»Wenn ein Monarch, an Jahren und an Ehren reich, mit dieser
Entschlossenheit seine nach irdischem Maßstab bemessen glückliche,
befriedigte, ruhmvolle Existenz einsetzt für sein Volk, wenn er
in seinem hohen Alter einen Kampf durchkämpft, der ganz anders
verlaufen konnte, wenn er dann zurückkehrt und sich fragt: wem
verdanke ich, daß ich siegreich zurückkehre, daß unser Volk
geschützt worden ist vor den Leiden und Drangsalen des Krieges im
Lande, vor dem Druck des Eroberers, ja daß darüber hinaus Gott
seinen Segen gegeben hat, das deutsche Volk in diesem Kriege,
wo man es böse mit uns vorhatte, und es gut wurde durch Gottes
Hilfe, zu einigen und ihm Kaiser und Reich wiederzugeben? Ich
sage, wenn dieser erste Deutsche Kaiser zurückkehrt, nach einem
langen Interregnum im Besitze der größten Vollgewalt, der größten
Macht, die augenblicklich in der Welt dasteht, und sich fragt:
wie, durch welche Werkzeuge hat Gott dies alles verwirklicht? wie
habe ich dies gewonnen? wem bin ich Dank schuldig?, so trifft sein
Dank natürlich zuerst sein Heer, die Tapferkeit der Truppen, die
Intelligenz der Führer, und es muß ihm ein Herzensbedürfnis sein,
hier zu lohnen, hier zu danken. Tapferkeit, meine Herren, läßt sich
im einzelnen nicht belohnen; sie ist Gott sei Dank ein Gemeingut
der deutschen Soldaten, daß man sie alle und jeden einzelnen dafür
zu belohnen hätte, wenn man sie belohnen wollte. (Beifall.) Aber
die Tapferkeit, meine Herren, allein reicht nicht hin zu diesem
Erfolge. Mut haben auch die Franzosen bewiesen, tapfer haben auch
die französischen Soldaten sich geschlagen; was ihnen fehlte, war
die Führung, war die Pflichttreue und die Einsicht der Führer, war
die entschlossene Leitung eines kaiserlichen, eines monarchischen
Feldherrn, der in voller Verantwortung und sich bewußt, daß er
um Krone und Reich schlug, an ihrer Spitze stand. Jene Führer zu
belohnen, muß ein Herzensbedürfnis des Kaisers sein. In diesem
Sinne möchte ich bitten, meine Herren, denken Sie daran, dieses
Herzensbedürfnis Seiner Majestät des Kaisers zu befriedigen, geben
Sie ihm die Zufriedenheit, die er durch seine Hingabe, durch seinen
Mut um Deutschland wohl verdient hat.«
[Illustration: Bismarck weist dänische Ansprüche zurück. (»Figaro«,
Oktober 1874)]