Er trat mir einen Sporen ab

Die »Volkszeitung« brachte in diesen Tagen folgendes Schreiben:

»Um bei Seiner Durchlaucht dem Fürsten Bismarck eine Audienz zu

erlangen, wollte ich mir die Erlaubnis bei demselben einholen,

als er gerade vorüberging. Kaum hatte ich aber den Fürsten

angesprochen, als zwei geheime Polizeiagenten mich bei den

Armen anfaßten und arretieren wollten. Auf meinen Protest und

entschiedene Erklärung, daß ich mit Zivilpersonen nicht zu gehen

brauche und auch nichts verbrochen habe, wurde ich doch durch die

Straßen geschleppt auf das Polizeibureau der Taubenstraße; von

da ging ich mit einem Schutzmann nach dem Molkenmarkte, wo ich

die ganze Nacht in Polizeigewahrsam gehalten und anderen Tages

um elf Uhr mit der Erklärung entlassen wurde, daß die Verhaftung

wohl aus Mißverständnis geschehen sein muß. Ich überlasse jedoch

das ganze Verfahren dem Urteil des Publikums. H. L. Back.« Hierzu

gab Fürst Bismarck seinem getreuen Busch folgenden Kommentar:

»Ein ungewöhnlich schmieriger Mensch, offenbar ein Jude, kam, als

ich aus dem Reichstag nach Hause ging, auf mich zu und sagte, er

wollte Audienz bei mir. Ich wies ihn ab. Er blieb aber neben mir

und redete weiter auf mich hinein, ich würde doch einem deutschen

Schriftsteller so was nicht abschlagen; er hätte mir Wichtiges

mitzuteilen. Doch,« sagte ich, »ich gebe deutschen Schriftstellern

niemals Audienzen. Er folgte mir aber mit der fliegenhaften

beharrlichen Zudringlichkeit und Dummdreistigkeit des Judenjungen

immer noch und rückte mir, indem er weiter sprach, so dicht auf den

Leib, daß er mir einen Sporen abtrat. Ich drehte mich um und wollte

tätlich werden; dann nahmen ihn die Schutzleute in Empfang. Er war

wirklich ungewöhnlich schmierig, so voll Kneipenfett, wenn das

einer mit sich abgeschabt hat.«

[Illustration: ~Der Helfer in der Not~

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 221 / 334 题