»Es war«, so schreibt ein Mitglied dieses Parlamentes, »ein
Sonnentag in der Geschichte der Hohenzollern, wie er noch nie
dagewesen war. Vor dem Throne stand der greise Vater, der nach
schwerer Mühe das Werk vollbracht sah; ihm zur Rechten, eine Stufe
höher als die übrigen Prinzen, stand in vollster männlicher Kraft
der Sohn und nächste Erbe der jetzt so reich begnadeten Krone, und
von der Tribüne oben schaute als zartes Kind der Enkel dem Werke
zu, dessen Grundstein zu legen Vater und Sohn da unten im Begriffe
standen. Es stand noch ein Mann bei der Eröffnung des Reichstags
dem Könige näher als alle anderen. Er stand nicht auf einer Stufe
des Thrones wie der Kronprinz und auch nicht zur Rechten wie die
übrigen Prinzen, denn er war kein Prinz. Er stand links im Saal,
dem Throne zunächst, in weißer Kürassieruniform und mit einem
Gesicht so bleich, daß man zweifelhaft sein konnte, was weißer
sei, ob das Tuch des Rockes oder das Gesicht des Mannes. Man sah
es wohl, der Mann war körperlich schwer leidend, aber die Muskeln
waren doch noch stark genug, um die hohe kräftige Gestalt in voller
militärischer Straffheit aufrecht zu halten. Das war Graf Otto
von Bismarck-Schönhausen, des Königs Wilhelm Ministerpräsident.
Er hatte den größten Anteil an dem Gelingen des Werkes, und darum
stand er ja wohl mit vollem Recht dem Thron ein paar Schritte näher
als alle anderen.«
[Illustration: ~Napoleon wirft auf Italien ein Auge~