Der bekannte liebenswürdige Abgeordnete aus Bayern erzählte gern
beide folgenden Scherze von Bismarcks parlamentarischen Abenden:
»Die dem Reichskanzler Gegenübersitzenden unterhielten sich über
den ›Reichshund‹, der neben seinem Gebieter ausgestreckt dalag.
Man sprach über die Schönheit des Tieres und seine sonstigen
trefflichen Eigenschaften, endlich auch über seine Vorgänger.
Einer der an der Unterhaltung Beteiligten behauptete, daß Bismarck
schon mehrere Hunde dieser Rasse gehabt habe, und um darüber
genauen Bescheid zu erhalten, wendete er sich mit seiner Frage
unmittelbar an den Reichskanzler. Da er glaubte, daß Bismarck den
vorhergehenden Teil des Gesprächs mitangehört habe, wies er mit
einer Handbewegung auf dessen Hund hin und sagte: ›Durchlaucht
gestatten die Frage, der wievielte von dieser Sorte ist dies
schon?‹ Durchlaucht aber hatte von dem vorausgehenden Gespräch
nichts gehört, verstand Handbewegung und Frage falsch und
erwiderte, indem er nach dem Bierglase griff und dessen Inhalt mit
wohlgefälligem Schmunzeln prüfte: ›Dies ist heute mein achter, aber
gestern habe ich zwölf Schoppen getrunken und es hat mir auch nicht
geschadet.‹ Ein andermal wollte das Champagnertrinken gar nicht
aufhören, oder, richtiger ausgedrückt, das Bier wollte ewig nicht
kommen, während es sonst immer ziemlich bald aufgetragen wurde.
Meine Nachbarn und ich hatten einen Heidendurst nach Bier, und
endlich wurde ich auserkoren, unser Verlangen beim Reichskanzler
anzubringen. Ich begab mich auch sogleich zu ihm, und sobald ich,
ohne zu stören, mich mit einer Frage an ihn wenden konnte, fragte
ich, ob ich ihm ein Rätsel aufgeben dürfe. Lachend bejahte er
und fügte hinzu: ›Es wird wahrscheinlich wieder eins sein, das
nicht herauszubringen ist.‹ Ich fragte ihn nun, was das Beste am
Champagner sei? ›Na, sehen Sie, lieber Doktor, da steckt wieder was
dahinter. Ich weiß zwar viele gute Eigenschaften des Champagners,
aber das weiß ich auch, daß ich die nicht errate, die Sie im Auge
haben. Also geben Sie gleich selbst die Lösung.‹ So sagte ich
denn: ›Das Beste am Champagner, Durchlaucht, ist, daß das Bier so
gut darauf schmeckt!‹ Und es dauerte keine fünf Minuten, da saßen
wir alle beim trefflichen Münchener ›Stoff‹, den Bismarck hatte
unverweilt anzapfen lassen.«