Trinkfest

Bis in die letzten Jahre ist Fürst Bismarck ein recht trinkfester

Herr gewesen. Daß er schon in der Jugend einen vollen Pokal liebte,

davon hat er oft und gerne geplaudert. So redete man einmal von

Ärzten und der Art, wie die Natur sich zuweilen helfe. Er hatte

einmal bei einem hohen Herrn gejagt, und da »sei ihm um seinen

inneren Menschen recht schlecht gewesen. — Auch die zwei Tage Jagd

und die freie Luft halfen nicht. Da kam ich den Tag darauf zu

den Kürassieren in Brandenburg, die einen neuen Becher bekommen

hatten. Ich sollte daraus trinken und ihn einweihen, dann sollte

er herumgehen. Es war etwa eine Flasche drin. Ich aber hielt

eine Rede und trank und setzte ihn leer wieder hin, was sie sehr

verwunderte, da man den Leuten von der Feder nicht viel zutraut.

Es war aber noch Göttinger Übung. — Merkwürdiger- oder vielleicht

nicht merkwürdigerweise war mir darauf vier Wochen lang so wohl

um den Magen wie nie. Ich versuchte es später, mich ebenso zu

kurieren, aber niemals mit so erfreulichem Erfolge. — Da erinnere

ich mich auch einmal, bei der Letzlinger Jagd unter Friedrich

Wilhelm =IV.=, da sollte ein Vexierbecher aus der Zeit Friedrich

Wilhelms =I.= getrunken werden. Es war ein Hirschgeweih, welches so

gemacht war, daß man die Höhlung, in die etwa drei Viertel einer

Flasche gingen, nicht an die Lippen setzen konnte, während man doch

nichts verschütten sollte. Ich nahm es und trank es aus, obwohl

es sehr kalter Champagner war, und meine weiße Weste zeigte nicht

einen verschütteten Tropfen. Die Gesellschaft machte große Augen,

ich aber sagte: ›Noch einen!‹ — Der König aber, den es offenbar

ärgerte, daß ich’s so gut gemacht hatte, rief: ›Nein, das geschieht

nicht!‹, und so mußte es unterbleiben. — Früher waren solche

Kunststücke notwendiges Erfordernis zum diplomatischen Gewerbe. Da

tranken sie die Schwachen unter den Tisch, fragten sie aus nach

allerlei Dingen, die sie wissen wollten, und ließen sie in Sachen

willigen, zu welchen sie keine Vollmacht hatten. Sie mußten auch

gleich unterschreiben, und wenn sie dann nüchtern wurden, wußten

sie nicht, wie sie dazu gekommen waren.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 308 / 334 题