
an. -- Für ihn gibt’s keine Kugel -- -- und alles um ihn herum staunte.
Was will der? Mitten in den Feind rein -- -- und das Roß fliegt -- die
Erde schwindet unter ihm -- -- irgend etwas Unsichtbares trägt ihn --
trägt ihn hoch, immer höher, bis in die Wolken hinein. --
Da -- Trompetenklang -- herrlich, wie er gen Himmel fährt -- wie die
Erde unter ihm versinkt -- wie alles grau und fahl unter ihm wird,
während er in überirdischen Glanz hineinreitet.
„Der Kerl schläft wie ein Murmeltier. He, du da, es hat zum drittenmal
geblasen!“
Zwei stehen vor seinem Bett und rütteln ihn an der Schulter.
„Menschenkind, in zehn Minuten mußt du antreten!“
Erste Morgendämmerung fällt durchs Fenster in die kahle Stube.
Hiller reibt sich die Augen. Wo ist er?
„Raus, Mensch!“ Und da fährt er vom Strohsack auf -- in die Kleider
hinein -- schnell in den Waschsaal. Gesicht und Hände gewaschen und
hinunter in den Hof.
Sonntag ist es.
Wieder so ein Tag, der in Glanz und Glorie heraufzuziehen beginnt. In
ihren Zivilkleidern stehen sie da -- manche noch verschlafen, die Haare
flüchtig gekämmt, die Krawatten in Eile umgeknotet, und warten. Fremd
und ängstlich stehen sie da -- wissen nicht, was sie tun sollen, und
sind froh, als ein paar sogenannte ‚alte Leute‘ sich ihrer annehmen.
Die weisen ihnen den Weg zur Mannschaftskantine, wo sie sich Kaffee
geben lassen können, dann warten sie wieder, bis endlich der große
Augenblick kommt: Befehl zur Kleiderkammer.
„Vortreten!“ Wieder treten sie zwei zu zwei ein. „Arme ausstrecken!“
Und ein Rock wird an der Länge der Arme gemessen. Reithose ebenso --
eine Mütze aufgestülpt! Fertig. Noch ein Hemd, eine Unterhose, ein
Drillichanzug -- eine schwarze Halsbinde. „Fertig! -- Abtreten! -- Die
Nächsten!“
Die mit dem Packen auf dem Arm gehen zur Stiefelkammer und proben. Zwei
Paar Stiefel pro Mann. Ein Paar hohe Reitstiefel und ein Paar braune
Kommißstiefel. „Fertig, ab!“
Sonntag ist es -- also noch kein richtiger Dienst. In ihre
Stuben müssen sie zurück und das Zivil in den Koffer packen. Der
Kammersergeant hält eine Rede über das Instandhalten der Sachen. Alle
acht Tage Revision, und wehe, wenn nicht alles in Ordnung ist!
Wem das Zeug nicht paßt, der muß es sich passend machen.
Um zwölf Uhr Appell in voller Uniform.
Und die Haare herunter. Scheitel und Tollen gibt es nicht beim Militär.
Um zwölf Uhr steht eine ganz andere Gesellschaft unten im Hof.
Graugelbe Husaren, in die fünfte Garnitur gekleidet. Ganz wenige,
die schon etwas vom Soldaten an sich haben, die sich schon wohl
fühlen. Ein ganzer Teil sieht aus wie Jungen, die zu Weihnachten eine
Soldatenuniform erhalten haben. Aber gleichgültig! Mit dem Akt der
Einkleidung ist es endgültig besiegelt. Sie sind angenommen! Sie haben
ihren Platz gefunden, und in ein paar Wochen -- schlimmstenfalls in
zwei Monaten, geht’s hinaus in den herrlichen Kampf!
Ernst Hiller hat eine Uniform, die ihm um die Brust schlottert und im
Rücken tiefe Falten schlägt. Der Kragen niedrig und viel zu weit --
und die lederbesetzte Reithose hängt wie ein Rock um ihn. Er weiß das
nicht -- er fühlt das nicht! Er trägt des Königs Rock -- er ist Soldat
-- angenommen -- und mit dem Wort ‚Angenommen!‘ ist’s besiegelt worden,
daß er ein gesunder Kerl ist, dem man was zutrauen kann.
Nun steht er mit glattgeschorenem Haar, die Mütze tief in die Stirn
gezogen, bei den anderen -- -- -- nun schlägt das Herz nicht mehr in
zitternden Stößen.
Ruhe ist in ihm -- Sicherheit ist über ihn gekommen -- -- nein -- mehr
-- stolz ist er geworden, und die Brust dehnt sich -- die Haltung
verliert das Hilflose -- Schlappe -- --
Er ist wert befunden worden, des Königs Rock zu tragen -- ist also
nicht um einen Deut weniger als all die anderen, die mit ihm angenommen
worden sind.
Nach dem Appell das Mittagessen -- sie dürfen nicht aus der
Kaserne heraus, weil am Nachmittag Besichtigung sein soll. Also
Mannschaftsessen! Für fünfundachtzig Pfennige gibt’s einen Napf zu
kaufen -- Gabel und Löffel je zehn Pfennig -- Messer tragen sie in der
Tasche.
Durch die Mannschaftskantine gehen sie zur Küche, darin zwei riesige
Kessel auf dem Herd stehen, und zwei Mann daneben. Jeder der Husaren
tritt mit seinem Napf an.
Sonntag ist’s, da gibt’s Braten. Kräftiger Geruch steigt ihnen in die
Nase. Jeder erhält von einem der beiden Küchenunteroffiziere drei
Scheiben Fleisch, vom anderen ein paar Kellen Kartoffel und Tunke
darüber, bis alles schwimmt.
Im Mannschaftszimmer sitzen sie auf den hölzernen Bänken an langen
Tischen und leeren ihren Napf.
Für Ernst Hiller ist es ein bißchen reichlich, und es fällt ihm, wie
manch anderem seinesgleichen, nicht ganz leicht, so aus dem Napf heraus
zu essen. Aber keiner läßt etwas stehen. Nein, im Gegenteil, ein paar
von ihnen treten zum zweitenmal den Weg zur Küche an und lassen sich
eine zweite Portion verabreichen. Er ißt mit Todesverachtung. Es
schmeckt wirklich gut -- vielleicht ein wenig stärker gewürzt als bei
Mutter, aber das schadet nichts!
Dann gehen sie, ihren geleerten Napf in der Hand, hinaus in den Hof
und spülen ihn am Brunnen ab -- haben dann ein paar Stunden für sich,
und Ernst Hiller benutzt gleich die erste halbe Stunde, um einen
begeisterten Brief an seine Mutter zu schreiben.
Der Himmel hängt ihm voller Geigen -- -- die Brust ist ihm geschwellt.
Wie ist die Welt so ganz anders für ihn geworden. Alles Dumpfe, Bange,
das sonst seine Seele belastet hatte, verflogen! Die Schule überwunden
-- für immer! -- Donnerwetter! Das kann man wirklich immer noch nicht
fassen, daß dieser Lebensabschnitt tatsächlich überwunden sein soll!
Frei ist man, zieht in den Krieg und bleibt dann wahrscheinlich
Offizier. Soldat ist der einzige Beruf, der wirklich Zweck hat! Das hat
er auch schon der Mutter geschrieben und hat ihr einen ganz kleinen
Vorwurf darüber, daß sie ihn von Kind auf zu sehr verpäppelt hat, nicht
erspart.
Aber schadet nichts; sie hat’s gut gemeint! Es hat ihm eben der Vater
gefehlt! Wenn er einen Vater gehabt hätte, wäre natürlich manches
anders gewesen.
Aber das ist nun nicht zu ändern. Hauptsache, daß er trotz allem und
allem angenommen worden ist, und sein Blick gleitet mit Stolz und
mit Zärtlichkeit immer wieder über die verbrauchte, um seinen Körper
herumhängende Uniform herab.
An diesem Tag tritt noch etwas Neues in sein Leben. Sie machen nähere
Bekanntschaft mit den ‚alten Leuten‘. Das sind die, die im letzten
Monat ihrer Dienstzeit sind und bald ausrücken werden.
