Wo er ruhen wollte

Sidney Whitman erzählt: »Nach dem ›Lunch‹ fuhr der Fürst allein

mit seinem Gast durch den Sachsenwald, und zwar tief in denselben

auf einsamen Wegen hinein, um ihm soviel Wild wie möglich zeigen

zu können. Als der Kutscher sich dabei verirrt hatte und absteigen

mußte, um den Hauptweg wieder aufzusuchen, wandte Bismarck sich

plötzlich an Whitman, indem er auf zwei stattliche Fichten zeigte,

mit den Worten: ›Dort in der Luft zwischen jenen Bäumen möchte

ich meine letzte Ruhestätte finden, wo die frische Luft und das

Sonnenlicht noch zu mir dringen können. Der Gedanke, dort unten

in einem Kasten erstickt zu liegen, hat doch seine Schrecken.‹«

Von ähnlicher Stimmung erzählt ein anderer Gast: »Auf dem Heimweg

wurde er still und ließ dicht vor dem Herrenhaus halten. Er wies

mit der Krücke des Stockes auf einen Hügel gegenüber dem Hause,

das man töricht ein Schloß genannt hat, und sagte: ›Da, denke ich,

werde ich mich einmal mit meiner Frau begraben lassen. Ich hatte

auch an Schönhausen gedacht; aber hier ist’s wohl paßlicher, denn

in Schönhausen bin ich doch eigentlich schon lange ein Fremder.‹

Der Gast hatte zu schweigen. Abends, als die altfränkische Öllampe

freundlich brannte und die kränkelnde Fürstin auf ihrem Sofa, neben

Lenbachs Meisterbild des alten Kaisers, eingenickt war, schlug

der Sinnende wieder das Thema an, verarbeitete es nach seiner

Weise und schien sich in humoristischer Ausmalung des feierlichen

Lärmes, der nach seinem Tod losbrechen würde, nicht genug tun

zu können. Frau Johanna schrak auf und rief ganz ärgerlich:

›Aber, Ottochen, wie kannst du nur so traurige Sachen reden!‹

›Liebes Kind,‹ war die Antwort, ›gestorben muß einmal sein, trotz

Schweninger, und ich will wenigstens rechtzeitig dafür sorgen, daß

mit meinem Leichnam kein Unfug getrieben wird. Ich möchte nicht,

wie die Berliner sagen, eine schöne Leiche sein, und eine von der

bekannten Aufrichtigkeit, die heimlich ›Uff!‹ macht, inszenierte

Trauerkomödie, so zwischen Vogelwiese und Prozession, wäre so

ziemlich das einzige, was mich noch schrecken könnte.‹«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 322 / 334 题