Der alte Mann sagte: »Das macht nichts ..., das macht nichts ..., wenn

er steht, wird er schon größer werden ...«

Nach einer Weile rief Zenzi: »Aber er steht ja nicht ...«

Der alte Mann: »Es dauert nur ein bisserl länger ..., er wird schon

stehen.«

Wieder nach einer Weile sagte Zenzi leise: »Ich kann nicht mehr ..., mir

tut schon die Hand weh ...«

Der alte Mann: »Das macht nichts ..., nimm's nur in den Mund ...«

Zenzi fragte: »Was geben S' mir dann?«

Der alte Mann: »Was ich dir geb' ...? Meinetwegen ..., ich geb' dir zehn

Gulden ..., aber nimm's in den Mund ...«

Rudolf gab es einen Ruck: »Herrschaft!« murmelte er, und ich war ganz

erschrocken über das viele Geld.

Es dauerte lange, bis Zenzi endlich sagte: »So, er steht schon ...,

kommen S' her ...«

Wir hörten, wie sie ins Bett fielen. Nach einer kurzen Pause lachte

Zenzi auf: »Er steht ja schon wieder nicht ...«

Der alte Mann murmelte etwas, sie wälzten sich im Bett herum, dann brach

Zenzi los: »Ach ..., ach ..., ja ..., so ..., das ist gut ..., gut ...,

ja ..., weiter ..., schneller ...«

Rudolf meinte zu mir: »Jetzt schleckt er sie ...«

Dann rief Zenzi: »Kommen S', jetzt steht er wieder ...«

Sie wälzten sich noch einmal, und Zenzi lachte; »ist schon wieder

zusammengefallen ...«

Der alte Mann sagte ärgerlich: »Ist nicht wahr ..., steck ihn nur

hinein ...«

Das Bett krachte, und Zenzi sagte: »Sie sind ja gar nicht drin ...«

Der alte Mann: »Laß mich nur! Ich komm' schon hinein ...«

Das Bett krachte weiter, weiter. Zenzi seufzte und rief: »So ...,

endlich ..., aber jetzt ..., gut ..., gut fickerln ..., was? ... Schon

aus ...«

Wir hörten sie wieder in der Küche herumgehen und flüstern. Dann knarrte

die Eingangstür und Zenzi rief: »Küß die Hand«, und kam gleich darauf

ins Zimmer gelaufen. Sie war im Hemd und schwang einen Zehner in der

Hand. Freudig gab sie ihn Rudolf.

Natürlich fand am Abend wieder ein großes Saufgelage statt. Wir waren

alle betrunken, und ich weiß gar nicht mehr, was wir alles getrieben

hatten. Am nächsten Tag verschlief mein Vater wieder die Arbeit, und

weil das jetzt öfters vorkam, wurde er eines Tages entlassen.

Er kam schimpfend und fluchend nach Hause, aber Rudolf tröstete ihn:

»Das macht nichts ..., du find'st bald wieder eine Arbeit.« Sie waren

längst per du miteinander. Mein Vater war sehr entrüstet und konnte sich

nicht beruhigen.

»Schlaf dich ein paar Tag aus, und dann gehst dir eine andere Arbeit

suchen«, meinte Rudolf, »und dir wird es guttun, wenn du dich

ausschlafst.«

Mein Vater begann also sich auszuschlafen. Er wälzte sich die Vormittage

im Bett herum, spielte mit Rudolf Karten, und verbrachte seine Zeit

damit, abwechselnd Zenzi oder mir an den Brüsten zu spielen. Dabei

benützte er mich jetzt beinahe in jeder Nacht, und bei Tag machte er

sich auch noch über Zenzi her, denn er war immer angetrunken.

Da er seine Tage zu Hause verbrachte, war er auch einmal anwesend, als

Zenzi mit einem Herrn nach Hause kam. Nun standen wir zu dritt hinter

der Küchentür und lauschten, wie draußen das Geschäft vor sich ging.

