Der junge erregt auf dem Tisch zappelnde Mann sprach mehr, der Alte suchte
ihn durch Zurufe zu besänftigen.
»Wißt ihr, wer unsere giftigsten Feinde sind? Ganz und gar unsere und eure?
Wie unser Feind heißt? Der Stein, der Baumstrunk, die zerbrochene Laute?
Kung-tse!«
Weiter lief es über die Gänge: »Die Mandarinen, die Literaten, Kung-tse,
Kung-tse!« Ein allgemeines: »Kung-tse!« Ein zähneknirschendes: »Die
Erpresser, die Mandarinen!« Ein hetzendes: »Kung-tse!«
Von dem zitternden Achtgenientisch krächzte es weiter:
»Wer ist Kung-tse, was will er? Das dritte Übel! Er hat gelehrt den Mund
ausspülen, die Haare kämmen, vor Fürsten buckeln, vieles Gute, vieles
Schlechte. Für uns armen Leute ist er schon lange tot und sagt kein Wort
mehr. Mandschus, Lamas und Mandarinen beten ihn an, darum können wir ihn
nicht anbeten, sie haben ihn uns weggeschnappt, haben weggenommen, was gut
an ihm war für uns. Sein Geist soll sich bedanken in Pe-king, daß wir ihm
nicht räuchern und ihn von unseren Schwellen blasen mit häßlichen Worten.
Ich hasse ihn, wir hassen ihn, den leeren Messingtopf. Der alte kluge Herr,
der vor mir redete, hat recht gesprochen: schwach müssen wir sein gegen das
Schicksal, es bleibt uns nichts weiter. Wir sind arm; gut tut, wer alles
hinwirft, und selbst wenn er alles hinwirft, verliert er den Kopf beim
Spaziergang wie Li. Unterdrücker, fremde Wölfe, Krokodile, Füchse sind
unser Schicksal. In den Ämtern spreizen sich die Mandschus, bei den
Prüfungen lügen sie sich vorwärts, auf der Straße werfen sie unsere Wagen
und Sänften um, treten die Wege breit mit ihren breiten Füßen. Die
verruchte, gottlose Dynastie! Ihr Schicksal wird sich erfüllen, vor
unserem, nach unserem. Die Langnasen werden das Land vernichten und Schuld
hat Kung-tse. Uns bleibt nichts übrig als die Schwäche!«
Er hatte sich selbst ruhig gesprochen, eine höhnende Agitationsschärfe in
Stimme, Geste, Mimik gelegt. Frauen gingen schluchzend auf und ab. Erregte
Gruppen ballten sich, lösten sich; neue strömten zusammen. Der junge
Sprecher, die blasse Stirn mit Schweißtropfen, schlenderte straff Schulter
an Schulter mit Ngoh durch einen Gang. Auch Ngoh waren wider seinen Willen
Tränen in die Augen gerutscht. Das Zauberwort »Ming« lag in der Luft. Es
erschien in allen Versammlungen der Weißen Wasserlilie, oft in den der
Wahrhaft Schwachen, wie in anderen das Chihkraut, die östlichen Inseln, das
Westliche Paradies.
In die langgestreckte Halle leuchteten viele kleine Papierfenster. Es
dunkelte. Das Klappern, Rasseln, Pauken, Ausrufen, Kreischen auf dem Markt,
im Tempelhof ließ nach. Durch die Fenster der Schmalseite des Raums, von
dem Hof her prallten breite blendende Lichtgarben auf Körbe, Geräte. Man
hörte während der Rede des jungen Menschen leise Musik, feinen Gesang,
jetzt Deklamation: Theater hatte angefangen.
Während man sich durcheinander schob, Stirnen runzelte, Schweißgeruch von
sich gab, griffen zwei ältere Männer von der Lastträgergilde einen kleinen
schmerbäuchigen Herrn bei den Armen, suchten ihn nach der Leiter zu
bewegen. Dieser sauber gekleidete, fettglänzende Herr war ein gebildeter
Mann, der ein Gut und eine Windmühle zum Enthülsen von Reis besaß, und wie
viele andere aus Ehrfurcht vor den Vätern die Mingtradition hielt.
