Über die wahrhaft schändliche Räuberei der Preußen vom gemeinen
Soldaten an bis hinauf zum Kaiser-König, der aus seiner Wohnung in
Versailles die Leuchter mitnahm, kann man unzählige Geschichten
erzählen. Eine ziemlich merkwürdige, die wir aus glaubhafter Quelle
haben, teilen wir im nachstehenden mit: Herr von Bismarck bewohnte
in Versailles ein Haus in der Rue de Provence. Als der Kanzler
abreisen wollte, machte er der Frau J., der Eigentümerin seiner
Wohnung, einen Besuch und drückte ihr den lebhaften Wunsch aus,
die Pendeluhr, welche sein Arbeitszimmer schmückte, mitnehmen zu
dürfen. Frau J. schlägt es ihm rund ab, indem sie bemerkt, die Uhr
sei ihr sehr wert und teuer, sie habe sie schon seit langer Zeit
und wünsche sie ihren Kindern zu hinterlassen. Herr von Bismarck
aber besteht darauf. »Es würde mir sehr lieb sein,« sagt er, »wenn
ich diese Uhr mitnehmen könnte, welche die Stunde zeigte, in der
ich mit Herrn Thiers diesen für mein Land so ruhmreichen Frieden
verhandelte und unterzeichnete.« Frau J., die so in ihrem Besitztum
und zugleich in ihrer Vaterlandsliebe bedroht ist, erteilt von
neuem eine abschlägige Antwort. Herr von Bismarck zieht sich nach
wiederholtem vergeblichem Bitten zurück. Bald darauf kommen zwei
Beamte, die zu dem Gefolge des Kanzlers gehören, zu Frau J., machen
ihr Vorwürfe, daß sie auf die Bitten ihres Herrn und Meisters nicht
eingegangen sei, und erklären ihr, daß sie unrecht getan habe, ihn
so zu reizen. Die Hausbesitzerin läßt sich dadurch nicht beirren.
Nun denn, die Uhr hat sie behalten. Dagegen sind ihr alle ihre
Wäsche und ihr Silberzeug von den Beamten im Gefolge des Kanzlers
gestohlen worden.
Busch stellt diese Schauergeschichte in folgender Weise richtig:
Madame Jessé ließ sich erst in den letzten Tagen unserer
Wiederabreise sehen und machte, wie bemerkt, keinen vorteilhaften
Eindruck. Sie hat dann allerhand Räubergeschichten über uns
verbreitet, die von der französischen Presse, und zwar selbst von
solchen Blättern, die sonst Kritik üben und Gefühl für Anstand
besitzen, mit Wohlgefallen nacherzählt worden sind. Unter anderem
sollten wir ihr Silberzeug und ihre Tischwäsche eingepackt und
mitgenommen haben. Auch habe ihr Graf Bismarck eine wertvolle
Pendule abdrücken wollen. Die erste Behauptung war eine einfache
Abgeschmacktheit, da das Haus kein Silberzeug enthielt, es müßte
sich denn in einer vermauerten Ecke des Kellers befunden haben,
die auf ausdrücklichen Befehl des Chefs ungeöffnet blieb. Die
Geschichte von der Pendule aber verlief in ganz anderer Weise, als
Madame sie unter die Leute gebracht hat. Die Uhr war die mit dem
kleinen bronzenen Dämon im Salon. Die Jessé bot dieses an sich
ziemlich wertlose Möbel dem Kanzler in der Voraussetzung, es werde
ihm als Zeuge und Zeitmesser bei wichtigen Verhandlungen von Wert
sein, zu einem exorbitanten Preise an. Ich glaube, sie verlangte
fünftausend Franken dafür. Sie erreichte aber ihre Absicht,
damit ein gutes Geschäft zu machen, nicht, da das Anerbieten der
habgierigen und für die rücksichtsvolle Behandlung ihres Hauses
durchaus nicht dankbaren Frau abgelehnt wurde. »Ich erinnere mich,«
so erzählte der Minister später in Berlin, »daß ich dabei die
Bemerkung machte, das koboldartige Bildchen an der Uhr, welches
eine Grimasse schnitt, könnte ihr als Familienporträt ein liebes
Besitztum sein, und eines solchen wollte ich sie nicht berauben.«
Die Schwierigkeiten, die dem Gedanken des Bombardements entgegentraten,
hat Bismarck ebenso wie Roon mit tiefem Groll hauptsächlich auf die
Haltung der Damen zurückgeführt. Nach seiner Überzeugung waren es
eben nicht rein militärische Gesichtspunkte, aus denen die Generale
außer Roon sich gegen das Bombardement erklärten. Denn die preußische
Stellung zwischen der in Paris eingeschlossenen Armee und den
französischen Streitkräften in der Provinz war stark bedroht, und das
Bedürfnis, der Lage ein Ende zu machen, mußte auch in den Kreisen der
Militärs vorhanden sein. Nach Bismarcks Meinung ist die Vorstellung,
daß Paris, obwohl es befestigt und das stärkste Bollwerk der Gegner
war, nicht wie jede andere Festung angegriffen werden dürfe, aus
England auf dem Umwege über Berlin, zugleich mit der Phrase von dem
»Mekka der Zivilisation« in das Lager gekommen. Der Königin Augusta,
der Kronprinzessin und ihrer Mutter schob Bismarck einen großen Teil
der Schuld zu, aber er wies auch darauf hin, daß die verstorbene Frau
Moltkes, die Frau des Generalstabschefs von Blumenthal und des nächst
ihm maßgebenden Generals von Gottberg sämtlich Engländerinnen waren.