Viele sind schon feldgrau, und sie machen sich über das Aussehen der
Neueingestellten lustig und machen ihnen vor allem klar, daß sie sich
selbstverständlich eine Extrauniform anschaffen müssen, denn so wie sie
jetzt aussehen, können sie sich auf Urlaub in der Stadt nicht blicken
lassen. Natürlich hat’s keinen Zweck, sich für die paar Wochen, die
sie hier in der Kaserne sein werden, vom Schneider eine teure Uniform
machen zu lassen. Das wäre Blödsinn. Aber ihnen, den alten Leuten,
können sie ihre Gebrauchsuniform abkaufen -- für ein Spottgeld.
Den Jungen leuchtet das ein. Die fünfte Garnitur, die man ihnen
verabreicht hat, ist wirklich nichts weniger als schön. Es werden große
Geschäfte gemacht. Die ‚alten Leute‘ haben im Handumdrehen heraus, wer
von den Neueingestellten mit dem Nötigen in bar ausgestattet ist, und
wissen, an der Eitelkeit zu packen.
Ernst Hiller hat längst durchblicken lassen, daß er nicht unerhebliche
Mittel bei sich trägt. Es hat sich auch einer von den Gedienten
gefunden, der eine ganz ähnliche Figur wie er selber hat, und nach
einer knappen halben Stunde ist er im Besitz einer wirklich wie neu
aussehenden Uniform. Ein Paar Stiefel, die von Lackleder sein sollen,
und deren Ursprungspreis auf neunzig Mark angegeben wurde -- denn sie
rühren von einem Offizier her -- gleiten ihm glatt über den hohen
Spann, und eine anständige Mütze sitzt ihm vernünftig auf dem Kopf.
Für den ganzen Rummel hat er fünfundsechzig Mark gegeben -- ein
Spottpreis, wenn man berechnet, was das ‚neu‘ gekostet hätte, und ein
Spottpreis, wenn man die strahlenden, seligen Augen des kleinen Hiller
in Betracht zieht.
Er ist in einem Taumel von Glück und Begeisterung an diesem Tag.
Um fünf Uhr müssen sie in Reih’ und Glied stehen, und ein Wachtmeister
mit donnernder Stimme hält ihnen einen Vortrag über militärischen
Gehorsam:
„Die Zeiten sind hart, das Vaterland braucht seine Männer -- --
ein jeder hat also heute die doppelte und dreifache Pflicht, sich
einzufügen und den Vorgesetzten die schwere Arbeit zu erleichtern.“
Dann die Verlesung des Dienstes für den nächsten Tag: halb fünf Uhr
Wecken -- fünf Uhr Stalldienst -- halb acht Uhr Verteilung der Pferde
-- --.
Weiter hörte Hiller nicht. Morgen wird er also vielleicht schon auf
einem Gaul sitzen. Und er ist doch und doch ein Soldatenkind und hat
Soldatenblut in sich -- -- und wenn ihn die ganze Welt zum Philosophen
oder Professor verdammt hat! Er pfeift auf alle Wissenschaft und
Gelehrsamkeit in der Welt!
Er ist Husar, er wird morgen auf einem Gaul sitzen, und in ein paar
Wochen über Schlachtfelder reiten.
Er ist es nicht allein, der sich auf den ersten Ritt freut. All die,
die wie er aus der Schule ins Soldatentum gesprungen sind, haben einen
freudigen Ruck im Herzen gespürt, als es hieß: halb acht Uhr Reiten!
Der Sonntag geht glorreich zu Ende. Abends sitzen sie mit den alten
Leuten in der Unteroffizierskantine, haben sich Butterbrote mit
Würstchen und Kartoffelsalat geben lassen.
Ernst Hiller bezahlt für den, der ihm die Uniform so billig verkaufte,
mit. Auch seine Freunde halten ein paar alte Leute frei. Sie sind ja
Kameraden. Wer etwas hat, gibt, und wer nichts hat, läßt sich geben.
Hiller schmeißt ein paar Runden Bier, und die alten Leute erzählen
tausend Dinge, die für die Neuen wichtig und interessant sind.
Sie erfahren am ersten Abend von jedem einzelnen Vorgesetzten, wes
Geistes Kind er ist und was man von ihm zu erwarten hat. Sie erhalten
dann allerlei Winke. Auch hören sie zu ihrer Freude, daß sie gar
nicht verpflichtet sind, Mannschaftsessen zu nehmen. Wer Geld hat,
kann für eine Mark in der Unteroffizierskantine ein anständiges
Mittagessen kriegen -- er kann auch in ein Restaurant, das der Kaserne
gegenüberliegt, gehen. -- Überhaupt, wer den nötigen Mammon hat, kann
sich die Sache prachtvoll deichseln. Geld ist die Hauptsache.
In Ernsts Augen kommt ein kleiner Schatten.
Gewiß, die Mutter wird ihm Geld geben -- sie hat ihm gesagt, er solle
sich nichts versagen. Und Großmutter läßt ihn auch nicht im Stich.
Aber dennoch, ein ganz kleiner Schwindel überfällt ihn, als er daran
denkt, wie seine Barschaft in diesen zwei Tagen zusammengeschmolzen
ist. Von den hundertundzwanzig Mark keine dreißig mehr übrig -- und
er hatte geglaubt, mit hundertundzwanzig Mark wenigstens einen Monat
durchzuhalten.
Es wird ihm schwer fallen, die Mutter schon in den nächsten Tagen
um Geld zu bitten. Aber schließlich, es waren ja lauter besondere
Ausgaben, die er jetzt hatte. Alles Ausgaben, die sich nicht
wiederholen; und er weiß auch, daß die Mutter ihm gern gibt, was er
braucht.
Der Schatten aus den Augen ist fort. Die Kameraden trinken ihm zu,
Witze werden erzählt.
Draußen auf dem Hof hat jemand eine Flöte und bläst darauf, und in die
Kantine hinein klingt das wehmütig-lustige Lied: ‚Was nützt mir denn
ein schönes Mädchen, wenn andre mit spazierengehn?‘
Da setzen die, die den Text kennen, mit ein, und schließlich singt
auch der kleine Hiller mit, singt mit derselben Begeisterung wie die
anderen: „Was nützt mir denn ein schönes Mädchen?“ und weiß nicht
warum, aber er denkt plötzlich an das Mädchen, das an jenem Kneipabend
nach dem Abitur so dicht neben ihm gesessen und zu ihm gesagt hat:
‚Sag’ Hannchen zu mir!‘
Sie trinken und singen, und ihre Augen leuchten!
Wie herrlich ist die Welt -- -- -- wie wunderbar, daß Deutschland im
Kampf mit seinen Feinden liegt, daß Deutschland alles aufruft, was
bereit ist, zu helfen -- und daß sie mitdürfen -- sie, die vor einer
Woche noch bang und zweifelnd dem Leben gegenübergestanden haben.
Ernst Hiller fühlt ein Jauchzen in seiner Brust, das er kaum zu
verschließen vermag. Jeden einzelnen, der ihm in den Weg kommt, hätte
er umarmen mögen -- -- -- der ‚alte Mann‘, der ihm die Kleider verkauft
hat, hat einen guten Tag.
Da! Trompetensignale! Neun Uhr. -- -- In einer Viertelstunde müssen sie
auf ihren Strohsäcken liegen. Ernst zahlt, trottet mit den anderen über
den Hof, sucht seine Stube, und kaum hat er die wollene Decke über sich
gezogen, ist er auch schon wieder mitten im festen Schlaf drin.
* * * * *
Am nächsten Morgen beginnt der erste, stramme Dienst! Jetzt erst
begreifen sie, was das heißt: aus dem Bett aufspringen und eine knappe
halbe Stunde später unten im Stall sein.
Wer sich beim ersten Wecken noch einmal auf die Seite wirft und
weiterschläft, der kann’s überhaupt nicht leisten.