Er schmatzte, von freudigen Stimmen übergossen, auf der Leiter, verneigte
sich, man schloß sich um ihn. Der Kopf saß ihm tief zwischen den runden
gepolsterten Schultern. Während der Herr sprach, schwang er die dicken
Pfötchen possierlich nach oben und unten, links, rechts. Er lächelte. Es
war eine Paraderolle, ein Schlager, was er vortrug. Er sagte, sein Organ
war weich und dunkel: »Es lebte einmal ein Abt«, manche unter den Zuhörern
sangen es nach, eingelullt, zeigten entzückt das Zahnfleisch. Der Herr nahm
seinen Zopf über die Schulter vor, streichelte ihn wie ein Kind:
»Es war einst ein Abt. Er lebte in seinem Kloster zufrieden. Als eines
Mittags die Sonne sehr warm schien, legte der Abt seine Mütze auf das
Gesicht, schlief ein. Er träumte. Vom Rat der Götter träumte er. Die drei
großen Reinen sah er an einem Tisch, dabei den Nephritherrn, den
mildtätigen Sohn des Königs Lautertugend und der Königin Mondglanz. Ich
erzähle euch ein halbes Märchen. Da beugte sich der Nephritherr zu dem Abt
herunter, hob die Schultern geheimnisvoll und sagte: 'Ich will in dein
Kloster eine Frau wandern lassen, die wird einen großen Kaiser gebären.
Unter meinen Zeichen, Sonne und Mond wird sie ihn gebären.' Als der Abt
aufwachte, fragte er den Pförtner, ob eine Frau gekommen sei. Keine war
gekommen. Alle Zellen und Hallen durchging der fromme Mann, auf den Berg,
in die Höhlen kletterte er. Kein Kind schrie. Am Abend kam mit seinem
Trödelkarren ein Händler vor das Tor, seine gesegnete Frau begleitete ihn,
in Lumpen waren beide gekleidet. Traurig gab der Abt ihnen Pillen, damit
die Geburt gut vonstatten ginge. Im Kloster schlief alles. Morgens kam das
Kind. Leise Musik von Geigen und Pansflöten war in der Luft, die Vögel
pickten das Papier von dem Fenster, wo die Mutter lag. Dicht saßen sie wie
auf Leimruten und sangen schmetternd zu dem Wimmern des Kindes. Um die
Sonne erschien ein Hof. So arm war der Vater, daß er den Fluß hinauf ging
und einen Fetzen rote Seide fischte. Da hinein schlugen sie das Kind. Den
kleinen Tsi-juen, das zitternde Würmchen Tsi-juen schlugen sie ein in einen
Fetzen rote Seide. Und als er nun größer wurde, mußte er mit den Kuhjungen
auf das Feld. War selbst Kuhjunge. Und als sie eines Tages zu fünf auf dem
Feld waren, wollte er sie bewirten. Er ging hin, schlachtete ein Kälbchen,
den Schwanz klemmte er in eine Felsspalte. Tsi-juen klemmte den
Kalbsschwanz in eine Felsspalte. Und da nannten sie ihn ihren Hauptmann.
Aber der Mann, dem das Kalb gehörte, suchte das Tierchen, fand den Schwanz.
Nahm eine Rute, und zwei Ruten, und betrübt floh der Knabe. Ging Tsi-juen
hungernd über die Felder. Aber die Sonne zeigte den Weg, Mond führte
weiter. Ein Klosterbruder nahm ihn bei der Hand, geleitete ihn in seine
Höhle, schor ihm den Kopf. Wurde Tsi-juen, Zwerglein Tsi-juen mit
geschorenem Kopf Küchenjunge im Kloster. Die Lampen mußte er anbrennen im
Haus, Weihrauchnäpfe schwingen, schwere Näpfe für die feine Hand, viele
Kräuter dörren, die Klingel rief den ganzen Tag. Er war in dem Kloster, in
dem ihn seine Bettelmutter geboren hatte. Sie schlugen ihn, neckten ihn im
Haus herum, auch der Abt, dem der Nephritherr die Prophezeiung gegeben
hatte. Aber wie der Abt einmal den Knaben ansah, hatte der einen rosa
Flammenschein um das Gesicht. Angst bekam der Abt. Er schickte ihn in einen
Wald, jenseits des Sumpfes Brennholz zu holen zu einer feinen Sauce.