Er war sehr erstaunt, und machte große Augen, als Zenzi dann hereinkam

und ihrem Rudolf drei Gulden überbrachte.

Wenige Tage später aber kam der Hausmeister herauf und erklärte, das

könne nicht mehr geduldet werden. Entweder wir müßten ausziehen, oder

Zenzi dürfe keine Herren mehr mitbringen. Der Hausmeister war sehr

höflich, und sprach mit Rudolf besonders sehr freundlich, und Zenzi

lachte. Ich vermute, Rudolf hat ihn vorher reichlich mit Geld gespickt

und vermute auch, daß Zenzi sich einmal von ihm hat vögeln lassen, denn

sonst hätte er überhaupt der Wirtschaft nicht so lange zugeschaut, und

wäre wohl auch bei seinem Besuch nicht so höflich und von einem solchen

Bedauern dieser Maßregel erfüllt gewesen.

Das Verbot kam vom Hausherrn direkt.

Rudolf nahm, nachdem der Hausmeister weggegangen war, Zenzi mit sich in

die Küche, und sie hatten eine lange Unterredung miteinander. Sie kamen

auch nachher nicht herein, sondern legten sich zusammen nieder, und man

hörte sie quietschen, stammeln und ein »noch« bitten, lauter Geräusche,

die auch auf uns ihre Wirkung übten, so daß wir, wenn auch einmal ohne

Wein, noch in den Kleidern anfingen, unser Spiel zu beginnen.

Zenzi blieb jetzt vom Hause fort, und kam immer erst am Abend, manchmal

sehr spät in der Nacht, manchmal gar erst am nächsten Morgen nach Hause.

War Rudolf abends oder morgens bei uns im Zimmer, wenn sie kam, dann gab

sie ihm vor uns ihren Verdienst, und der Vater interessierte sich für

nichts so lebhaft, als für den Betrag, den sie mitgebracht hatte.

Weil nun Zenzi oft Tage und Nächte fernblieb, und wenn sie zu Hause war,

meist schlief, hatte ich jetzt meinen Vater und Rudolf zu befriedigen,

und ich mußte in der Nacht manchmal von einem zum andern gehen, wenn

nicht Rudolf direkt zu uns hereinkam und sich als dritter ins Bett

legte.

Der Vater hatte Rudolf oft um Geld angegangen, und immer solches von ihm

bekommen, denn der Vater verdiente nichts und steckte natürlich schon

nach ein paar Wochen in allerlei Schwierigkeiten.

Einmal aber antwortete Rudolf auf ein solches Verlangen: »Warum verdient

denn die Peperl nichts ...?«

»Die Peperl ...«, fragte der Vater und sah mich an.

»Na ja«, meinte Rudolf, »die könnt' doch auch so viel verdienen, wie die

Zenzi ...«

»Soll sie eine Hur werden ...«, antwortete der Vater langsam.

»Ah was ..., eine Hur ...«, rief Rudolf, »jetzt tut's doch dasselbe was

die Zenzi macht ..., da ist nix dabei ..., und tausende Mädchen müssen

sich so ihr Geld verdienen ...«

»Das ist schon richtig ...«, mein Vater blickte unschlüssig drein,

»aber ...«

»Aber hin, aber her ...«, Rudolf hatte seinen strengen Ton, »glauben

Sie, wenn Sie das Mädel pudern, der eigene Vater, das ist vielleicht

besser ...? Na also ... Die Zenzi«, fuhr er fort, »die Zenzi verkehrt

nur mit lauter feine Herren ..., die laßt gar keinen ordinären Menschen

drüber. Was glauben S' denn? Die hab' ich schon dressiert ..., und die

Herren, von denen sich die Zenzi pudern läßt, die sind alleweil noch

nobler als der Katechet, der die Peperl gefickt hat und nicht einmal was

gezahlt hat er ihr. Der Schmutzian.«

»Der Schmutzian ...«, sagte mein Vater in nachträglicher Entrüstung.

