Bismarck um Italien werbend. (»Der Floh«, Oktober 1877)]

Die Wahlen ergaben eine klerikal-konservative Mehrheit, eine starke

Verminderung aller Liberalen und geringe Verluste der Sozialisten.

Damit war die Machtstellung, deren sich die Nationalliberalen seit der

Begründung des Reiches erfreut hatten, für lange Zeit durchbrochen.

Ihr Rückgang ist zum großen Teil auf eine Art von parteipolitischem

Doktrinarismus zurückzuführen, wie er namentlich während der

Verhandlung des Kanzlers mit Herrn von Bennigsen hervorgetreten war.

Man hatte es überdies versäumt, dem Fürsten Bismarck in dem Kampfe

mit den Konservativen einen starken Rückhalt zu schaffen. Allzu

stark war eben der Einfluß Laskers in der Partei gewesen. Weil aber

Bennigsen Freunde dieses Mannes, Vertreter des linken Flügels, die

später durch die Sezession selbst die Brücke zum Fortschritt schlugen,

als Minister empfahl und seinen eigenen Entschluß von ihrem Eintritt

abhängig machte, weil er also dem gesamten Ministerium eine liberale

Färbung geben wollte, deshalb mißlang der Versuch, und der Niedergang

des Liberalismus begann. Allerdings hat die letzte Entscheidung die

unüberwindliche Abneigung des Kaisers gegen die Liberalen gebracht.

Die Haltung der Nationalliberalen mochte vielleicht halb bewußt, halb

unbewußt beeinflußt worden sein durch den Glauben, daß Bismarcks

Stellung schwankend sei. War es doch in jener Zeit zu einer schweren

Krisis gekommen, die sich an den Namen des Generals von Stosch

anknüpfte und die, als der Kaiser Bismarcks Verlangen, diesen Mann,

der an der Spitze der Marine stand, zu entlassen, abgelehnt hatte, den

Kanzler zur Ankündigung seines Rücktritts trieb. Auch hier führte er

den letzten Anstoß auf die Politiker im Unterrock, auf französische

Verbindungen, auf den Einfluß der Kaplanokratie zurück. In überaus

scharfen Artikeln, die in den »Grenzboten« unter dem Zeichen eines

Kometen erschienen, hat sich Bismarck gegen diese Strömung gewandt.

[Illustration: ~Bismarck als Frosch~

»Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank.« (»Berliner Wespen«, April

1874)]

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 242 / 334 题