Theodor Fontane, der empfindungsreiche Dichter der Mark, besingt
Bismarck in folgenden Versen:
~Wo Bismarck liegen soll.~
Nicht in Dom oder Fürstengruft,
Er ruh’ in Gottes freier Luft
Draußen auf Berg und Halde,
Noch besser tief, tief im Walde.
Widukind lädt ihn zu sich ein:
»Ein Sachse war er, drum ist er mein;
Im ~Sachsenwald~ soll er begraben sein.«
Der Leib zerfällt, der ~Stein~ zerfällt,
Aber der Sachsenwald, der hält,
Und kommen nach dreitausend Jahren
Fremde hier des Weges gefahren
Und sehen, geborgen vorm Licht der Sonnen,
Den Waldgrund in Efeu tief eingesponnen,
Und staunen der Schönheit und jauchzen froh,
So gebietet einer: »Lärmt nicht so; —
~Hier unten liegt Bismarck irgendwo~.«
Und noch einmal hat der Tote zu uns gesprochen; aus den Fernen der
Ewigkeit drang seine Stimme zu uns herüber. Mit scheuer Ehrfurcht nahm
das deutsche Volk das letzte Vermächtnis entgegen, das Fürst Bismarck
in seinen »Gedanken und Erinnerungen« uns bot. Zum letztenmal vernahmen
wir hier seine Lehren, zum letztenmal seine Weisheit, die so oft, so
lange er unter uns weilte, in Treuen uns mahnte und schützte. Und
nach Jahrhunderten noch, und wenn unsere Zeit in weltfernes Vergessen
gehüllt sein wird, dann werden die Enkel ehrfürchtig und scheu in den
Büchern nachschlagen und werden forschend und flüsternd sagen: So hat
Bismarck gesprochen! Er hat nicht Geschichte geschrieben nach der Art
der Gelehrten; er hat nicht eine Darstellung gegeben, die objektiv die
Dinge ergründen soll. Sein Buch ist auch keine Verteidigungsschrift,
denn seine ~Taten~ verteidigen ihn. Wohl aber treten in seinem letzten
Werke die Leidenschaften zurück, die der Kampf erweckte; wie von der
Höhe herab, die einst der Prophet erstieg, schaut er hinter sich die
kampfdurchwühlten Gefilde, über denen milde die Abendsonne herabsinkt.
Vor ihm aber breitet sich ein anderes, weites Gefilde, und auch hier
drohen Gefahren und Kämpfe. Da hebt er warnend den Arm und zeigt uns
die Wege, die zu künftigem Heile führen. Es sind Worte eines Toten, die
zu uns dringen, und doch Worte eines ewig unter uns Lebenden, Worte der
Weisheit und Trauer, Worte der sorgenden Liebe. Sie sind ein Evangelium
für das deutsche Volk und für die Führer geworden, die das Schicksal
ihm aufruft. Und in der gewaltigen Krisis, die jetzt heraufzog, die
eine Welt von Feinden gegen das Deutschland bewaffnet, gleichen sie
einem leuchtenden Stern, der uns durch alle Fährnisse führt.
[Illustration: Es spukt! (»Jugend«, Oktober 1906)]