»Na, und was möcht's denn der Pepi schaden, wenn sie jetzt für ihren

Vater was verdienen tät?« fragte Rudolf. »Sie haben sich lang genug für

Ihre Kinder geplagt ...«

»Ja, da haben S' ganz recht ...« pflichtete mein Vater bei.

»Na also ..., lassen S' die Pepi nur mit der Zenzi gehn, und die bringt

Ihnen alle Tag mindestens drei Gulden nach Haus ..., da garantier' ich

schon dafür ..., so ein schönes Mädel wie sie.«

Ich war sehr geschmeichelt, aber mein Vater fragte ängstlich: »Und die

Polizei?«

»A was, die Polizei ...«, machte Rudolf verächtlich, »hab' ich

vielleicht schon einmal wegen der Zenzi einen Anstand gehabt? Lassen Sie

nur die Zenzi machen, die kennt sich aus ...«

»Wenn aber doch einmal ...«, mein Vater hatte Angst.

»Na, und wenn schon ...«, lachte Rudolf, »nachher sagen Sie, Sie wissen

von nix ..., und das Mädel ist von selber so schlecht ... Die Pepi wird

Sie nicht verraten.«

Somit wußte ich also, daß ich mich vor der Polizei in Acht zu nehmen

hatte. Ich schwieg die ganze Zeit und wurde auch nicht gefragt. Mein

Vater überlegte hin und her, dann wiederholte er: »Nein, ich mag nicht,

daß das Mädel eine Hur wird ...«

»Aber davon ist doch keine Red«, unterbrach ihn Rudolf, »das ist ja nur

bis Sie wieder eine Arbeit gefunden haben ..., dann kann ja die Pepi

auch wieder solid werden ...«

Diese Logik leuchtete meinem Vater ein, und Rudolf gewann ihn ganz, als

er hinzufügte: »Ich lass' die Zenzi ja auch nur wieder vögeln, weil ich

vazierend bin. Bis ich eine Stelle hab', muß sie wieder brav sein.«

Am nächsten Tag rückte ich mit Zenzi aus. Es war beschlossen worden, und

so begann ich meine Laufbahn. Wir gingen in die innere Stadt, auf den

Graben, Stephansplatz, Kärntnerstraße usw. Es war Sommer, heiß und wir

hatten nur leichte Blusen an. Dazu hatte mich Zenzi zu Hause gelehrt,

mir das Hemd bis zum Gürtel herabzulassen, so daß ich die Brust unter

dem Kleid bloß hatte.

Zenzi war sehr geschickt und lachte auf dem Wege allen Männern ins

Gesicht. Ich brachte das nicht gleich zuwege, denn ich war befangen,

aber ich schaute ihnen dafür ernst in die Augen und das genügte. In der

Schönlaterngasse war ein finsteres altes Haus mit einem engen finsteren

Flur. Dorthin führte mich Zenzi. Wenn man ins Tor ging, kam man zu einer

Tür. Sie klopfte, und ein häßliches, altes Weib öffnete. Wir standen in

einer Küche, in der man fast gar nichts sah, und von der aus man in ein

Kabinett kam, das ebenso lichtlos war.

»Meine Freundin wird auch herkommen«, sagte Zenzi.

Die Alte schaute mich prüfend an und fragte: »Sind S' schon vierzehn

Jahr vorbei ...?« -- »Schon längst«, log Zenzi für mich, »sie ist nur

noch ein bisserl klein ...«

»Sie wissen ja ...«, sagte die Alte zu mir, »für jedesmal zahln S' mir

einen Gulden ..., aber Sie dürfen mir nie um acht Uhr am Abend

herkommen ...«

Wir gingen wieder. Zenzi gab mir Ratschläge, vor allem den, auf die

Polizeimänner aufzupassen, und von den Herren das Geld zu verlangen,

bevor man sie noch zuließ.

