Schon im Juli 1890 konnte Fürst Bismarck sagen: »Ja, mir gibt man
beim Leben die Ehren des Todes. Mich begräbt man wie Marlborough.
Man wünscht nicht bloß, daß Marlborough nicht wiederkehre, sondern
man wünscht, daß er wirklich sterben möge oder wenigstens auf den
Rest seiner Tage schweige. Mit meiner Lage söhne ich mich aus.
Alles hat sich in so legalen Formen vollzogen, daß ich auch gar
nicht daran denken kann, zu protestieren. Wenn ich frühmorgens
inmitten dieser Natur aufwache, so fühle ich sogar eine große
Freude darin, daß keine Verantwortlichkeit auf mir liegt; man fühlt
sich frei, unabhängig, so wie ein rechtschaffener Landedelmann
sein soll. Aber zugleich damit kann ich nicht vergessen, daß ich
mich 40 Jahre mit der Politik beschäftigt habe — und auf einmal
darauf verzichten, ist unmöglich. In der Tat hilft man mir darin
eifrig — und niemand von meinen Gefährten in der Politik, niemand
von meinen zahlreichen Bekannten führt mich durch seine Besuche
in Versuchung. Man ruft mir ›Halt!‹ zu, mich meidet man wie einen
Pestkranken, indem man sich fürchtet, sich durch einen Besuch
bei mir zu kompromittieren, und nur meine Frau besuchen noch von
Zeit zu Zeit ihre Bekanntinnen. Deshalb bin ich immer erfreut
über die Repräsentanten der Presse, welche sich für Fragen der
Politik interessieren, und mit welchen ich über Dinge sprechen
kann, die fortfahren, mich zu beschäftigen. Aber auch das ruft
Unzufriedenheit hervor. Man kann mir nicht verbieten, zu denken,
aber man möchte mich gerne hindern, meinen Gedanken Worte zu geben,
und wenn es möglich wäre, hätte man mir längst ein =silence cap=,
einen Maulkorb, angelegt.«