Tsi-juen lief eilig, sank, als er an den Sumpf kam, ein, sank ein. Tsi-juen
sank bis an die Schultern ein, bis an den Hals, bis an den Mund. Und da
kam, als er erbärmlich schrie und im Moor wie eine Kröte wühlte, schrie
nach seinem lieben Vater, nach seiner lieben Mutter, kam aus dem Wald eine
goldene Fee. Ei, ich erzähle euch ein Märchen, ein schönes Märchen, das hat
mir mein Großvater erzählt. Die Fee zog ihn an den Fingern heraus. Da war
er kein Küchenjunge mehr. Das Wasser hatte lauter weiße Perlen um seinen
Hals gelegt, mit Purpur und Brokat war er bekleidet, wo er in das Moor
getaucht war; Gürtel und Jadespangen trug er. So übersät mit Prunk
spazierte Tsi-juen anmutig wie ein kaiserlicher Prinz in das Kloster
zurück. Und der Abt wußte gleich seinen Namen.«
Sie stießen sich an, die an seinen Lippen hingen, stießen bekräftigend
heraus: »Ming, es war Ming.«
Sie gingen lächelnd herum. Der Schmied rief, während gegen die Fenster
Regen prasselte: »Eine Mauer brauchen wir, eine weiße Wand um Pe-king
herum!«
»Ach, warum sind die Mings gestorben! Warum hat das Volk sie verlassen!«
»Es leben noch Mings, am Jang-tse sollen welche leben!«
»Wang-lun soll ein Ming sein. Darum haßt ihn der Kaiser so.«
»Das ist's ja eben. Darum versteckt er sich. Er weiß schon warum. Sobald
der Kaiser ihn erwischt, ist er hin.«
»Oder der Kaiser ist hin.«
»Wang-lun weiß, daß er ein Ming ist und daß der Kaiser sich hütet.«
In Ngohs feinem Gesicht zitterte es; auch der junge Agitator und der Lehrer
schmunzelten. Der alte Herr zwinkerte Ngoh an, schüttelte den Kopf: »Sie
haben unrecht und nicht unrecht. Wang-lun ist ein Ming und mehr als ein
Ming.« Ngoh träumte mit verschlossenen Augen. »Ich möchte Wang-lun bald
sehen.« »Ja, Ngoh, wir brauchen ihn alle.« Ngoh seufzte: »Ich bin der Sache
nicht gewachsen. Wenn nicht einer mir die Sache abnimmt, werde ich das
erste Opfer des Krieges sein.« Auch die beiden andern senkten die Köpfe.
Der Alte und der Agitator trennten sich von dem stummen Ngoh. Sie nahmen
teil an dem Strahl der Gesichter, dem Händeschwingen, dem Promenieren,
Schlingern durch die Gänge. Scharren, taktmäßiges Trampeln, Kichern
durchdrang die gedämpfte Unruhe. In einen Seitengang war einer gesprungen,
erging sich in absonderlichen Grimassen, sich plusternd, den Kopf werfend.
Zwei andere pfauchten vor ihm: »Platz für den Tao-tai!« pufften nach vorn
und seitlich, immer in Sätzen auf die Nächststehenden zufahrend. Er trug
ein grobes Sacktuch statt eines Obergewands; auf dem glattrasierten Schädel
hatte er ein Stückchen Kürbis liegen, das den Mandarinenknopf vertrat.
Schnitt unheimliche Gesichter, schritt lächerlich großartig hinter seinen
Läufern her, setzte sich unversehens auf eine niedrige Holzbank, die er aus
einem Stapel herauszog, und ritt auf ihr Galopp, stieß schrille Rufe aus.
