Er ist doch ein eminenter Mensch

»Bismarck«, so erzählt der badische Staatsmann, »war geradezu

bezaubernd, von großartiger Liebenswürdigkeit und liebenswürdiger

Größe. Wenn Thiers sich zu sehr in langen Klageliedern erging,

ohne bestimmte Gegenvorschläge zu machen, kam zu rechter Zeit ein

seufzendes Stöhnen über die unerträglichen nervösen Schmerzen,

die ihn fürchten ließen, die Verhandlungen nicht fortführen zu

können; oder auch einmal in verbindlichster Form ein scharfer

Sarkasmus, z. B.: Ich würde mich im Vertrauen auf Herrn Thiers

gerne mit geringeren Garantien begnügen, wenn er erblicher König

von Frankreich wäre; oder: Herr Thiers ist durch seine Beredsamkeit

verwöhnt, durch welche er stundenlang große Versammlungen fesseln

kann; wir werden aber, wenn wir uns nicht einigen, in dreißig

Stunden wieder schießen, und dergleichen mehr. Wirklich imponierend

war aber der Hüne zwei-, dreimal, wenn er vollkommen chevaleresk

und ohne jegliche persönliche Härte, um zum Abschluß zu kommen,

erklärte, nicht der Sieger, sondern der Besiegte hat nachzugeben.

Er ist doch ein ganz eminenter Mensch, der trotz manchem wunderlich

Bizarren doch als echtes Genie bei aller Kraft innerlich maßvoll

ist.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 210 / 334 题