Am Abend fand dann das berühmte »Rendezvous« statt. König Wilhelm
saß auf einer Leiter, deren eines Ende auf einem toten Pferde
lag, und diktierte Bismarck das Telegramm an die Königin, das der
Welt Kunde von dem Siege gab. Dann aber gestand der König, daß
er Hunger leide und gern etwas essen möchte. Doch nur Wein und
schlechter Rum von einem Marketender nebst trockenem Brot war zur
Stelle. Endlich trieb man im Dorfe Rézonville ein paar Kotelette
für ihn auf, aber nichts für seine Umgebung. Bismarck hatte den
ganzen Tag nur etwas Soldatenbrot und Speck gehabt. Als endlich
ein paar Eier kamen, zerschlug er sie an seinem Degenknopf und
schlürfte sie roh. Und nun: Majestät wollte im Wagen schlafen,
zwischen toten Pferden und Schwerverwundeten. Er fand später ein
Unterkommen in einer Kabache. Der Bundeskanzler mußte sich wo
anders unter Dach zu bringen suchen. Wir ließen den Erben eines
der mächtigsten deutschen Potentaten (der junge Erbgroßherzog von
Mecklenburg war gemeint) bei dem Wagen Wache stehen, daß nichts
gestohlen würde, und ich machte mich mit Sheridan auf, um nach
einer Schlafstelle zu rekognoszieren. Wir kamen an ein Haus, das
noch brannte, und da war es zu heiß. Ich fragte in einem anderen
nach — voll von Verwundeten. In einem dritten — auch voll von
Verwundeten. Ebenso hieß es in einem vierten; ich ließ mich aber
hier nicht abweisen. Ich sah oben ein Fenster, wo es dunkel war.
›Was ist denn da oben?‹ erkundigte ich mich. ›Lauter Verwundete.‹
›Das wollen wir doch untersuchen!‹ Und ich ging hinauf, und siehe
da, drei leere Bettstellen mit guten und, wie es schien, ziemlich
reinen Strohmatratzen. Wir machten also hier Nachtquartier, und ich
schlief ganz gut.« — »Ja,« hatte sein Vetter Graf Bismarck-Bohlen
gesagt, als der Kanzler uns die Historie in Pont-à-Mousson das
erstemal und kürzer erzählte, »du schliefst gleich ein und ebenso
Sheridan, der sich — ich weiß nicht, wo er’s hergekriegt — ganz
in weiße Leinwand eingewickelt hatte und der in der Nacht von
dir geträumt haben muß, denn ich hörte verschiedenemal, wie er
murmelte: ›=O dear count!=‹« — »Hm, hm, der Erbgroßherzog, der sich
mit guter Manier in die Sache fand und überhaupt ein angenehmer
und liebenswürdiger junger Herr ist«, bemerkte der Minister. —
»Das beste war übrigens bei der Geschichte,« sagte Bohlen, »daß
eigentlich gar keine solche Not um Unterkommen gewesen wäre. Denn
unterdessen hatten sie entdeckt, daß nahe dabei ein elegantes
Landhaus für Bazaine instand gesetzt worden war, mit guten Betten,
Sekt im Keller und was weiß ich alles —, höchst fein, und da
hatte der Kriegsminister sich einlogiert und hatte ein opulentes
Abendmahl mit seiner Gesellschaft gefunden.«