Louis: »Sie kann ja nicht widerschlagen. Warum hilfst du ihr denn
nicht?« (»Punch«, November 1867)]
Mit den Worten: »Arbeiten wir rasch! Setzen wir Deutschland sozusagen
in den Sattel! Reiten wird es schon können!« suchte Bismarck die
Volksvertreter zu raschem Werke zu treiben, sie über kleine Bedenken
hinauszuführen. — Endlich war das Werk der neuen Bundesverfassung
beendet; mit 227 gegen 93 Stimmen wurde sie vom preußischen Landtag
beschlossen, während im Norddeutschen Reichstag sich nur 53 Stimmen
dagegen erhoben. Am 14. Juli wurde Graf Bismarck zum Bundeskanzler
ernannt. Nicht weniger als siebenundzwanzigmal hatte er in den
Parlamenten das Wort ergriffen.
Zugleich hat der Streit um Luxemburg alle Kraft und Geschicklichkeit
des Staatsmanns gefordert. Hier war der erste Prüfstein gegeben, ob
das Gefühl für die Ehre der Nation ganz Deutschland erfüllte, denn als
hier die Wellen zu Berge stiegen, da schien auch die Stunde eines neuen
furchtbaren Krieges gekommen. Es sind die Schatten, die schon über
Nikolsburg lagen, die auch jetzt auf die neue Zeit sich senkten.
[Illustration: ~Deutsche Weide~
Napoleon versucht vergebens Luxemburg zu gewinnen und wirft sein Auge
auf deutsches Gebiet. »Ein guter Schäfer läßt kein Schaf verloren
gehen« (»Kladderadatsch«, März 1867)]
Napoleon war bitter enttäuscht. Er hatte gehofft, das sinkende Ansehen
seiner Dynastie durch Gewinn an deutschem Boden zu steigern; er
hatte geglaubt, daß ihm, wenn die beiden kriegführenden Mächte aus
dem Ringen geschwächt hervorgehen würden, das linke Rheinufer als
Lohn anheimfallen würde. Dann war sein Blick nach Belgien geschweift
und dann nach Luxemburg, das, in Personalunion mit den Niederlanden
vereint, aus der Verbindung mit Deutschland gelöst war. Er bot
dem König von Holland ein Kaufgeschäft an, obwohl Bismarck schon
vorher keinen Zweifel ließ, daß die Abtretung des Landes niemals im
Einverständnis mit Preußen erfolgen werde. Im Zusammenhang hiermit,
als ein =avis au lecteur= hat Bismarck die Schutzverträge mit den
süddeutschen Staaten veröffentlicht. Aber ihm schien die Stunde noch
nicht reif, ihm schien auch der Rechtsgrund für ein kriegerisches
Einschreiten nicht genügend gesichert; der König wollte den Frieden.
Den Zwang zum Krieg erkannte auch Bismarck noch nicht an. Hier fiel das
Wort: »Man darf nicht Krieg führen, wenn es mit Ehren zu vermeiden ist;
die Chance günstigen Erfolges ist keine gerechte Ursache, einen großen
Krieg anzufangen.« Und es gelang ihm, indem er diplomatische Vorsicht
und souveränes Machtbewußtsein verband, indem er zugleich die nationale
Leidenschaft im deutschen Volke erweckte und doch mäßigend lenkte,
zu einem Ausgleich zu kommen, der die Ehre Deutschlands in vollem
Maße wahrte. Luxemburg wurde neutralisiert, der Abzug der preußischen
Besatzung und die Schleifung der Festung bestimmt. Vergebens hatte man
in Frankreich gerüstet, vergebens hatte auch König Georg von Hannover
die Sendung einer Legion von 20 000 Mann angeboten.
Im Juni darauf ist Bismarck bereits mit König Wilhelm nach Paris zur
Weltausstellung gereist. Sein Empfang durch den Pöbel war so wenig
erfreulich, daß die besonnene Presse an den ritterlichen Sinn der
Nation appellieren mußte. Um so freundlicher war der Empfang durch
Napoleon am Hofe. Prachtvolle Feste wechselten miteinander, und eine
fromme Sage erzählt, daß Bismarck damals seinen letzten Walzer tanzte.