Eine Anzahl andere Männer suchten hinter ihm seinen Schritt nachzuahmen;
sie konnten aber vor Lachen nicht Haltung bewahren, torkelten; bis der
reitende Tao-tai sich auf seiner Bank umdrehte und mit einem Säbelhieb
einen von ihnen so zu sagen umbrachte. Die ganze Gesellschaft schüttelte
sich; auch der weise Alte war auf einen Prunkschrank gekrochen und grinste
herunter. Der Niedergeworfene faßte den Tao-tai bei den Schultern, schlug
auf ihn ein; die Nachbarn beteiligten sich vergnügt am Dreinschlagen; der
Reiter wehrte sich, kroch zur brüllenden Freude der Zuschauer unter seine
Bank, die sie umwarfen, ihn mit den Füßen stießen. Der Alte schrie von
seinem Schrank herunter; sie sollten ihn zur Wut bringen. Man zerteilte
sich langsam, als sich der Reiter aufrichtete und an der Wand vor sich
hinblickte; man klopfte ihm auf die Schulter. Die Vertrauensmänner der
Ausschüsse berieten in einer Ecke des dumpfen Speichers. Die Versammlung
schien aufgelöst. In Einzelgruppen wurden Reden gehalten. An die
Vorstandsgruppe im Saalwinkel liefen Männer, baten um Feststellung, wer
hier sei; welche Gilden vertreten seien, wer sprechen würde. Sie erhielten
zur Antwort, daß man warten müsse; es würde bald Bescheid ergehen. Das
»Wang-lun muß kommen« hatte sich der ganzen Gesellschaft mitgeteilt. Das
goldene Wort »Ming« tönte aus vielen Gruppen. Das Getöse nahm ab, als die
Vertrauensmänner mit Ngoh sich erhoben, sich durch die Gänge drängten, der
alte Lehrer auf die Leiter stieg. Der Ernst schlug durch. Der Alte sprach
wie ein Rechner. Wieder wurden die Anklagen gegen den Kaiser, die
Mandarine, die Soldaten auf die Versammlung losgelassen. Die Wahrhaft
Schwachen seien Vertreter, Kinder des Volkes; entstammten einer Bewegung,
die nur in einer Zeit der Unterdrückung möglich sei; das Unglück sei ihr
Schicksal. Und hier blühe die Weiße Wasserlilie. Der Schrecken der
Fremdherrschaft, die Niedrigkeit der Mandarinen vereinigte sie, und so
hätte auch das Komitee in Schan-tung geurteilt. Es sei beschlossen worden,
füreinander einzustehen, und den Beschluß des Poschan-Komitees anzunehmen.
Man müsse das Land von den Mandschus befreien und die lügnerischen,
betrügerischen Beamten ausrotten. »Die Mings!« riefen zwei, drei Stimmen
aus der Versammlung. Das Gesicht des Alten verklärte sich; ja, diese Zeit
der Mings müsse man wieder vorbereiten; wie die Wahrhaft Schwachen nach dem
Westlichen Paradiese suchten, so müßten die Freunde der Weißen Wasserlilie
und des Wang-lun gleichermaßen das Zeitalter der goldenen Mings erstreben.
Kummervoll bewegte er den Kopf: man würde noch warten müssen, bis Wang-lun
selbst käme, noch eine, zwei Wochen. Bis dahin könnte manches Unglück sich
ereignen. Aber ihnen verbliebe Ngoh, und es sei sicher, daß in Pe-king
selber Kaiserliche Truppen sich ihnen anschließen würden.
Die Gruppen gemauert. Der Alte war von der Leiter gestiegen. »Keine
Beschlüsse fassen?« scholl über ihn. Die Theaterlampen brannten noch. Die
Namen »Wang-lun« und »Ming« klingelten. Die Masse lockerte sich. Man schob
sich in Abteilungen durch die Türen, auf den grundlosen fließenden
Tempelhof, auf eine unbelebte Seitenstraße, auf den verregneten Park, der
zum Tempel gehörte. Manche blieben in dem Speicher, knallten Fenster auf,
rollten sich auf die weichen Ballen und schnarchten.