Wie wir wieder auf den Graben kamen, stieß mich Zenzi an: »Da schau ...,

der geht uns nach ...«

Vor uns ging ein großer, sehr nobel gekleideter Mann mit einem schwarzen

Bart. Er drehte sich nach uns um und sah mich an. Dann verlangsamte er

seine Schritte und ließ uns vorgehen.

An der Ecke der Dorotheerstraße zog mich Zenzi in die enge Seitengasse.

»Komm nur«, flüsterte sie, »wir biegen ein ...«

Zenzi drehte sich um. Der Herr stand an der Ecke und blickte uns nach.

Wir standen und Zenzi winkte ihm mit dem Kopf. Da kam er auf uns zu:

»Komm weiter ...«, mahnte sie, »da heraußen spricht er nicht mit

uns ...«

Sie zog mich rasch hinter ein Haustor, dort warteten wir. »Da gehst

immer her«, riet mir Zenzi, »wenn du am Graben oder in der

Kärntnerstraße bist ..., da wohnt niemand ...«

Inzwischen kam der Herr herein. Zenzi empfing ihn lächelnd, aber er trat

zu mir.

»Na, was ist denn ...?« sagte er.

»Nichts ...«, antwortete ich ihm.

Zenzi fragte »Wollen S' mitgehen ..., in der Nähe ist eine Frau ..., da

kriegen wir ein Zimmer.«

»Nein«, flüsterte er, »ich hab' keine Zeit.«

»Wir könnten auch da auf die Stiegen gehn ..., es wohnt niemand da ...«

»Willst du ...?« fragte er mich. Ich betrachtete ihn mit großer

Bewunderung, denn er sah sehr fein aus, feiner als ich je einen Mann in

der Nähe gesehen hatte. Er trug einen schönen Spazierstock mit einem

silbernen Griff und eine goldene, feine Uhrkette, die ihm um den Hals

geschlungen war.

Wir gingen die Treppe hinauf, die sehr breit und nur halb dunkel war,

und blieben auf einem Absatz stehen. »Ich werd' aufpassen ...«, sagte

Zenzi, und stellte sich in einiger Entfernung von uns auf. Der feine

Herr griff mir an die Brüste und lächelte: »Mach auf ein wenig.«

Er fuhr mit der Hand in den Spalt, den ich auftat, und war sehr

erfreut, meine Brust nackt zu finden. Ich bemerkte mit ehrerbietigem

Vergnügen, daß seine Hand ganz weich und zart war, so zart, wie meine

eigene Haut.

»Alsdann komm«, sagte er und sein Atem begann zu fliegen. Er knöpfte

sich das Hosentürl auf, und ich bekam einen Schweif in die Hand, der so

weiß und zart und dabei so kräftig und aufrecht war, wie eine

Wachskerze. Auch der Kopf daran war spitz und zart.

Ich lehnte mich an die Wand und hob die Röcke auf, weil ich dachte, er

werde mich stehend vögeln. Aber er lehnte meine Bereitschaft ab: »Laß

nur«, meinte er, »das trau' ich mich da nicht ..., spiel lieber ..., und

laß mich spielen.« So fing ich an, ihm einen abzuwichsen, während er in

meiner Bluse herumfuhr, und bald die eine, bald die andere Himbeere zum

Aufblühen brachte.

Dabei flüsterte er mir zu: »So ist's gut ..., mehr oben ...,

schneller ..., jetzt ..., wart ...« Er reichte mir ein Taschentuch. Ich

nahm es und hielt es über seine Eichel. Da zitterte er mit den Beinen,

sein Speer begann in meiner Hand zu zucken, und das Gewitter entlud

sich. Ich wischte mir die Hand auch an seinem Tuch ab, weil sie

gleichfalls angeregnet worden war. Als ich ihm das Tuch zurückgab,

steckte er mir zwei Gulden zu. Dann ging er rasch die Treppen hinunter,

ohne sich nach uns umzusehen.

