Die Wirkung der Emser Depesche ist bekannt; der nationale Strom
erbrauste und ergriff die ganze Nation. Am 15. Juli 1870 kehrte
König Wilhelm von Ems nach Berlin zurück; die ganze Reise war ein
beispielloser Triumphzug. Der Kronprinz, Bismarck, Roon und Moltke
reisten ihm bis Brandenburg entgegen; am Potsdamer Bahnhof harrte an
der Spitze der Generale der greise Wrangel, unten drängte sich die
begeisterte Volksmasse Kopf an Kopf. Nach der Ankunft trat der König
in den unscheinbaren Wartesaal; um ihn waren Bismarck, Moltke und
Roon gruppiert, der Kronprinz, halb seitwärts neben dem König, stand
da wie ein flammender Kriegsgott, das Urbild des teutonischen Zornes.
Nur wenige Minuten, dann eilte er hinaus zu der brausenden Menge, die
seinen Zuruf: »Die Mobilmachung der Armee ist befohlen!« mit Tausenden
von Stimmen weiter fortgab. Der Reichstag wurde einberufen und mit
einem Gottesdienst eröffnet. Der Text der Predigt hat gelautet: »Mit
Gott wollen wir Taten tun.« Die Thronrede aber schloß mit den Worten:
»Wir werden nach dem Beispiel unserer Väter für unsere Freiheit und
für unser Recht gegen die Gewalttat fremder Eroberer kämpfen, und in
diesem Kampfe, in dem wir kein anderes Ziel verfolgen, als den Frieden
Europas dauernd zu sichern, wird Gott mit uns sein, wie er mit unseren
Vätern war!« Am nächsten Tage nahm der Reichstag ohne Diskussion die
von Miquel verfaßte Adresse an. In flammender Rede hatte Bismarck noch
einmal alle Schuld und alle Lüge der französischen Vergangenheit und
Gegenwart zusammengefaßt.
Wieder zog er mit seinem Könige in den Krieg. Am 11. August überschritt
er mit dem Großen Hauptquartier die französische Grenze. Nach wenigen
Tagen schon kam er bis an die Nähe von Metz, und als der Kanonendonner
von Vionville und Mars-la-Tour verhallte, da drang die Kunde zu ihm,
daß seine Söhne gefallen seien. Die Vorsehung hatte es anders bestimmt:
Der ältere Sohn hatte im Kampfe wohl drei Schüsse erhalten, aber er
war lebend davongekommen; der zweite Sohn war bei dem Todesritt mit
seinem Pferde gestürzt, ohne ernsteren Schaden zu nehmen. Und auch
Bismarck ist gleich dem König in jenen fürchterlichen Tagen in schwere
Lebensgefahr geraten.