Am besten ist: gleich beim ersten Trompetenstoß raus -- in die Kleider
fahren und rein in den Waschsaal. Man kann überhaupt noch von Glück
sagen, daß es hier einen Waschsaal mit fließendem Wasser gibt. In
Hunderten von Kasernen müssen sie herunter in den Hof an den Brunnen.
Hier haben sie fließendes Wasser und können sich anständig waschen.
Dann den Strohsack aufrütteln und das Bett ordentlich zudecken --
Stiefel reinigen -- nein, das soll schon am Abend geschehen -- Stube
fegen, und wenn’s geht, noch einen Becher Kaffee erobern. Für Hiller
sorgt an diesem ersten Morgen der ‚alte Mann‘, dem er die Uniform
abgekauft hat.
Punkt fünf Uhr stehen sie im Hof. Ein Wachtmeister und zwei
Unteroffiziere sind zur Stelle.
Eine kurze Instruktion. Sie alle zusammen bilden zwei Schwadronen; jede
Schwadron wird in Beritte eingeteilt; zu einem Beritt gehören fünfzehn
Mann, und jeder Beritt hat seinen besonderen Führer.
Die Namen werden aufgerufen -- sie werden verteilt. Je fünfzehn finden
sich zusammen -- Einjährige und Gemeine -- es ist alles gleich in
dieser Zeit. Kriegsfreiwillige sind sie alle, und einen Unterschied
gibt es jetzt nicht.
Und dann in den Stall hinein!
Draußen ist schon heller Tag, aber in den Ställen brennen noch die
kleinen Öllaternen und verbreiten ein trübes Licht. Ein seltsamer
Geruch schlägt ihnen entgegen, ein Geruch, geschwängert mit Ammoniak
und dem aus den warmen Tierkörpern ausströmenden Dunst. Aber es ist
ein Geruch, den man gern atmet, an den man sich im Augenblick gewöhnt.
Jedes Pferd steht in seinem Verschlag, und an dem Pfosten, der je zwei
Verschläge trennt, hängen Sattelzeug und Zaumzeug.
Die jungen Freiwilligen folgen ihrem Berittführer, der sie der Reihe
nach zu den Pferden herantreten läßt und anfängt, zu erklären.
Bei der Kavallerie heißt es: erst das Pferd und dann der Mann! Das
wird ihnen sehr eindringlich gemacht, wird mehrmals bei dieser ersten
Bekanntschaft mit ihren Tieren wiederholt.
Dann wird ihnen gesagt, was ‚Putzen‘ heißt. Der Striegel wird ihnen
vorgeführt, und einer, der schon gedient hat, muß ihnen zeigen, wie
ein Pferd gestriegelt wird. Acht Strich auf jeder Seite und nach jedem
Strich der Striegel ausgeklopft. Das gibt einen weißen Streifen auf dem
Boden; ein Strich muß neben den andern gelegt werden. Man kann also
genau kontrollieren, ob vorschriftsmäßig gestriegelt wird.
Jeder tritt dann vor den Verschlag, in dem das Pferd, das ihm
angewiesen ist, steht, und hört mit brennendem Interesse zu. Das
Sattel- und Zaumzeug wird ihnen erklärt; sie erfahren, wie der Sattel
angelegt werden muß. Das ist alles sehr leicht zu fassen, und die
Unteroffiziere haben entschieden eine einfachere Art, etwas begreiflich
zu machen, als die Professoren des Gymnasiums.
Dann hören sie, wie eine Streu zu machen ist. Aus der alten Streu
muß der Mist ausgeschüttet werden. Mit dem noch trockenen Stroh
wird aufgeschüttet, frisches Stroh darübergeworfen, und dann wird
‚angerollt‘; denn das ist die Hauptsache bei einer guten Streu, daß in
schnurgerader Linie das Stroh an den Seiten festgerollt wird.
„Verstanden?“
„Ja.“
Es wird ihnen noch das Anlegen des Zaumzeuges gezeigt, was sehr einfach
erscheint. Viele von ihnen sind übrigens Burschen vom Land, die schon
mit einem Pferd umzugehen verstehen.
Hiller steht neben einem frischen, etwas korpulenten Jungen. Gestern
abend in der Kantine haben sie schon miteinander geredet, und da sie
in derselben Stube schlafen, werden sie auch wohl Freunde werden.
Der Dicke, dessen Name Hipp ist, der auch aus Berlin stammt und, wie
Hiller, wundervoll glatt durch ein Notabitur gerutscht ist, hat noch
ein ausgeprägtes Kindergesicht: blaue, sehr gutmütige Augen, eine kurze
Nase und runde, rote Backen. Ihm würde niemand den Großstadtmenschen
ansehen. Der Drillichanzug, der an Hillers leichter Gestalt
herumschlottert, sitzt ihm fest und prall um den Körper; er stößt
Hiller in die Seite, denn alles, was er hier hört und sieht, kommt ihm
sehr lustig vor.
Das Pferd, an dem das Anlegen des Zaumzeuges gezeigt worden ist, wird
wieder abgeschirrt -- der Wachtmeister tritt einen Schritt vor, und das
Kommando erschallt: „An die Pferde!“
Jeder geht in sein Abteil und begibt sich an die Streu. Der
Wachtmeister schreitet auf und nieder, beobachtet, weist zurecht,
tadelt, wenn es zu langsam geht; er scheint aber zufrieden. Beim Putzen
greift er, wenn es nötig ist, selbst mit an, zeigt, wie der Striegel
gefaßt werden muß, wie man sich neben das Tier zu stellen hat, und
erklärt weiter, wie es sich gerade ergibt. Es ist ungewohnte Arbeit
für die, die aus der Stadt kommen. Aber gerade das Ungewohnte mag sie
reizen. Sie sind mit Feuereifer bei der Sache, sie wundern sich über
sich selbst, daß man so selbstverständlich an einem Tier herumhantiert,
daß man keine Angst hat, getreten zu werden, und daß alles, was sie
hier zu tun haben, so prachtvoll und einfach und leicht ist.
Die Zeit fliegt hin, die Sonne steht schon längst am Himmel, als der
Wachtmeister „Abtreten!“ kommandiert, und sie eilen in ihre Stuben, um
den Drillich mit dem Reitanzug zu vertauschen.
Hillers Gedanken fliegen ab und zu einen Augenblick zu seiner Mutter
hin. Was würde sie sagen, wenn sie ihn so sähe? Schade, daß er sie
nicht einmal sprechen konnte, er ist gewohnt, ihr alles, was ihm
begegnet, zu erzählen. Schreiben kann man das natürlich nicht alles --
schade -- -- --
Aber zum Nachdenken ist keine Zeit. Sie fahren in die ledernen
Reithosen -- quälen sich in die ungewohnten, hohen Stiefel. Sie haben
Eile, denn der Reitunterricht würde bis Mittag dauern, und man muß
sehen, daß man noch einen Augenblick in die Kantine kann, um etwas zu
frühstücken. Man hat hier andauernd ein Hungergefühl.
Hipp geht neben Hiller und erzählt, daß er noch keine Extrauniform
gefunden habe, weil sie ihm alle zu eng seien. Er wird aber mal an
seinen alten Herrn schreiben, ob der ihm eine ‚neue‘ zubilligt. Der
alte Herr ist Fabrikant und kann etwas springen lassen, wird es auch
totsicher tun.
„Seit der Krieg ausgebrochen ist, haben die Väter eine prachtvoll
freigebige Art ihren Söhnen gegenüber. Deiner doch auch?“
„Ich habe keinen Vater mehr,“ sagt Hiller -- sagt es aber ganz heiter,
so daß Hipp nicht nötig hat, sein lustiges Gesicht zum Ernst zu zwingen.
Sie essen wieder Würstchen mit Kartoffelsalat, denn das ist am
praktischsten, weil man es schnell herunterschlingen kann und
wenigstens für einen Augenblick satt wird, wenn man sich zwei Paar
geben läßt. Dann geht’s los.
Der Wachtmeister steht schon wieder vor dem Stall.
„Satteln!“ ertönt das Kommando. „Trense anlegen, Kandare fortbleiben!“
Sie greifen zum Zaumzeug und legen es an, so gut es gehen will.