* * * * *
Wang lief nach einem kleinen Dorf bei Ho-kien, das fast nur seine Anhänger
und Freunde der Wasserlilie beherbergte. In einer knappen Woche stand er
mit achthundert leidlich gerüsteten Soldaten hinter dem Ort. Schwere
Erregungen, leidenschaftliche Auseinandersetzungen mit seinen Anhängern,
die sich an anderen Stellen wiederholten, waren der Einstellung Wahrhaft
Schwacher als Soldaten vorausgegangen. Die Verwandlung der friedlichsten
Menschen -- denn hier war man durch keinen Übergriff direkt gereizt worden
-- in eine Schar todspendender und todgewillter Krieger vollzog sich unter
Schmerzen. Ohne kaiserlichen Truppen zu begegnen, rückte Wang-lun auf
Ho-kien zu. Und vier Wochen, nachdem die Gelbe Glocke Ngoh aufgesucht
hatte, drei Wochen nach der Versammlung im Pfandhaus, warf sich Wang mit
seinen Soldaten gegen die Stadtmauern; Torwachen, Polizisten wurden
niedergemacht; die Besatzung der Regierungsarmeen erst eingeschlossen, dann
mit Pfeilschüssen über die Mauern gejagt; die Beamten mitleidlos der
Volkswut preisgegeben. Die große Stadt war schrankenlos Wang-lun
zugefallen. Die Menschen jubelten auf den Straßen. Wie eine klirrende Schar
Bestien waren Wang-luns Soldaten eingebrochen: bissig unter der
Vergewaltigung ihrer Seelen, jetzt wirklich rachedürstig. Der Sieg
bedeutete ihnen nichts; sie mußten fort und alles verrichten, zu nichts
weiter, um wieder ruhige Bettler, stille Handwerker und Arbeiter zu werden.
Chao-hoei konnte aufatmen; der Rauch verzog sich; die nackten, sägenden
Flammen brachen hervor.
Auf dem Hof des geschlossenen Magistratsjamens saßen am Morgen nach der
Einnahme der Stadt Wang-lun und Ngoh. Sie saßen in einem Holzverschlag, den
die Bittsteller aufzusuchen hatten. Das Treiben der Straßen rumorte,
Freudenschüsse, Gongschläge der Umzüge. Wang, im grauen, hängenden Kittel
ohne Gürtel, den breiten Strohteller auf dem Kopf, schlug die Beine
übereinander; seine Stimme hatte einen militärisch hellen, scharfen Klang
angenommen. Wenn er lachte, so ratterte und kolkste es brusttief wie das
Wiehern aus einem Pferd. Er blickte sicher, gerade, rechts, links,
forschend, kontrollierend und äußerte sich willkürlich, erweckte den
Eindruck, als ob er auf eine verdeckte Art befehle, entschiede, Aufklärung
gebe. Er betrachtete Ngoh gutmütig: »Bist du noch schlecht gelaunt von
damals da drüben?« Ngoh antwortete mit einem schwarzen Blick von unten,
strich sein einfaches Obergewand: »Gewesen, Wang.« -- »Ist auch recht,
Ngoh. Es war ein etwas kaltes Bad für mich, was du mir damals brachtest,
von Ma-noh. Hab's zuerst nicht gut vertragen.« Und dabei bellte er so laut,
frei, ungeniert, daß es Ngoh eben an das Gelächter Wangs mit der Dirne
unter dem Torweg erinnerte. »Holter polter den Berg runter, durch den
Schnee; mein Gelber Springer mitten dabei, vergnügt. Hätte mir
zwischendurch die Hand abgeschnitten. Ngoh, was waren das für Zeiten!«
»Mag sein, tolle Zeiten. Wang, ich habe mich wenig verändert seit den
tollen Zeiten.«
»Tausend Li Entfernung, Hia-ho, Kormoranjagden beruhigen. Was hast du?
Ngoh!«
»Trauer, Wang-lun.«
»Das seh ich.«
»Nun also.«
»Du machst mir Vorwürfe?«
»Nicht doch, Wang. Ich halte nicht Schritt mit der Zeit.«
»Meine Soldaten haben es besser verkniffen. Bogen in die Hand, Pfeile vor,
und es wird geschossen. Dazwischen nur der Gedanke: treffen! Wer einen
andern Gedanken hat, den kann ich nicht brauchen, der Mann ist mir zu gut.«
»Das Hia-ho hat dir wohlgetan; ich beneide dich.«
Wang federte hoch, er zog Ngoh an den Händen mit hoch: »Ngoh, aufgepaßt.
Aufgepaßt, überlegt und geantwortet. Wenn ich die Soldaten, meine Wahrhaft
Schwachen so verleite: Bogen anlegen, zielen, schießen und immer treffen,
habe ich recht damit oder unrecht? Gut überlegt, Ngoh.«