Vielleicht ein unbrauchbarer General

»Ich habe jederzeit bedauert, daß es mir nach dem Willen meiner

Eltern nicht erlaubt war, lieber vor der Front als hinter dem

Schreibtisch meine Anhänglichkeit an das angestammte Königshaus und

meine Begeisterung für die Größe und den Ruhm des Vaterlandes zu

betätigen. Auch heute, nachdem Eure Majestät mich zu den höchsten

staatsmännischen Ehren erhoben hat, vermag ich das Bedauern,

ähnliche Stufen nicht als Soldat mir erstritten zu haben, nicht

ganz zu unterdrücken. Verzeihen Eure Majestät am heiligen Abend

einem Manne, der gewohnt ist, an christlichen Gedenktagen auf

seine Vergangenheit zu blicken, diese Aussprache persönlicher

Empfindungen. Ich wäre vielleicht ein unbrauchbarer General

geworden, aber nach meiner eigenen Neigung hätte ich lieber

Schlachten für Eure Majestät gewonnen, wie die Generale, die das

Denkmal zieren, als diplomatische Kampagnen. Nach Gottes Willen

und nach Eurer Majestät Gnade habe ich die Aussicht, in Schrift

und Erz genannt zu werden, wenn die Nachwelt die Erinnerung an

Eurer Majestät glorreiche Regierung verewigt. Aber die herzliche

Anhänglichkeit, die ich, unabhängig von der Treue jedes ehrlichen

Edelmannes für seinen Landesherrn, für Eurer Majestät Person

fühle, der Schmerz und die Sorge, die ich darüber empfinde, daß

ich Eurer Majestät nicht immer nach Wunsch dienen kann, werden in

keinem Denkmal Ausdruck finden können; und doch ist es nur dieses

persönliche Gefühl in letzter Instanz, welches die Diener ihrem

Monarchen, die Soldaten ihrem Führer, auf Wegen, wie Friedrich

=II.= und Eure Majestät nach Gottes Ratschluß gegangen sind, in

rücksichtsloser Hingebung nachzieht. Meine Arbeitskraft entspricht

nicht mehr meinem Willen, aber der Wille wird bis zum letzten Atem

Eurer Majestät gehören. v. Bismarck.«

Schon jetzt trat ein Mann in den Vordergrund mit einem Namen, der bald

recht oft und recht wenig rühmlich hervortreten sollte: Graf Harry

von Arnim. Er stand mit allen dem Kanzler feindlichen Elementen in

Verbindung, und gerade jetzt drängte er sich an ihre Spitze in der

Hoffnung, sein Nachfolger zu werden.

[Illustration: ~Fürstbischof Förster, der Gepfändete, und die Hydra~

Fürstbischof Förster von Breslau war wegen Vergehens gegen die

Maigesetze mehrfach gepfändet, zu Geldstrafen verurteilt und der

Temporalien beraubt worden. (»Kikeriki« Januar, 1874)]

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 227 / 334 题