Die Sonne glitzert lustig über den Reitplatz, als sie endlich, erhitzt
und aufgeregt, ihr Pferd am Zügel, aus den Ställen heraustreten. Der
Reitplatz ist ein gewaltiger, viereckiger Hof. Einige Beritte sind
schon aus den Ställen heraus.
„Aufsitzen!“ schallt das Kommando. „Rechts und links am Zwiesel
anfassen und aufschwingen!“
Die Zwiesel, die vorn und hinten am Sattel liegen, werden umspannt,
ein mächtiger Schwung -- und ein ganzer Teil von den Fünfzehn sitzt
glücklich oben.
Andere aber strampeln mit den Beinen -- rutschen mit dem Bauch in die
Höhe und bekommen das Bein nicht hinüber.
Hiller ist nicht ganz korrekt heraufgekommen, aber er sitzt doch oben
und weiß selbst nicht, wie das zugegangen ist. In diesen Augenblicken
empfindet er nichts von dem großen Glück, von dem er geträumt hat,
wenn er zuerst auf einem Gaul säße. Er möchte sich an irgend etwas
festhalten -- möchte dem Tier in die Mähne greifen, um Sicherheit zu
haben -- es ist ihm sehr unbehaglich zumute.
Und zehn Schritte von ihm entfernt steht der Berittführer mit
dunkelrotem Kopf und schreit und brüllt, was das Zeug hält: „Kerls,
wollt ihr ewig in der Luft rumangeln? Marsch rauf! Was, es will nicht
gehen! Teufel noch mal! Du Mehlsack!“
Er ist an Hipp herangetreten, der nun als einziger noch vergeblich
sucht, seinen wohlgenährten Körper auf das geduldig dastehende Tier zu
schwingen.
Ein ‚alter Mann‘ hat ihnen gestern erzählt, daß es bei jedem Beritt
einen Unglückswurm gibt, der die Sache nie begreifen lernt, der nie
ohne Schwierigkeit auf sein Tier heraufkommen wird.
Hier in diesem Beritt ist der gute, dicke Hipp der Unglückswurm, denn
er strampelt immer noch mit den Beinen, kommt ein Stück in die Höhe und
rutscht wieder hinab.
Der Wachtmeister steht dicht bei ihm und brüllt:
„Kerl, sein Pferd ist doch keine Rutschbahn -- du bist doch hier nicht
auf einem Jahrmarkt -- los -- wirf doch das Bein über!“
Und wie es gar nicht gelingen will, packt der Wachtmeister mit
wuchtigem Griff in die Reithose des Dicken hinein und schiebt ihn
hinauf. Nun sitzt Hipp oben und hat ein viel vergnügteres Gesicht als
die, die sich mit eigener Anstrengung heraufgebracht haben.
Die Sonne brennt lustig vom Himmel herab und verspricht einen heißen
Tag, und der Wachtmeister, der sich beruhigt hat, steht vor ihnen
und hält ihnen einen langen Vortrag über den richtigen Sitz, über
Körperhaltung und die verschiedenen Gangarten der Pferde. Dann das
Kommando: „Abstand!“ und der Spitzenreiter der schon ein halbes
Jahr gedient hat, führt an -- der Zug der anderen nach. Sie sitzen
ängstlich, windschief und vorgebeugt auf ihren Tieren.
„Na, nu mal richtig los! Eskadron in langsamem Arbeitstempo -- Te -- --
rab!“
Die Gäule gehen los; der schon erfahrene Spitzenreiter sitzt wundervoll
gerade und korrekt da. Die anderen wackeln hinter ihm her. Aus vielen
Gesichtern spricht die bleiche Angst -- -- die Hände greifen in die
Mähnen -- die Beine machen unsichere Bewegungen.
Hipp hängt auf einer Seite seines Gauls, er ist im Fallen begriffen --
man sieht es deutlich, daß er sich nicht halten wird. Aber er fällt
langsam. Glied für Glied rutscht hinab, und das lustige Gesicht hat
einen Ausdruck leiser Verzweiflung; scheußlich, diese Ungewißheit, ob
man im nächsten Augenblick wieder oben ist oder herunter muß.
Aber die Lage wird immer bedenklicher -- der Körper rutscht mehr und
mehr nach links -- und da faßt Hipp einen kurzen Entschluß, läßt das
Bein, das noch oben ist, heruntergleiten, und fliegt ab in den weichen
Sand. Verletzt hat er sich nicht, aber er ist doch sehr verdutzt. Es
ging plötzlicher, als er gedacht hatte.
Das Pferd bleibt still und treu bei ihm stehen und sieht sich nach ihm
um. Der Wachtmeister ist dicht zu ihm herangetreten und sagt zunächst
gar nichts. Schweigend und höhnisch sieht er auf ihn nieder, und Hipp,
wie ein von der Schlange hypnotisierter Vogel, bleibt bewegungslos im
Sand liegen und sieht seinem Vorgesetzten treuherzig ins Gesicht.
Endlich löst sich des Wachtmeisters Schweigen.
Gar nicht unfreundlich sagt er: „Mensch, hast du vor, dich hier gleich
begraben zu lassen?“ Und da erhebt sich denn Hipp, und obwohl er sich
nicht den geringsten Schaden zugefügt hat, geht er humpelnd und hinkend
zu seinem Pferde zurück.
„Na -- nun werden wir mal einen Galopp versuchen!“
Da nehmen die Gesichter einen aufgeregten Ausdruck an, und einige
werden bleich wie Linnen.
Der Wachtmeister aber kommandiert: „Ganze Eskadron te -- rab --
Galopp!“ Die Pferde fallen in Galopp, und die jungen Reiter sind
angenehm überrascht, weil Galopp nicht halb so unangenehm ist als der
verfluchte Trapp.
Auch Hipp bleibt oben; er schwankt ein bißchen bedenklich hin und her,
hält sich aber und hat wieder sein lustigstes Gesicht. Der Wachtmeister
steht in der Mitte und scheint zufrieden. Er kommandiert: „Schritt und
Halt!“ Und dann sagt er sehr leutselig und gutmütig zu seinen Jungen:
„Bloß keine Angst haben! Es wird sich schon alles machen! Ihr könnt
auch ruhig mal in die Zwiesel greifen!“
Dann haben sie einen Augenblick Ruhe, und Hiller fängt nun doch an,
etwas von dem erträumten Glück zu verspüren.
Nachher aber folgen zwei schwere Stunden, in denen sie Schritt reiten
müssen und in denen die freudige Begeisterung erheblich abflaut.
Hoch steht die Sonne am Himmel, und der ganzen Gesellschaft perlt der
Schweiß auf der Stirn, als es endlich heißt: „Absitzen!“
Sie führen die Gäule in den Stall, nehmen Sattel und Zaumzeug herunter
und reiben mit großen Strohwischen das Fell der erhitzten Tiere ab.
Dann müssen sie wieder heraus, und der Wachtmeister sieht zu, wie sie
die Hufe auskratzen und waschen. Bei dieser Arbeit läßt Hipp nichts zu
wünschen übrig. Und auch das Striegeln geht ihm glatt von der Hand.
Der Wachtmeister ist immer dicht an seiner Seite und ist vielleicht
enttäuscht, keine Gelegenheit zum Losbrüllen zu finden. Schweigend,
den Mund im leichten Hohn verzogen, steht er da, und manchmal trifft
ihn ein guter, vertrauensvoller Blick von Hipp, der sich über den
Wassereimer beugt.
„Einjähriger?“ fragt er ihn, und Hipp sagt leuchtenden Auges: „Zu
Befehl, Herr Wachtmeister, Abiturient!“
Der sagt nichts und wendet sich um zu denen, die die Futterkarren
heranschieben. Das Futter wird jedem einzelnen zugemessen; sie füllen
ihre Eimer mit Wasser zum Tränken und dann sind sie frei.
Hillers Pferd hat den Namen ‚Arbeiter‘. Er hat schon Sympathie für sein
Pferd gefaßt und klopft ihm den Hals.
