Hundegeschichten

Vielfach war da der »Reichshund«, der natürlich seine

Persönlichkeit mehrfach gewechselt hat, der Gegenstand

anekdotischer Erzählungen. So erzählte Bismarck, als das Gespräch

auf die Intelligenz der Hunde kam, wie einmal, als er durch seinen

Garten ging, um ihn durch das nach der Königgrätzer Straße führende

Tor zu verlassen, unvermutet mitten im Garten der Reichshund

auf ihn zugesprungen sei, in der Absicht, ihn zu begleiten. Bei

dem Gartentor habe sich der Hund dicht an die Öffnung gedrängt,

um womöglich noch vor seinem Herrn das Freie zu gewinnen.

Zurücktreiben habe er sich nicht lassen. Da habe er, Bismarck,

nur die Worte gesagt: »In den Reichstag«, worauf der Hund den

Schweif eingezogen und schleunigst nach Hause gerannt sei. Bismarck

erzählte die Geschichte, umgeben von einer Korona von Mitgliedern

des Bundesrats und des Reichstags, von welch letzteren der

fortschrittliche Vizepräsident Professor Hänel aus Kiel unmittelbar

in der Nähe des Kanzlers stand. Man kann sich sein Gesicht denken

und das Gelächter der übrigen Anwesenden, in das Bismarck herzlich

einstimmte.

Vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 befand sich

Kaiser Alexander =II.= von Rußland bei unserem König in Ems. Die

beiden Monarchen mit großem Gefolge waren eines Abends beisammen.

Am entgegengesetzten Ende des Saales stand Graf Bismarck und

beobachtete den Zaren in sorgenvoller Erwägung, wie schwer es ins

Gewicht falle, welche mehr oder minder freundliche Haltung Rußland

gegenüber unserer Politik einnähme. Da erhob sich der große Hund

des Kaisers, der unter seinem Stuhl gelegen, und durchwanderte den

Saal; von einem Souverän würde man gesagt haben: »er macht Cercle«.

Der Hund blieb vor Bismarck stehen, schaute zu ihm empor, wedelte

zutunlich und leckte die vorgestreckte Hand des Grafen. In diesem

Augenblick ertönte durch den ganzen Saal die Stimme des russischen

Kaisers, der den Bewegungen seines Hundes offenbar gefolgt war, zu

Bismarck herüber: »Da sehen Sie, daß der Hund die Freunde seines

Herrn kennt.« Bismarck schloß seine denkwürdige Mitteilung mit den

Worten: »Ich fühlte mich erleichtert. Das war ein geschichtlicher

Moment für unsere Politik.«

[Illustration:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 261 / 334 题