Am 1. April des Trauerjahres hat der »Kladderadatsch« an den
Fürsten Bismarck folgendes Abschiedsgedicht gerichtet:
Wenn einsam heut im Sachsenwald du dich ergehst,
So lässest die Gedanken rückwärts wandern du
In alte Zeit. Der Jugend stürmische Tage ziehn
Vorüber dir, da kühne Pläne schon du trugst
Im hohen Sinn, erwägend, wie das Vaterland
Zu retten sei aus schimpflicher Ohnmacht schwerem Bann.
Und weiter denkst du, wie begonnen du das Werk,
Und wie gefügt mit starker Hand du Stein zu Stein,
Bis endlich stand vollendet da der Riesenbau,
Die Welt mit Staunen füllend und Bewunderung.
Wenn also rückwärts schauend heute du erwägst,
Was du vollbracht, dich weihend ganz dem Vaterland,
Darfst sagen du: »Noch größer ist’s und herrlicher,
Als ich in kühnem Jugendmut dereinst geträumt!«
Heil dir, o Fürst! So lange auf dem Erdenrund
Noch Deutsche wohnen, wird die stolze Kunde nicht
Von dem ersterben, was du für dein Volk getan.
Von langer Arbeit ruhe nun in Frieden aus!
Was in vergangenen Tagen oftmals du ersehnt,
Beschieden ist es jetzo dir: auf eignem Grund
Als schlichter Gutsherr sitzest du. Du siehst, wie sich
Dein Wald mit frischem Laube schmückt im jungen Lenz;
Durch deine Felder schreitest täglich du und siehst
Die reichen Saaten fröhlich wachsen und gedeihen;
Und wenn im Herbst die Schnitter sich beim Erntefest
Im Tanze mit den drallen Mägden drehn, so trittst
Du unter sie, von lautem Jubelruf begrüßt,
Und fühlst als Herr in deinem kleinen Reiche dich
Beglückter, als gewesen du zur Zeit, da noch
Gespannt Europas Völker deinem Wort gelauscht.
Doch ob du auch geflüchtet vor der Hauptstadt Lärm
Dich in die Stille deiner Wälder, nimmermehr
Magst du entfliehn der Liebe und der Dankbarkeit.
In alter Treue denken dein unzählige,
Und heut erbraust durchs ganze Reich der laute Ruf:
Heil dir, o Fürst! Beschieden sei dir’s lange noch,
Mit rüst’gem Schritt im Sachsenwald dich zu ergehn.
Und oftmals magst du feiern noch den frohen Tag,
Der uns den besten Deutschen hat dereinst geschenkt!
[Illustration: ~Abschied~
Der Reichskanzler legt alle seine Ämter nieder, gibt alle seine
Insignien zurück und begibt sich in die wohlverdiente »Friedrichsruh«.
(»Kladderadatsch«, März 1890)]