Zu den Beratungen war auch Baron Rothschild hinzugezogen. Die
Szene im Versammlungssaal, so schreibt weiter Jolly, ist das
Grandioseste, was die Phantasie eines Dichters ersinnen, der
Pinsel des genialsten Meisters darstellen könnte. Letzterer müßte
sich als Mittelpunkt den Augenblick wählen, wie Rothschild, ein
kleines, schmächtiges Männchen, mit schlotternden Knien vor dem
etwas geneigten Bismarck steht, der, ärgerlich, daß die Sache
nicht fertig wird, mit lauter Stimme und trotz Hexenschuß hoch
aufgerichtet erklärt: »Wenn der Herr Baron keine Neigung hat, die
gewünschten Vorschläge zu machen, müssen wir sehen, wie wir sonst
fertig werden.« Stammelnde Antwort: »Exzellenz, ich bin geneigt.«
Mein bayrischer Kollege war sehr ängstlich, die Sache konnte
scheitern; die wildesten Borussen fingen an zu hoffen, sie werde
scheitern. Das deutsche Lager fühlte sich sicher, das herrliche
Ziel werde morgen erreicht sein, trotz der letzten schmerzlichen
Zuckungen des machtlosen Gegners; die Franzosen wahrten mühsam die
Fassung. Gebe Gott, daß nie ein deutscher Staatsmann ähnliches zu
erleben habe.
[Illustration: ~Der Schlaf des Gerechten~
»Träume was Süßes von Kissen umhüllt, von seidenen Kissen mit Urlaub
gefüllt!«
(»Frankf. Laterne«, Juni 1875)]
=Peut être=
Als Thiers noch am Schluß eine abweichende Fassung des Vertrages
vorschlug, kam es zu einem eigenartigen Dialog. Bismarck: »Sie
zerpflücken mir ja wieder die deutsche Einheit.« Thiers: »=Ah,
c’est nous qui l’avons faite!=« (»Wir haben sie ja gerade
gemacht!«) Bismarck achselzuckend: »=Peut être.=« So wurde der
glorreichste Vertrag, den Deutschland geschlossen, unterzeichnet.
Die Franzosen eilten sofort weg, Thiers, den Bismarck beim
Weggehen wegen aller ungern ihm bereiteten Qualen verbindlichst
um Entschuldigung bat, in erbittertem Ungestüm, Favre in stillem
Schmerz.
Am 1. März fand der Einzug der deutschen Truppen in Paris statt.