Ich blieb mit Zenzi noch eine Weile auf der Treppe, dann schlichen auch

wir zum Haus hinaus. Und ich war ganz glücklich. Zwei Gulden, in zwei

Minuten verdient. Und so leicht. Was hatte ich denn für Mühe gehabt?

Dabei war ich diesem eleganten Herrn so zugetan, bewunderte ihn so sehr,

und hatte so viel Hochachtung vor ihm, daß ich gewiß kein Geld von ihm

verlangt hätte.

Auf dem Stefansplatz sprach mich ein alter Mann an. Ich erschrak zuerst,

aber Zenzi stieß mich in die Seite und so antwortete ich, als er mich

fragte: »Kann ich zu dir gehn?« mit einem »Ja«.

Er befahl mir: »Geh voraus ..., ich komme nach.«

Zenzi war im Nu von meiner Seite verschwunden, und ich schlug den Weg in

die Schönlaterngasse ein. Die Frau öffnete uns, und wir waren in dem

Kabinett allein. »Zieh dich aus ...«, sagte der alte Mann. Während ich

meine Kleider ablegte, konnte ich sein Gesicht betrachten. Er hatte ein

glattrasiertes Gesicht, einen zahnlosen Mund und spärliche weiße Haare.

Dabei war er ganz mager, seine Hände zitterten und er schien mir

überhaupt sehr gebrochen.

Er saß auf dem Ledersofa und sah mir zu. Als ich nackt war, winkte er

mich heran. Ich mußte vor ihm stehen, und er schaute mich an, ohne sich

zu rühren. Deshalb glaubte ich, es sei an mir den Anfang zu machen, und

wollte ihm die Hose öffnen. Doch er schlug mich schnell auf die Finger,

daß ich erschrak. »Warte ...«, sagte er mit einer dünnen Stimme, »warte,

bis ich dir's sagen werde ..., und steh ruhig ...«

So stand ich also still vor ihm und er streichelte mich. Endlich nahm er

seinen Spazierstock und spielte damit an meiner Brust herum. Es war ein

spanisches Rohr mit einer Elfenbeinkugel. Ganz kühl und glatt strich er

mir diese über die Haut. Schließlich setzte er sie mir unten an, und

bohrte damit meine festgeschlossenen Beine auseinander.

»Komm jetzt her ...«, befahl er mir, und streckte sich auf dem Sofa aus.

Ich wollte mich zu ihm legen, aber er stieß mich wieder mit einer

Hastigkeit zurück, die mich erschreckte: »Drunten bleiben«, knurrte er.

Ich mußte stehend seine Hose öffnen, und nahm einen greisen,

ungestrafften Gnadenspender heraus, der soviel Falten hatte, als das

Jahr Stunden besitzt, und der so klein geworden war, daß er einem

ausgespitzten Bleistiftendchen ähnelte. Dieses Läppchen Haut begann ich

zwischen den Fingern zu wuzeln, und glaubte, es werde nimmermehr eine

feste Gestalt annehmen. Ich erinnerte mich dabei an den Greis, der

unlängst bei Zenzi gewesen war und ihr soviel Mühe bereitet hatte, aber

das Nudelchen wurde in meinen Fingern fleischiger und fester, und seine

Falten glätteten sich, wie ein zerdrücktes Tüchlein unterm Bügeleisen

sich glättet.

»Minett machen ...«, kommandierte er in einer zornigen Weise.

Ich verstand den Ausdruck nicht, und wichste fleißiger.

»Minett machen ...«, wiederholte er heftiger.

Und da ich noch immer nicht gehorchte, kreischte er mich an: »Zum

Teufel, hinein! ...! Verstehst du nicht ..., Minett machen ...«

»Entschuldigen Sie, gnädiger Herr ...«, sagte ich schüchtern, »ich weiß

nicht, was das ist, ein Minett ...«

Er fand das nicht einmal lustig, sondern meinte knurrend: »In den Mund

nehmen sollst du's ..., blödes Ding.«

Ich tat, wie mir geboten war, und tat so fleißig, wie nur je, denn ich

hatte Angst vor dem alten Mann. Wie erstaunt aber war ich, als sein

Bogen sich kraftvoll spannte, kaum daß ich ihn nur ein wenig gezüngelt

hatte. Er stieg und stieg immer höher. Mein Mund konnte ihn schon nicht

mehr fassen, und als ich auf sein grobes »aufhören« den Kopf zurückbog

und ausließ, schnellte ihm ein bombenfester Schweif gegen den Bauch.

»Vögeln«, schnarrte er, »schnell ..., vögeln ..., nicht so langsam ...,

solltest schon draufsein.« Er blieb auf dem Rücken liegen, und machte es

mir so, dank meiner zahlreichen Vorstudien nicht schwer, zu verstehen,

was er wollte.

Ich kroch also auf ihn hinauf und hatte Mühe, die Einquartierung, die er

mir bot, nur halbwegs unterzubringen.

Ich wollte mich über ihn beugen, um mich festzuhalten und um ihm meine

Brüste näher zu bringen. Er aber stieß mich zurück, und brummte:

»Aufrecht sitzen!«

So mußte ich aufrecht bleiben, und mich an der Sofalehne halten, wenn

ich nicht seinen Klotz tiefer im Leib haben wollte, als mir lieb war.

Er begann mich mit seinen Stößen zu heben. Rasch und kräftig stieß er zu

und redete fortwährend dabei.

»So ..., der werd' ich's zeigen ..., Gott sei Dank ..., ich kann noch

Mädeln stemmen ..., so ...« Er flog höher und höher. »Die braucht sich

nicht von andern ficken lassen ..., so ..., weil sie vielleicht einen

alten Mann hat ..., und wenn sie es tut ..., mach ich's auch ...,

so ..., so ...«

Er redete noch allerlei Ähnliches, bis er unter mir zusammenschnappte

und sich nicht rühren konnte. Ich mußte ihm ein Glas Wein holen, und

lief, wie mir es die alte Frau angab, in den Ausschank vom heutigen

Köllnerhof. Als ich zurückkam, lag er wie tot da und rührte sich nicht.

Mein Schrecken war groß. Ich rief die Alte, die ihn mit Wasser

besprengte und mich beruhigte. Sie kannte ihn.

»Das geht bei ihm immer so ..., er kommt aber rasch wieder zu sich ...«,

meinte sie. Richtig fuhr er auf, blickte wild umher, und als er das

Glas Wein bekam, leerte er es auf einen Zug.

Sofort war er wieder auf den Beinen, schaute mich böse an und gab mir

fünf Gulden. Ich fühlte mich reich und hüpfte vor Freude in der Stube

umher. Nun sah ich ein, was ich an meiner Muschel besaß, und ich

beschloß, sie nicht mehr zu verschenken.

Eben als ich wieder auf die Straße wollte, kam Zenzi mit einem langen

jungen Mann; und wie wir uns in der Küche trafen, flüsterte sie mir

eilig zu: »Wart noch ein bissel ..., geh nicht fort ...«

Die Türe schloß sich hinter den beiden, und nach einer Weile hörte ich

Zenzi fragen: »Soll ich meine Freundin rufen?«

Der Mann antwortete mit einer dünnen, zitternden Stimme: »Ja, ich bitte

Sie recht sehr, tun Sie das ...«

Zenzi lief aus dem Zimmer und holte mich: »Komm herein«, sagte sie, »der

nimmt uns alle zwei, und der zahlt viel ... Mit dem gibt's eine Hetz,

wirst sehen ..., du mußt aber alles tun, was ich dir sag' ...«

Als wir hereintraten, erhob sich der junge Mann vom Sofa. Er war sehr

blaß und hager, hatte einen tiefschwarzen Vollbart, der ihn noch

bleicher erscheinen ließ und schwarze, traurige Augen.

Er verbeugte sich vor mir bis zur Erde, als Zenzi mich vorstellte: »Das

ist meine Freundin Josefine ...«

Ich staunte über den ernsten Ton, mit dem sie das sagte: aber wie

wunderte ich mich erst, als der junge Mann meine Hand ergriff und sie

küßte. Vor Verlegenheit lachte ich, und glaubte, er wolle einen Scherz

mit mir treiben. Doch Zenzi stieß mich an, und zischte mich an:

»Nicht lachen ..., ernst bleiben ...«

Der junge Mann erhob sich vom Handkuß, und sagte leise, als ob er sich

vor mir fürchten würde: »So jung, mein gnädiges Fräulein, und so

streng ...«

Zenzi schrie ihn an: »Das Maul halten ...«

Er erschrak und stammelte: »Entschuldigen Sie ...«

»Die Pappen halt ...«, wiederholte Zenzi wütend. »Red bis du gefragt

wirst ...«

Ich erkannte sie nicht wieder. Ihr ewig lächelndes Gesicht war ganz

verändert.

»Zieh dich aus!« herrschte sie ihn an.

»Aber nein«, unterbrach er sie mild, doch ohne den übertrieben demütigen

Ton von früher, sondern ganz sachlich. »Aber nein, das kommt ja noch

nicht ...«

»Was denn ...?« Zenzi sah ihn verlegen an.

»Erst kommt doch das mit den Fragen ...«, flüsterte er eindringlich.

»Richtig!« Sie schlug sich vor die Stirne.

Sie ging von ihm fort, machte kehrt, und trat mit verfinsterten Mienen

wieder auf ihn zu: »Du Lump!« schrie sie ihn an, »du Hund, du räudiger,

du hast gewiß wieder an mich gedacht ..., was?«

Er stammelte: »Gnädigste Komtesse ..., ich hab' müssen denken ...«

»Kusch«, unterbrach sie ihn, »gesteh, was hast du gedacht ...«

Er stammelte heiser: »Gnädigste Komtesse lesen ja in meinem Herzen ...,

Sie werden ja selbst wissen.«

»Du Schwein, du miserables ...«, donnerte ihn Zenzi an, »Du hast an

meine Fut gedacht ..., an meine Brust ..., du Hurenkerl ...,

gesteh ...«

»Ich gestehe ...«, sagte er tonlos.

»Und du hast gedacht ..., du Mistkerl ...«, fuhr sie in demselben Ton

fort ..., »daß du auf mir liegen willst ..., was? Du Lausbub ..., und

daß ich die Füße auseinander geb', und daß du mir den Schwanz

hineinsteckst ..., du Schuft du ..., du hast gedacht, daß du mich

puderst ..., du Saukerl ..., und daß du mit meinen Duteln spielst ...,

willst du gestehen, ... du elender Fallott ...?«

Er faltete bittend die Hände: »Ja, gnädigste Komtesse ..., ich

gestehe ..., ich gestehe alles ...«

»Und schämst du dich nicht vor der Prinzessin da?« Zenzi zeigte mit

ausgestreckter Hand auf mich. Ich war von allem, was ich hörte und sah

so stuff, daß es mir gar nicht auffiel, als Zenzi mich eine Prinzessin

nannte.

»Ja, ich schäme mich ...«, rief er leise und hob auch zu mir seine

Hände.

»Knie nieder ...«, befahl Zenzi.

Er warf sich sofort auf die Knie: »Ich bitte, verzeihen Sie mir,

gnädigste Komtesse«, ... flehte er inbrünstig, und zu mir gewendet bat

er: »Auch Sie, erhabene Prinzessin, bitte ich um Verzeihung ...«

»Nein ...«, fauchte Zenzi, »keine Verzeihung ..., erst die Strafe ...«

Er wurde von einer leichten Röte überflogen. »Ja ...«, stotterte er

schnell, »erst die Strafe ...«

»Zieh dich aus!« rief Zenzi.

Er legte sofort alle Kleider ab, und stand nackt vor uns. Sein Körper

war außerordentlich weiß und zart. Bebend stand er da, mit gesenktem

Haupt, und schaute Zenzi an, wie ein gepeitschter Hund.

Er stellte sich gehorsam zwischen Sofa und Kasten.

Zenzi begann sich zu entkleiden und auf einen Wink von ihr tat ich

dasselbe.

»Na wart ..., du Gauner ...«, redete sie dabei, »du wirst uns sehen ...,

alles ..., aber kriegen tust du nichts ..., mich und die Prinzessin mußt

du anschauen ..., aber nicht rühren ...«

Sie trat nackt auf ihn zu, mit ihren hochaufgerichteten Brüsten, mit

zurückgeworfenem Kopf, ihre Augen funkelten, ihre Lippen zitterten. Sie

war selbst aufgeregt.

Sie rieb ihm ihre Brüste an den Leib, rieb ihren Schoß gegen den

seinigen. Dann mußte ich dazu treten und dasselbe tun. Er schaute uns

traurig an, ließ die Arme hängen, und rührte sich nicht. Mich durchfuhr

es wie ein elektrischer Funke, als ich meine Brüste gegen seine Brust

wetzte. Sein Leib war brennend heiß wie Feuer und fühlte sich zart an,

wie Samt. Und als ich meinen Venusberg gegen seine Haare rieb, bemerkte

ich, daß seine Lanze trübselig herunterhing.

Was für Geschichten, dachte ich bei mir, wann wird das aufhören, damit

er endlich dazu kommt uns zu vögeln? Denn auch in mir hatte sich die

Geilheit schon geregt.

Zenzi zog mich von ihm fort. »Jetzt kommt die Strafe ..., du

Schwein ...«, drohte sie.

Er verfolgte sie mit gierigen Blicken. Sie ging zum Kasten und holte

zwei Ruten herunter.

»Kennst du das, du verdammter Satan ...?« fragte sie, die Ruten

schwingend.

»Ja, ich kenne das, gnädigste Komtesse ...«, rief er schluckend.

»Weißt du, was jetzt geschieht ..., du Hurenbankert ...?«

»Jetzt kommt die Strafe, gnädigste Komtesse ...«, entgegnete er

schweratmend. »Strafen Sie mich, Komtesse ..., ich verdiene es ..., und

auch Sie, erhabene Prinzessin ...«, wandte er sich zu mir, »strafen auch

Sie mich ...« Zenzi gab mir eine Rute: »Hau fest zu«, flüsterte sie

rasch. »Fest ...«

»Heraus aus dem Winkel ..., du Dieb ...«, fuhr sie ihn an.

Er näherte sich ihr.

Klatsch! Im Nu hatte sie ihm mit der Rute eins quer über die Brust

versetzt, daß ein dicker Streifen, wie ein rotes Band sichtbar wurde. Er

zuckte zusammen, und ich sah, wie sein Schweif mit einem Ruck sich

aufrichtete.

»Spürst du das, du Gauner, du Räuber, du Futschlecker ..., du

Laustanz ..., du Beutel ..., du Dreckfink ..., du Vagabund ..., spürst

du das ...?« Zenzi schlug drauf los und mit jedem Hieb kam ein neuer

Schimpfname, mit jedem Hieb wurden Brust und Bauch röter.

»Ja ..., ich spür' es ..., gnädigste Komtesse ...«, röchelte er, »ich

danke ... für die Strafe ..., ich danke ..., fester ..., bitte ...,

züchtigen Sie mich fester ... Aber die Prinzessin auch ..., warum

züchtigt mich die Prinzessin nicht ...?«

Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt · 第 13 / 16 段