In den Tagen, da Bismarck und Roon vergebens um das Bombardement
von Paris rangen, schrieb Bismarck einmal mit tiefer Bitterkeit an
die Gattin: »Der gute Roon ist vor Ärger über unsere Passivität
und seine vergeblichen Versuche, uns zum Angriff zu bringen, recht
krank gewesen, jetzt besser, resigniert, nur darf man nicht von
der Sache reden; er wird gleich unwohl vor Bitterkeit. Er bleibt
eigentlich nur mir zu Gefallen hier, weil ich sonst politisch und
gemütlich ganz vereinsame. Ich meine nicht, daß ich Widerstand
aller auf ~politischem~ Gebiete zu bekämpfen hätte, im Gegenteil,
aber ich habe keine menschliche Seele hier zum Reden über
Vergangenheit oder Zukunft. Wenn man zu lange Minister ist, und
dabei nach Gottes Fügung Erfolge hat, so fühlt man deutlich, wie
der kalte Sumpf von Mißgunst und Haß einem allmählich höher und
höher bis ans Herz steigt. Man gewinnt keine neuen Freunde, die
alten sterben oder treten in verstimmter Bescheidenheit zurück,
und die Kälte von oben wächst, wie das die Naturgeschichte der
Fürsten, auch der besten, so mit sich bringt; alle Zuneigungen aber
bedürfen der Gegenseitigkeit, wenn sie dauern sollen. Kurz, mich
friert, geistig, und ich sehne mich, bei Dir zu sein und mit Dir
in Einsamkeit auf dem Lande. Dieses Leben erträgt kein gesundes
Herz auf die Dauer. Gesund an Körper aber bin ich, mehr als seit
Jahr und Tag, und grüße Dich und die Kinder in herzlicher Liebe mit
etwas Heimweh.«
[Illustration: Bismarck als Jesuit, der immer doppelzüngig ist, aber
von den Franzosen wünscht er nur Gutes: Elsaß, Lothringen und fünf
Milliarden. (»Actualités«, 1871)]