Die Wahlen ergaben eine klerikal-konservative Mehrheit, eine starke
Verminderung aller Liberalen und geringe Verluste der Sozialisten.
Damit war die Machtstellung, deren sich die Nationalliberalen seit der
Begründung des Reiches erfreut hatten, für lange Zeit durchbrochen.
Ihr Rückgang ist zum großen Teil auf eine Art von parteipolitischem
Doktrinarismus zurückzuführen, wie er namentlich während der
Verhandlung des Kanzlers mit Herrn von Bennigsen hervorgetreten war.
Man hatte es überdies versäumt, dem Fürsten Bismarck in dem Kampfe
mit den Konservativen einen starken Rückhalt zu schaffen. Allzu
stark war eben der Einfluß Laskers in der Partei gewesen. Weil aber
Bennigsen Freunde dieses Mannes, Vertreter des linken Flügels, die
später durch die Sezession selbst die Brücke zum Fortschritt schlugen,
als Minister empfahl und seinen eigenen Entschluß von ihrem Eintritt
abhängig machte, weil er also dem gesamten Ministerium eine liberale
Färbung geben wollte, deshalb mißlang der Versuch, und der Niedergang
des Liberalismus begann. Allerdings hat die letzte Entscheidung die
unüberwindliche Abneigung des Kaisers gegen die Liberalen gebracht.
Die Haltung der Nationalliberalen mochte vielleicht halb bewußt, halb
unbewußt beeinflußt worden sein durch den Glauben, daß Bismarcks
Stellung schwankend sei. War es doch in jener Zeit zu einer schweren
Krisis gekommen, die sich an den Namen des Generals von Stosch
anknüpfte und die, als der Kaiser Bismarcks Verlangen, diesen Mann,
der an der Spitze der Marine stand, zu entlassen, abgelehnt hatte, den
Kanzler zur Ankündigung seines Rücktritts trieb. Auch hier führte er
den letzten Anstoß auf die Politiker im Unterrock, auf französische
Verbindungen, auf den Einfluß der Kaplanokratie zurück. In überaus
scharfen Artikeln, die in den »Grenzboten« unter dem Zeichen eines
Kometen erschienen, hat sich Bismarck gegen diese Strömung gewandt.
[Illustration: ~Bismarck als Frosch~
»Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank.« (»Berliner Wespen«, April
1874)]