Hammelbraten

»Ich will eines Tages«, erzählte der Fürst, »gegen den Grunewald

zu in die Umgebung Berlins und sah mich plötzlich gegenüber einer

Herde Schafe, deren gutes Aussehen mich bestimmte, haltzumachen

und mich nach dem Züchter zu erkundigen. Ich erfuhr, daß die

Herde einem Berliner Stadtrat gehörte, fragte dann, ob ich einen

Hammel kaufen könne, und schloß, da der Schäfer die Frage bejahte,

das Geschäft alsbald ab. Wenige Tage später stand der Hammel bei

Gelegenheit eines diplomatischen Diners auf meiner Tafel. Ich hatte

meiner Frau erzählt, wie ich in den Besitz des Tieres gekommen war,

und von ihr muß die Kunde in die Küche gedrungen sein. Genug, der

Gang war auf der Speisenkarte verzeichnet als ›=Southown Battard à

la Municipal=‹. Es dauerte nicht lange und ich besuchte ein Diner

bei dem russischen Botschafter und fand auf dem Menü zu meiner

großen Überraschung als Braten ›=Southown Battard à la Municipal=‹.

Ich konnte mich eines Lächelns nicht enthalten und erfuhr später,

der Koch des russischen Botschafters habe sich das Menü meines

Diners zu verschaffen gewußt und schlankweg, ohne den Zusammenhang

zu ahnen, die auf meiner Karte stehende Bezeichnung auch für sein

Hammelbraten-Gericht gewählt.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 259 / 334 题