Hipp sagt: „Das verfluchte Biest, das sie mir zugeschustert haben,
heißt ‚Anton‘“, und er versetzt ihm einen Schlag aufs Hinterteil, der
schon keine Liebkosung mehr ist. Dann hängt er sich an Hillers Arm und
sagt: „Mensch, du hast doch nicht die Absicht, den Mannschaftsfraß zu
essen? Zum wenigsten gehen wir doch in die Unteroffizierskantine, wo
man von Tellern ißt.“
Hiller zögert einen Augenblick, denn er möchte wirklich nicht gern zu
schnell um neues Geld bitten. Aber mit einem Ruck wirft er die Bedenken
beiseite.
„Gut, gehen wir in die Unteroffizierskantine.“
Und dort wird ihnen für eine Mark ein sehr anständiges und reichliches
Essen serviert, das sie durch eine Berliner Weiße noch verbessern.
Hipp holt dann noch zwei Stück Pflaumenkuchen zum Nachtisch. Ein paar
alte Leute treten zu ihnen und werden zum Glas Bier eingeladen, und
dafür kramen die wieder allerlei Erfahrungen und gute Lehren aus und
versichern vor allem, daß nur die ersten Tage schlimm und anstrengend
sind. Nachher spürt man es gar nicht mehr, daß man vom Morgen bis zum
Abend auf den Beinen ist.
Das ist besonders für den kleinen Hiller eine tröstliche Aussicht. Denn
er fühlt sich schon jetzt scheußlich schlapp, alle Knochen tun ihm weh
und noch liegt der lange Nachmittag vor ihm. Am liebsten möchte er
jetzt die Augen zufallen lassen und eine Stunde schlafen. Aber erstlich
weiß er nicht wo, denn hier auf dem Holzstuhl der Unteroffizierskantine
kann er den Kopf nicht hintenüber lehnen, und dann hat er eine heiße
Angst, man könnte ihn vielleicht nachträglich noch als zu schwach
erkennen und ihn wieder heimschicken.
Er hat sein Leben lang immer alles gekonnt, was er wirklich gewollt
hat, und so wird er auch jetzt das bißchen Müdigkeit und Hüftweh
überwinden.
Hipp holt sich eine Tasse Kaffee, weil die wieder lebendig macht, und
Hiller folgt seinem Beispiel. Der Kaffee tut seine Schuldigkeit: sie
werden wieder mobil und sind völlig frisch, als sie um halb drei Uhr
zum Fußdienst antreten.
Der Fußdienst ist heute nur eine Vorbereitung für das, was später
kommen soll. Sie erhalten Unterricht im militärischen Grüßen und
Verhalten den Vorgesetzten gegenüber, und ganz besonders wird ihnen
noch einmal ein Vortrag über militärischen Gehorsam gehalten.
Der späte Nachmittag trifft sie wieder im Stall. Ein jeder hat sich in
der Kantine einen Beutel mit Putzzeug kaufen müssen, und sie putzen und
reiben an Sattel- und Zaumzeug herum.
Hipp erzählt Berliner Witze und vor allem von einem kleinen blonden
Mädchen, das ihm versprochen hat, jeden Tag einen Brief zu schreiben.
Na, er wird ja nachher beim Appell sehen, ob sie Wort hält. Beim
Abschied hat sie sich fast die Augen ausgeweint, denn sie kennen sich
seit einem halben Jahr und wollen sich treu bleiben.
Hiller schwankt einen Augenblick. Seine Gedanken fliegen zu Hannchen,
aber er bringt es nicht fertig, auch seinerseits etwas über Hannchen
zum besten zu geben.
Gegen Abend tritt einer, den er erst vom Ansehen kennt, zu ihm heran
und zieht ihn in eine Ecke.
„Mensch, können Sie mir die Gefälligkeit erweisen und mir mit fünf Mark
aushelfen? Ich bin in Verlegenheit!“ Und Hiller, der noch nie jemand
angepumpt hat, zieht prompt seinen Brustbeutel heraus und gibt ihm,
nicht ganz leichten Herzens, das Verlangte. Nun muß er also doch die
Mutter schon um Geld bitten.
Beim Appell werden die Postsachen verteilt. Hipps Gesicht strahlt,
denn sein Mädchen hat Wort gehalten und ihm einen Brief geschrieben.
Aber auch Hiller geht nicht leer aus; es ist ein Paket und ein Brief
für ihn da. Das Paket ist mit Eilpost gekommen und enthält all
das, was er der Mutter schon in Berlin für den Fall seiner Annahme
aufnotiert hatte, und im Brief, der dem Paket beiliegt, findet er einen
Zwanzigmarkschein. Der andere Brief ist von Großmutter, und auch er
enthält eine angenehme Einlage.
„Famos!“ Und sein Gesicht strahlt mindestens so hell wie das des guten
Hipp, der den Brief seines Mädchens zum drittenmal liest.
* * * * *
Der Krieg rauscht mit rasender Eile, mit nie geahntem Entsetzen,
unsäglichen Greueln durchs belgische Nachbarland! Was ist nicht
geschehen in diesem halben Monat, seit der Krieg begann!
Ist man ins Mittelalter zurückgekehrt? Ist alles, was Jahrhunderte
in eifrigem, rastlosem Fleiß an der Kultur gearbeitet haben, ganz
umsonst gewesen? Wer ein leicht erregbar Herz hat in diesen Tagen des
Entsetzens, der ist verloren. Wer so geartet ist, daß er sich dem Leid,
dem Weh, das den Mitmenschen heimsucht, nicht verschließen kann und
will, der weint Tränen in diesen Tagen, die schlimmer sind, als das
Blut, das aus schmerzender, brennender Wunde fließt.
Ein jeder leidet, ein jeder kämpft am Morgen, damit er den Tag und das
Furchtbare, das er finden kann und wird, ertragen könne. Deutschland
hat ein Ehrenband bekommen, das alle Herzen zusammenschmiedet, alles
Kleinliche, alles Alltäglich-Gemeine ist über Bord geworfen, jetzt bei
Beginn dieses grauenvollen Krieges.
Ob es so bleiben wird, wer mag es wissen? Ob auch ein Krieg, ob Greuel
und Tod und Mord zur Gewohnheit werden können, und einen nüchternen
Alltag wieder aufkommen lassen, wer mag es wissen? Für den Augenblick
zum wenigsten scheint alles zu schweigen; für den Augenblick hat auch
der Armseligste vergessen, daß er ein Einzelwesen ist und kleine und
große selbstische Wünsche im Herzen trägt.
Jetzt spricht eine furchtbare Stimme zum deutschen Volke.
Feind um Feind ist aufgestanden; die ganze Welt scheint sich verbunden
zu haben, um das Land, das Volk, das niemandem etwas zuleide tat, das
nichts weiter tat, als rastlos voranzustreben, zu vernichten.
Kann Gott das geschehen lassen? Kann Gott, der Allgerechte und
Allgütige, das wollen?
‚Nein, nein und tausendmal nein!‘ braust es von den Kanzeln herab.
‚Das kann Gott nicht wollen! Gott kann nicht zugeben, daß das einzig
schuldlose, gerechte Volk einer Meute von gemeinen, habgierigen,
verlogenen Feinden unterliegen soll.‘
Die Kirchen sind überfüllt in dieser Zeit. Nicht aus Angst, nicht
aus kleinen Motiven sitzen auch die auf den Kirchenbänken, die sonst
in Jahren das Gotteshaus nicht betreten haben. Es geht nicht anders;
man muß heraus aus der gewohnten Umgebung -- man muß es laut und mit
heißer, inbrünstiger Sicherheit verkünden hören:
„Das kann Gott nicht wollen! Das darf und wird nicht sein, daß der
Schuldlose vernichtet wird, und daß Neid und Mißgunst und schnöde
Habsucht siegen werden!“
Die Welt ist in Aufruhr. Wer sich nie zuvor gesehen, spricht jetzt mit
dem andern, als sei er seit Jahren sein Freund. Wer schon ein heißes
Herzweh erfahren hat, schon Mann oder Kind hergeben mußte, der wird um
seines Schmerzes willen geliebt und geehrt von jedem, der von seinem
Unglück erfährt.
