Über die etwas bestrittene Frage berichtet Graf Fred Frankenberg:
»Mit dem sechsten (schlesischen) Armeekorps hielt ich meinen Einzug
in Paris durch die =Grande Avenue de Neuilly= oder =de la grande
armée=. Plötzlich kam Graf Bismarck in gelber Kürassieruniform
angetrabt. Als er mich freundlich grüßte, konnte ich es mir
nicht versagen, dem Manne, den ich über alles verehre, zu sagen:
›Exzellenz, am Abend von Königgrätz haben Sie mir die Rechte
geschüttelt, lassen Sie mich in dem Tore von Paris auch wieder Ihre
Hand drücken!‹ Der Kanzler antwortete kein Wort, aber er preßte
meine Hand so kräftig zwischen seine mächtigen Finger, daß ich
seine innere Erregung sehr deutlich und fast schmerzlich verspürte.
Am Rande des Weges stand gedrängt französisches Gesindel. Bismarck
ritt dicht an dieser Bande entlang, und ich bemerkte, daß er sehr
wohl erkannt wurde. ›=Voilà Bismarck, c’est lui!=‹ schrie manche
Stimme, und ich sah viele Blusenmänner, die, so rasch es anging,
voranliefen, um den gehaßten Gegner nochmals vorbeireiten zu sehen.
Mir wurde bange um ihn. Ich drängte mein Pferd möglichst zwischen
ihn und die Menge und paßte genau auf, ob nicht ein Revolver oder
Dolch blitzen werde. Am =Arc de Triomphe= wurde das Gedränge immer
ärger, so daß wir zum Stillhalten kamen. Da wendete Bismarck in
eine Nebenstraße ein, seine Herren begleiteten ihn, und als ich
ihn in der Richtung nach Versailles zu unbehelligt forttraben
sah, wandte ich mich zurück und durchritt den ganzen Raum der
Elysäischen Felder, welcher allein den deutschen Heeren eingeräumt
worden war.«
An demselben Tage wurde von der französischen Nationalversammlung der
Vorfrieden mit 546 gegen 107 Stimmen angenommen. Der Kaiser meldete
der Gemahlin das Ereignis und fügte hinzu: »Der Herr der Heerscharen
hat überall unsere Unternehmungen sichtlich gesegnet und daher diesen
ehrenvollen Frieden in seiner Gnade gelingen lassen. Ihm sei die Ehre!
Der Armee und dem Vaterlande mit tief erregtem Herzen meinen Dank.«
[Illustration: »Ein Wanderbursch’, mit dem Stab in der Hand, kehrt
wieder heim aus fremdem Land!« (»Humoristische Blätter«, November 1873)]
So konnte Bismarck sich zur Heimreise rüsten. Am 6. März verließ er
Versailles, um sich mit den Seinigen zu vereinen. An jedem Haltepunkte
wurden ihm stürmische Ovationen dargebracht, und am 9. März frühmorgens
durfte er mit den Worten: »Da habt Ihr Euren Ollen wieder« Frau und
Tochter auf dem Berliner Bahnhof begrüßen. Am 17. März traf Kaiser
Wilhelm in Berlin ein, und Bismarck konnte mit ihm, mit Roon und Moltke
an dem Jubel teilnehmen, mit dem die Hauptstadt des neuen Reiches den
ersten Kaiser begrüßte. Am 21. März, am Tage der Reichstagseröffnung,
wurde Bismarck zum Fürsten ernannt.
Aber er war der neuen Gnade nicht recht froh: