Das Heim, in dem Fürst Bismarck größtenteils den Abend seines
Lebens verbrachte, war überaus einfach und schlicht. Ein Schloß?
Eine Fürstenwohnung? Nein; das einfache Haus eines großen Menschen,
den die Eitelkeit der Welt nie besessen hat, der nur für seinen
gewaltigen Körper eine gute Küche, einen guten Keller und für
sein rastloses Gehirn einen geräumigen Arbeitstisch braucht.
»Es war mir«, erzählt Adolf Wilbrandt, »wunderbar ›preußisch‹
zumute, als ich durch das Haus ging, zuerst zu Lenbachs Zimmer
hinauf, dann nach unten zurück. Nichts von Prunk und Pracht,
nichts von ›Eleganz‹. An den Türen im ersten Stock sah ich noch
die Nummern, offenbar aus der Zeit, als dieses Haus ein Gasthof
am Sachsenwald war. Alles hell, die Türen, die Fenster, die
Wände; große, lichte Räume, von ruhigster Einfachheit, gutes,
warmes Obdach bei der ›Hundekälte‹, behaglich und weiter nichts.
So vornehm und schlicht stand dann auch die Hausfrau vor mir;
die ruhige, scheinlos-würdevolle Gestalt mit den klugen, milden,
menschenfreundlichen Augen; ein großer, unvergeßlicher Kopf, wie
vom Schicksal dazu bestellt, den Mann, der so hohe Wege ging, frei
von aller Eitelkeit und mit dem reinen, sachlichen Verstand eines
hingebenden Herzens zu begleiten.«
[Illustration: ~Stille Arbeit in Friedrichsruh~
Simson-Bismarck: »Et jeht nich! Entweder ist der Bau zu stark, oder
ich bin schon zu schwach. Na, wartet nur, bis mir die Haare wieder
nachgewachsen sind.« (»Der Floh«, Jan. 1897)]