Es ist unsäglich schwer und doch schön, in dieser Zeit zu leben!
Mag sein, daß unsere Enkel uns dereinst beneiden, wenn wir ihnen die
Geschichte des Krieges von 1914/15 erzählen -- mag sein, daß wir uns
am Ende unserer Tage uns selbst segnen, in dieser Zeit gelebt zu haben
-- jetzt aber blutet das Herz aus tausend Wunden, und wer eine tätige
Phantasie hat, der hüte sich, ihr freie Zügel zu lassen.
Wer kann noch ruhig und frohgemut an seinem Tisch sitzen und sein
täglich Brot verzehren? Wer muß nicht derer gedenken, die Haus und
Heimat verlassen mußten, die schon den Krieg in nächster, allernächster
Nähe sahen?
Glücklich -- gesegnet die, die draußen sind, die alles von sich
abgeworfen haben und sterben oder siegen wollen! Sie brauchen
nicht zu denken, sie haben nicht das quälende, bittere Gefühl der
Zurückbleibenden, der Abwartenden, die unter der Sicherheit, in der sie
noch leben, leiden, während die draußen Blut und Leben für sie hingeben.
Und glücklich auch jene ganz Jungen, die in heller, heiliger
Begeisterung ihren Einzug in die Kasernen gehalten haben -- jene
allerbegeistertsten, die am liebsten von der Stelle weg in den Kampf
gezogen wären, da, wo er am wildesten und blutigsten tobt! Seltsames
haben sie erfahren in den Tagen, die nach Schulabschluß, nach der
vermeintlichen Freiheit für sie kamen.
Die Begeisterung ist so still geworden; die heiße Freude, mittun zu
dürfen, ist gedämpft. Sie kommen überhaupt nicht mehr recht zum Denken.
Die jungen, verwöhnten Körper müssen Unglaubliches leisten; die feinen
Stadtjungen müssen so Ungewohntes hören, und der Schlaf ist so kurz
bemessen. Aber schadet nichts, schadet nichts! Nur nicht schlapp
werden, nur aushalten! Es geht ja auch, man muß nur wollen, mit aller,
aller Kraft muß man wollen!
Manchmal bekommt man ein Zeitungsblatt in die Hand und liest, was sich
draußen in der Welt abspielt. Aber man faßt es nicht ganz. Man hat auch
immer das Gefühl: ‚Ja, wenn ich erst dabei wäre!‘ Und es ist gut, daß
sie so denken, denn wenn nicht ein jeder von sich selbst das Gefühl
hätte, daß er riesenhafte, ganz unerhörte Kräfte in sich trägt, wie
sollte dann der Krieg gegen die Übermacht geführt werden können?
Einstweilen aber heißt es für diese Jüngsten im deutschen Reiche:
‚Drill -- Drill -- Drill!‘ und putzen und Stuben fegen und am Abend
todmüde auf den Strohsack fallen.
Der kleine Hiller kämpft in diesen ersten Tagen einen verzweifelten
Kampf.
Es ist scheußlich! -- Er fühlt, daß er den Willen, den er mit eiserner
Kraft zügelt, nur einen Augenblick locker zu lassen braucht, dann ist’s
aus.
Jeder Knochen im ganzen Körper tut ihm weh! Todmüd’ fühlt er sich vom
Morgen bis zum Abend. Die Hände sind vom ewigen Putzen aufgerieben, die
Füße brennen, er hat das Gefühl furchtbarer Mattigkeit -- hat ewig das
Gefühl, hungrig zu sein, aber wenn das Essen vor ihm steht, schmeckt es
ihm nicht.
Scheußlich! scheußlich! scheußlich!
Einer von ihnen ist schon schlapp geworden und hat um Entlassung
gebeten. Hinter dem haben sie alle hergelacht, und der Wachtmeister
hat sein niederträchtigstes Gesicht aufgesetzt, als er ihm den
Entlassungsschein gab. Dies höhnische Gesicht des Wachtmeisters hat
sich in Hillers Herz wie mit blutiger Schrift eingegraben. Nein, eher
sollen sie ihn halbtot vom Platze tragen, ehe er seiner Schwäche
nachgibt.
Hipp sagt eines Tages seelenruhig zu ihm:
„Wenn mir die Sache zu toll wird, schwenke ich ab. Ich hab’ mich
doch zum Teufel nicht als Kriegsfreiwilliger gemeldet, um Stuben
aufzuwaschen und Sattelzeug zu putzen!“ Aber dabei lacht er und sieht
wundervoll gesund aus.
Doch es soll noch schlimmer kommen. Der Oberleutnant schreitet eines
Tages durch die Ställe, und ein heiliges Kreuzdonnerwetter tost nach
dem anderen herunter.
„Was ist das für eine heillose Schweinerei! In den Ställen ist
überhaupt kein Boden mehr zu sehen; halbfußhoch ist der Mist
festgetreten, als ob seit drei Monaten hier nicht gesäubert worden
wäre!“
Der Wachtmeister erklärt dem Oberleutnant die Ursache.
Selbstverständlich sieht hier nicht alles so aus wie in anderen Jahren.
Man hatte über all der Aufregung keine Zeit, die alte Ordnung und
Reinlichkeit aufrechtzuerhalten.
Aber was nutzt das alles? Die Ställe müssen wieder ordnungsmäßig
aussehen. Also Freiwillige vor und ausmisten!
Hiller hat wieder falschen Sitz gehabt und ist vom Bügelriemen
gescheuert worden; das Bein ist ganz wund. Anderen ist’s viel schlimmer
ergangen -- ja, einen, der einen Tritt vors Schienbein bekam, und der
vor lauter Schmerz laut aufgeschrien hat, mußten sie unter einem Hagel
von Flüchen ins Revier schaffen.
Aber der kleine Hiller ist noch so furchtbar empfindlich. Wenn er den
ganzen Morgen lang schlapp, faul und schläfrig gescholten wird, fängt
er an, sich unglücklich zu fühlen. Einer von den Wachtmeistern, der
es gut mit ihnen meint, hat ihnen in einer längeren Rede erklärt:
„Selbstverständlich kann man euch nicht mit Kosenamen benennen,
und wenn mal ein derbes Schimpfwort fliegt, dann müßt ihr das eben
hinnehmen und euch sagen, daß eurem Wachtmeister auch mal die Galle
überläuft!“
Diese Erklärung hat ihnen wohlgetan. Das wissen sie natürlich, daß beim
Drillen geschimpft wird, das gehört einfach dazu. Aber dennoch: wenn
der Wachtmeister sich einen einzelnen heraussucht und den einen ganzen
Vormittag nicht wieder losläßt, und wenn dieser arme Teufel dazu ein
empfindsames Gemüt hat, dann ist das doch eine sehr niederträchtige
Sache.
Dem armen kleinen Hiller ist’s zum Tode weh zumute. Soll er jetzt an
Hipps Stelle treten und der Unglückswurm seines Beritts werden?
Rot ist sein Kopf, und der Schweiß steht ihm in dicken Tropfen auf der
Stirn, als es endlich ‚absitzen‘ heißt.
„Eine Viertelstunde Mittagspause -- Kommando, in der Mannschaftskantine
zu essen -- dann Drillichanzug anziehen und zum Ausmisten in den Stall
antreten!“
Sie sind wütend; sie kommen sich gedemütigt vor -- diejenigen
wenigstens, die von den hohen Schulen gekommen sind, um dem Vaterland
zu dienen.
Heißt das auch noch dem Vaterland dienen, wenn sie Ställe ausmisten?
Hipp ist nur über den Zwang, den Mannschaftsfraß essen zu müssen,
aufgebracht. Mit ihren Näpfen treten sie an. Weiße Bohnen und Speck
gibt’s und duftet herrlich. Und -- Teufel, ja -- schmecken tut es
großartig! Das müssen sie trotz ihrem Ärger zugeben. Hipp läßt sich
seinen Napf zum zweitenmal füllen.
