Nach der Rückkehr zur Heimat harrten des Kanzlers zahllose neue
Arbeiten. Zuerst griff er im Reichstag in die Debatte über den
Reichskriegschatz ein; eingehend begründete er seine Auffassung über
die Stellung der Botschafter und Gesandten; die Münzfrage fand in ihm
einen beredten Anwalt. Aber was war alles dies gegen die Kämpfe, die
seiner im preußischen Landtag harrten! Die Bischöfe hatten in Fulda
mobil gemacht, sie hatten die katholische Kirche in Preußen als recht-
und schutzlos bezeichnet und vom Könige Abhilfe gefordert gegen allen
und jeden Eingriff in das innere Glaubensgebiet der katholischen
Kirche. Zugleich hatten sie den Kampf gegen alle Katholiken begonnen,
die sich dem Dogma von der Unfehlbarkeit nicht fügten. In diesem Kampfe
trat =Dr.= Falck als Kultusminister an Bismarcks Seite. Dieser Mann hat
tatsächlich die Detailarbeit der Maigesetze geleistet. Er hat durch
Jahre entschlossen den Kampf geführt, bis er schließlich der Fülle
der Einflüsse erlag, die durch die katholische Umgebung der Kaiserin
Augusta genährt und von seinen Gegnern skrupellos ausgenutzt wurden.
Hier hat Bismarck nur die oberste Leitung geführt; hier hat er aber
auch mit einer Fülle von großen Bildern und Gedanken den scheinbar
kleinlichen Kampf zu weltgeschichtlicher Höhe erhoben. Am 8. Februar
bereits, bei der Debatte über die Schulaufsicht, stürzte er sich in
das Getümmel. Und schon damals kreuzte er mit dem verbissensten seiner
Gegner, mit Windthorst, die Klinge: »Der Herr Abgeordnete beteiligt
sich viel an den Debatten, aber das Öl seiner Worte ist nicht von der
Sorte, die Wunden heilt, sondern von der, die Flammen nährt, Flammen
des Zornes. Ich habe selten gehört, daß er zu überreden oder zu
versöhnen bemüht war; seine Reden waren von der Beschaffenheit, daß
sie einen beunruhigenden und befremdlichen Eindruck auf die Gemüter
weniger urteilsfähiger Leute machen können, den Eindruck, als ob hier
auch von der Regierung des Königs aus dem Hause Hohenzollern Dinge
bestritten und bekämpft würden, die ganz selbstverständlich sind.
Denjenigen, welche die Reden lesen, könnte es sehr wohl den Eindruck
machen, als sei dieses Gesetz nun wirklich bestimmt, das Heidentum bei
uns einzuführen, als seien der Herr Abgeordnete und die Seinigen hier
noch die alleinigen Verteidiger Gottes. Der Gott, an den ich glaube,
möge mich davor bewahren, daß der Herr Abgeordnete für Meppen je die
Disposition über die Spendung seiner Gnaden für mich haben sollte. Ich
würde dabei nicht gut wegkommen.«