Kein Gedanke daran

»Als der Gesundheitszustand Wilhelms =I.= im Jahre 1885 Anlaß zu

ernsten Besorgnissen gab, berief der Kronprinz mich nach Potsdam

und fragte, ob ich im Falle eines Thronwechsels im Dienst bleiben

würde. Ich erklärte mich dazu unter zwei Bedingungen bereit:

keine Parlamentsregierung und keine auswärtigen Einflüsse in

der Politik. Der Kronprinz erwiderte mit einer entsprechenden

Handbewegung: ›Kein Gedanke daran!‹ Bei seiner Frau Gemahlin

konnte ich nicht dasselbe Wohlwollen für mich voraussetzen; ihre

natürliche und angeborene Sympathie für ihre Heimat hatte sich

von Hause aus gekennzeichnet in dem Bestreben, das Gewicht des

preußisch-deutschen Einflusses in europäischen Gruppierungen in die

Wagschale ihres Vaterlandes, als welches sie England zu betrachten

niemals aufgehört hat, hinüberzuschieben und im Bewußtsein der

Interessenverschiedenheit der beiden asiatischen Hauptmächte,

England und Rußland, bei eintretendem Bruche die deutsche Macht im

Sinne Englands verwendet zu sehen. Dieser auf der Verschiedenheit

der Nationalität beruhende Dissens hat in der orientalischen Frage,

mit Einschluß der Battenbergischen, manche Erörterung zwischen

Ihrer Kaiserlichen Hoheit und mir veranlaßt. Ihr Einfluß auf

ihren Gemahl war zu allen Zeiten groß und wurde stärker mit den

Jahren, um zu kulminieren in der Zeit, wo er Kaiser war. Aber auch

bei ihr bestand die Überzeugung, daß meine Beibehaltung bei dem

Thronwechsel im Interesse der Dynastie liege.«

Zu dem Verfasser hat Fürst Bismarck sich über das Kaiserpaar mehrfach

geäußert:

[Illustration: Geffckens Veröffentlichungen aus dem Tagebuch Kaiser

Friedrichs als Steinwurf gegen Bismarcks Haupt. (»La Charge«, 7.

Oktober 1888)]

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 287 / 334 题