Es geht in fliegender Eile. Hinauf in die Stuben, aus den Reithosen
heraus und in den Drillich hinein.
Hipp holt ein rosa Briefchen aus seiner Rocktasche: „Da, lies mal!“ Er
gibt es Hiller.
‚Mein süßer, geliebter Schatz!‘ liest der und wirft den Brief
Hipp wieder zurück. Was gehen ihn Hipps Liebesbriefe an? Es ist
überhaupt gemein von dem, daß er sie in der Kaserne vorliest und sich
damit brüstet. „Der blasse Neid,“ sagt Hipp, hält sich aber doch
freundschaftlich an Hillers Seite.
Unten steht schon der Wachtmeister und brüllt sie an: „Freiwilliger
Hiller, wissen Sie nicht, daß Sie Stallwache haben?“
Hiller ist erstaunt, daß er mit ‚Sie‘ angeredet wird. „Zu Befehl,
Herr Wachtmeister! Ich war nur zum Essen in der Kantine und habe den
Reitanzug ausgezogen.“
„Wenn ich noch einmal einen, der Stallwache hat, nicht auf seinem
Posten treffe, gebe ich Arrest!“ sagt der Wachtmeister und wendet sich
ab.
Es werden kleine, scharfe Harken an die Freiwilligen verteilt, denn
der Mist ist so festgetreten, daß sie ihn losklopfen müssen. Der dicke
Hipp kniet im Schweiße seines Angesichts da und klopft, ist aber nicht
aus der Laune zu bringen und reißt Witze. Sobald der Wachtmeister außer
Sicht ist, lachen sie alle mit ihm; er hat eine ungeheuer komische
Art, seine Vorgesetzten nachzuahmen. Selbst Hiller kann nicht ernst
bleiben, wenn Hipp seine Possen treibt. Dieser harmlos aussehende dicke
Mensch hat es faustdick hinter den Ohren. Er ist frech und kühn, sobald
der Wachtmeister den Rücken gekehrt hat, und sieht wie ein Gotteslamm
aus, wenn er ihm gegenübersteht. Sein prachtvoller Humor und seine
strotzende Gesundheit bringen ihn über alle Widerwärtigkeiten hinweg.
Und an diesen beiden glücklichen Gaben fehlt es dem armen Hiller so
sehr! Wohl hat er Verständnis für Humor; ja, in einem ganz kleinen
Winkel seiner Seele sitzt etwas vom Schalk, der sich ganz selten einmal
etwas hervorwagt, aber gleich ängstlich verschwindet, wenn ein Schatten
auf den Weg seines Lebens fällt. Und mit seiner Gesundheit ist es auch
eine eigene Sache. Krank ist er nicht -- -- -- aber auch nicht recht
widerstandsfähig.
Müd’ -- schlapp -- kaputt!
Auch jetzt tut ihm der Rücken infam weh, das vielfach am Lederzeug
aufgescheuerte Bein schmerzt und, was das Schlimmste ist, die große,
schöne Begeisterung ist fort, ist einfach weggeflogen.
Sehnsucht nach dem stillen geistigen Leben ist erwacht. Er gedenkt der
Abende mit der Mutter. Sie haben zusammen auf dem Sofa gesessen, und
entweder hat sie gelesen, oder er hat ihr erzählt, und sie waren beide
stumm geblieben, und die Mutter hat ihm den Arm um die Schultern gelegt.
Hipp erzählt nun doch wieder von seinem blonden Mädchen, und Hiller
hört zu, ohne es zu wollen. Er erzählt sehr anschaulich -- er verrät
kolossale Kenntnisse, die er freiwillig zum besten gibt.
Dabei schaufeln sie Berge von Mist vor sich auf, und draußen rollen
zwei Freiwillige Karren an, um den Mist zum Dunghaufen zu bringen. Hipp
und die zwei anderen, die zusammen arbeiten, sagen: „Schaufeln her!“
Aber es sind keine Schaufeln da. „Hiller, du hast Stallwache, du mußt
für Schaufeln sorgen!“
Hiller weiß wohl, daß er Stallwache hat, das heißt, daß er die ganze
Nacht über mit einem anderen, der ihn alle zwei Stunden ablösen muß,
im Stall zu bleiben hat, aber er sieht deshalb nicht ein, warum er es
gerade sein soll, der für Schaufeln zu sorgen hat.
„Geh du doch,“ sagt er zu Hipp; und Hipp geht auch, kommt aber mit
leeren Händen zurück.
„Tatsache, Hiller, du mußt gehen -- der Wachtmeister weiß auch, daß du
Stallwache hast!“
Da macht sich Hiller zum Wachtmeister auf. Stramm, die Hacken
zusammengeklappt, steht er vor ihm.
„Verzeihung, Herr Wachtmeister, wir möchten um Schaufeln bitten!“
„Schon wieder einer! Kerls, was wollt ihr denn mit den Schaufeln?“
„Zu Befehl, Herr Wachtmeister, den Mist in die Karre laden!“
„Dämlack!“ schrie ihn der Wachtmeister an. „Wozu hat Gott euch denn
eure natürlichen Schaufeln gegeben?“ Dreht sich um und läßt den kleinen
Hiller abziehen.
Sie werfen nun den Mist mit ihren Händen in die blauen Arbeitsschürzen,
die sie tragen, und leeren ihn in die Karren. Die alten Leute, die
vorübergehen und die nicht mitzutun brauchen, lachen sie aus.
„Das schmeckt gut, was? Nach so einer Ausmisterei ist man für zwei Tage
satt und braucht nichts zu essen!“
Es ist ihnen gleichgültig geworden. Auch dem dicken Hipp tut jetzt der
Rücken weh -- aber der Wachtmeister treibt zur Eile an. „Bis zum Appell
muß der Boden blank und glatt wie Parkett sein.“
Nein, sie wissen es nicht mehr, daß Deutschland gegen eine Welt von
Feinden streitet, und daß sie mit so heißer Hingabe in die Kasernen
gezogen sind, um in ein paar Wochen mitzutun.
Sie knien vor ihrem Misthaufen und sind stumpf und müd’ geworden.
Denken überhaupt nicht mehr an das Große, Gewaltige, das draußen in der
Welt vor sich geht -- -- -- denken nur noch an sich selber und an ihre
eigenen Leiden, an den schmerzende Rücken und an den Durst, den sie
nicht löschen dürfen.
Und der verärgerte Wachtmeister brüllt sich die Kehle wund, weil es
nicht schnell genug geht.
Die müden Hände hacken, Schürzen werden gefüllt, und die Karren rollen
hin und her. Um sechs Uhr ist der letzte Karren weg. Nun Wasser holen
-- zehn, zwanzig Eimer Wasser und schrubben, was das Zeug hält.
Der Wachtmeister reißt Hiller seinen Besen aus der Hand. „Kerl, willst
du mir einen Tango vortanzen?“ Und er macht ihm das Schrubben auf
energische Weise vor.
Nun geht es glatt weiter. Die Wasserplantscherei hat etwas Lustiges.
Hipp läßt das schmutzige Wasser hoch gegen die anderen aufspritzen.
„Das müßte mein Mädchen sehen!“ sagt er. Er denkt nichts anderes als
sein Mädchen. Den ganzen Tag spricht er von ihr.
Der Oberleutnant kommt zum Revidieren. Er ist zufrieden.
„Antreten zum Appell!“
Hipp bekommt seinen erwarteten Brief und schmunzelt. Hiller geht leer
aus. Er läßt den Kopf hängen und kehrt in den Stall zurück. Die anderen
sind jetzt frei und können in die Kantine oder in die Stadt gehen. Er
aber sitzt auf einer Futterkiste im Stall und sieht trübe vor sich hin.
Der ‚alte Mann‘ der mit ihm die Wache hält, fragt: „Soll ich Essen
holen?“
Das bedeutet natürlich, daß er auf Hillers Kosten für sie beide Essen
holen will. Hiller zieht einen Taler aus seinem Brustbeutel heraus, und
der andere kommt bald mit einem Arm voll Butterbroten, mit mehreren
Paar Würstchen und zwei Flaschen Bier zurück.
