Die Konservativen haben damals sogar durch die Waffen des Gebetes
auf Bismarck einzuwirken gesucht. So schrieb noch vor der Annahme
der Maigesetze der alte Oberpräsident Senfft von Pilsach an
ihn, er solle sich ermannen, denn wenn er Gottes Mahnungen zur
Buße beharrlich widerstrebe, so werde er ohne Zweifel seinem
Gerichte verfallen. Bismarck antwortete mit der Versicherung,
daß das Interesse, welches der alte Herr an seinem geistigen und
geistlichen Leben nehme, durchaus auf Gegenseitigkeit beruhe: Aber
ich hätte gern die Gewißheit darüber, daß Ihre mahnende Stimme
auch den Ihnen nahestehenden Gegnern Seiner Majestät des Königs
nicht vorenthalten werde, welchen die Demut unseres Erlösers so
fremd geworden ist, daß sie im zornigen Dünkel eigener Weisheit
und in heidnischer Priesterherrschaft es als ihre Aufgabe
ansehen, das Land und die Kirche zu meistern und die Grundlagen
beider zum Vorteil ausländischer und dem Evangelium feindlicher
Gewalten tatsächlich zu erschüttern. Ich bitte Ew. Exzellenz,
sich Ihrerseits vorzusehen, daß Sie dem Gericht Gottes nicht eben
durch die Überhebung Ihrer an mich gerichteten Warnung verfallen.
Ich empfehle Ihnen, den 4. und 5. Vers des 12. Psalms zu lesen —
»Der Herr wolle ausrotten alle Heuchelei und die Zunge, die da
stolz redet, die da sagen: Unsere Zunge soll überhand nehmen,
uns gebühret zu reden; wer ist unser Herr?« — und will mich im
Vertrauen auf den Schluß des 3. Psalms an diesen halten — »Ich
fürchte mich nicht vor viel hundert Tausenden, die sich umher wider
mich legen. Auf, Herr, und hilf mir, mein Gott; denn du schlägst
alle meine Feinde auf den Backen und zerschmetterst der Gottlosen
Zähne. Bei dem Herrn findet man Hilfe.«
Es ist vielleicht das dunkelste Blatt in der Geschichte des politischen
Konservativismus, daß aus seinen Reihen Männer erstanden, die selbst
vor dem Versuche nicht zurückschreckten, den Namen des Fürsten Bismarck
mit jenen wüsten Spekulationen und Börsenmanövern in Verbindung
zu bringen, die der Segen der fünf Milliarden nach Deutschland
verpflanzte. Die Reichstagswahlen vom Januar 1874 haben dann die
konservativen Gegner Bismarcks fast vollständig hinweggefegt.
In jene Zeit fallen auch die ersten Zeichen jener inneren Verständigung
mit Italien, die später zu dem engen Zusammenschluß der beiden
mitteleuropäischen Kaiserreiche mit diesem Staate führen sollten.
Viktor Emanuel ist damals persönlich nach Berlin gekommen, und in
langen vertraulichen Gesprächen mit dem Fürsten Bismarck hatte er den
Anschluß seines Landes an die nordischen Mächte vorzubereiten gesucht.