Im Granatenfeuer

Am 18. August gerieten auch König Wilhelm und sein Kanzler in

schwere Lebensgefahr. »Sie hatten eben«, erzählt Graf Bismarck,

»die Pferde zu Wasser geschickt, und wir standen in der Dämmerung

bei einer Batterie, die feuerte. Die Franzosen schwiegen,

aber während wir dachten, ihre Geschütze wären demontiert,

konzentrierten sie nur ihre Kanonen und Mitrailleusen seit einer

Stunde zu einem letzten großen Vorstoße. Plötzlich fingen sie

ein ganz fürchterliches Feuern an mit Granaten und ähnlichen

Geschossen, ein unaufhörliches Krachen und Rollen, Sausen und

Heulen in der Luft. Wir wurden vom Könige, den Roon zurückschickte,

abgeklemmt. Ich blieb bei der Batterie und dachte, wenn wir

zurückgehen müssen, setzest du dich auf den nächsten Protzkasten.

Wir erwarteten nun, daß französische Infanterie den Vorstoß

unterstützen würde, und da hätten sie mich gefangennehmen können,

wenn ich auch ein rollendes Revolverfeuer auf sie unterhalten hätte

— ich hatte sechs Schuß für sie und noch sechs Reservepatronen.

Endlich kamen die Pferde wieder, und nun machte ich mich fort,

wieder zum König. Aber wir waren aus dem Regen in die Traufe

geraten. An der Stelle, wo wir hinritten, schlugen gerade die

Granaten ein, die vorher über uns weggeflogen waren. Am anderen

Morgen sahen wir die Schweinskulen, die sie gewühlt hatten. — So

mußte denn der König noch weiter zurück, was ich ihm sagte, nachdem

die Offiziere mir das vorgestellt hatten.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 177 / 334 题