Sie essen gemeinsam auf ihrer Futterkiste und schwatzen, bis die Sonne
sinkt.
Um neun Uhr legt sich der ‚alte Mann‘ ins Stroh, zieht einen Woilach um
sich, und Hiller bleibt allein.
Regungslos bleibt er auf seiner Futterkiste sitzen. Der Rücken
schmerzt, und ins arme Herz ist ein Leid gezogen, so schwer, so heiß,
daß er’s kaum zu ertragen vermag.
Die Öllaternen im Stall werfen trübe Lichter um sich. Die Halfterketten
klirren -- der warme Dunst aus all den Tierleibern strömt stark und
erregend zu ihm hin.
Er muß an all das, was Hipp ihm die Tage über von seinem Mädchen
erzählt, denken.
In Hillers Kopf will es nicht hinein, daß man von einem Geschöpf, für
das man Liebe und Verehrung empfindet, vor anderen sprechen kann. Im
Anfang hat es ihn angewidert, wenn Hipp von dem Mädchen sprach; aber
man kann schließlich die Ohren nicht zustopfen, wenn einer so ständig
von derselben Sache erzählt.
Und jetzt, in dieser halbdunklen Einsamkeit, in dieser tiefen
Sehnsuchtsstimmung, in dieser warmen, von einem erregenden Duft
erfüllten Luft steigt heiß und drängend im armen, kleinen Hiller ein
bisher ungekanntes Verlangen auf.
Tränen fließen ihm aus den Augen. Die Hände haben sich zu Fäusten
geballt -- weh, furchtbar weh ist ihm ums Herz.
Ein Pferd hat den Kopf aus dem Halfter gelöst und versucht
auszubrechen. Er springt hin und bekommt es zu fassen, bevor es draußen
ist.
Das Tier schnuppert an ihm herum und läßt sich willig anketten. Er
schleicht zu seiner Futterkiste zurück; er sitzt und seine Gedanken
fliegen zur Mutter. Wo mag die sein? Ob sie allein zu Hause sitzt? Ob
sie zur Großmutter gefahren ist?
Er sieht sie vor sich, hört sie reden, sieht sie weinen. Natürlich
weint sie um ihn. Die Trennung mag schwer auf ihr lasten. Bislang hat
er noch nicht recht darüber nachgedacht, wie einsam es um sie sein
muß. Nun aber kommt es plötzlich über ihn. Die traulichen Zimmer, in
denen er mit ihr gelebt hat, sieht er vor sich. Die Bilder an den
Wänden leuchten zu ihm herab. Er sitzt mit ihr in der halbdunklen
Sofaecke, den Kopf an sie geschmiegt.
Wie schön waren diese Abende mit ihr gewesen! Wie schön dies ganze
stille, einfache Leben! So geborgen, so warm! Wenn man etwas auf dem
Herzen gehabt, hat man’s abends der Mutter gesagt, und alles war gut
gewesen. Und hat sich doch eigentlich immer nach was anderem gesehnt.
Hat immer gerechnet, wieviel Vierteljahre man noch auf der Schulbank zu
sitzen und abzuwarten hat, bis das eigentliche Leben kam.
Und nun ist dies eigentliche Leben da -- nun ist man ganz plötzlich
aus allem herausgeschleudert worden! Man ist Soldat geworden und will
fürs Vaterland kämpfen. So stolz, so glücklich, so begeistert ist man
gewesen.
Warum nur? Für was nur?
Man hört ja nichts mehr vom Krieg. Man tut ja nichts, gar nichts zur
Sache. Den ganzen Tag wird man angeschnauzt -- Schimpfnamen fliegen
einem um den Kopf. Man mistet Ställe aus und putzt seine Pferde.
Das hat man doch nicht gewollt! Dafür ist man doch nicht hierher
gekommen! Und der kleine Hiller, der sich jeden Tag von neuem freuen
muß, wenn er überhaupt glücklich auf sein Pferd hinaufkommt und sich
oben behaupten kann -- der kleine Hiller, den jedes Glied am ganzen
Körper schmerzt, der einen geradezu verzweifelten Kampf gegen Schwäche
und Schlappheit kämpft, hat in dieser stillen, todeinsamen Nachtstunde
das Gefühl, daß ihm ein großes Unrecht geschieht, weil man ihn hier
noch festhält, statt ihn in Kampf und Begeisterung ziehen zu lassen.
Alles ist häßlich und traurig und verzerrt in dieser Nacht. Namenlos
öd und einsam die ganze Welt! Unerträglich das Leid und die heiße
Sehnsucht im Herzen! Die Sehnsucht nach irgend jemandem, der gut zu ihm
ist, der warm und lieb zu ihm spricht -- -- der die Arme um ihn legt --
ihn küßt.
Verteufelt! Schon wieder muß er an Hipps Mädchen denken, das ihm jeden
Tag einen Brief schreibt.
Warum hat er niemanden, der an ihn denkt, der ihm schreibt.
Wieder hat ein Pferd sich losgelöst und sucht den Ausgang zu erreichen.
Der ‚Arbeiter‘ ist es, sein eigenes Pferd. Er führt es zu seinem Platz
zurück und klopft ihm den Kopf.
Das Tier schmiegt sich an ihn, berührt ihn mit der warmen, nassen
Schnauze. Da löst sich im armen Jungen der bittre, bittre Schmerz.
Er weint laut auf. Mit beiden Armen umschlingt er den Hals des
Tieres. „Mutter -- -- Mutter!“ Er schreit es fast. Ein grenzenloses
Heimweh tobt in ihm. „Mutter -- -- Mutter!“ Und umklammert wie ein
Verzweifelter den warmen Kopf, drückt das Gesicht in die Mähne hinein
und schluchzt und wird gerüttelt und gestoßen von diesem plötzlichen,
wilden, unerträglichen Jammer. Lang steht er so an seinen ‚Arbeiter‘
geschmiegt.
‚Nach Hause -- zur Mutter zurück!‘ Und er will ihr schreiben: ‚Ich kann
es hier nicht länger ertragen, laß mich zu dir zurückkommen!‘
Er schleicht zur Futterkiste zurück -- zieht eine zerknitterte
Feldpostkarte aus der Tasche.
‚Liebes Muttchen!‘ schreibt er -- besinnt sich einen Augenblick und
kommt zur Vernunft. Ein ‚Zurück‘ gibt es nicht für ihn. Ausharren muß
er, und wenn es noch tausendmal schlimmer kommt. Aber sehen will er
sie, und da er nicht zu ihr kann, muß sie zu ihm kommen. Das geht --
daran kann niemand etwas finden.
So schreibt er: ‚Wenn Du willst, so besuche mich, bitte. Ich habe ein
wenig Heimweh nach Dir!‘
Nachdem er das geschrieben, ist ihm leichter ums Herz geworden. Er
läuft über den Kasernenhof und bringt die Karte zum Kasten.
Sternklar wölbt der Himmel sich draußen. Kühl ist die Nacht, denn der
Herbst will ganz ganz langsam kommen.
Tief atmet Hiller auf. Das Leid ist verflogen. Der furchtbare Druck ist
von ihm genommen. Nun ist er nur noch müd’ -- hat nur noch Sehnsucht
noch einem langen, tiefen Schlaf.
Im Stall trifft er den ‚alten Mann‘, der ihn für zwei Stunden abzulösen
hat, an. Der sieht ganz vergnügt aus.
„Müde, was?“ und schaut lächelnd in das bleiche Knabenangesicht.
„In zwei Stunden kommst du wieder dran, Mensch. Das lohnt kaum der
Mühe, sich hinzulegen! Bleib man gleich auf, sonst wirst du nachher
überhaupt nicht mehr munter. Man kennt das ja bei euch jungen Kerlen.
Muttersöhnchen! Neulich habe ich für einen die ganze Nacht gewacht. Da
hat er mir ’n Taler für geschenkt!“ Und sieht noch forschender, sieht
eigentlich geradezu aufmunternd in Hillers Gesicht.