»Mit dem heutigen Tage vollzieht sich ein Akt, die Besitzergreifung
des Herzogtums Lauenburg, als eine Folge meiner, von Ihnen mit
so großer und ausgezeichneter Umsicht und Einsicht befolgten
Regierung. Preußen hat in den vier Jahren, seit welchen ich
Sie an die Spitze der Staatsregierung berief, eine Stellung
eingenommen, die seiner Geschichte würdig ist und demselben auch
eine fernere glückliche und glorreiche Zukunft verheißt. Um Ihrem
hohen Verdienste, dem ich so oft Gelegenheit hatte, meinen Dank
auszusprechen, auch einen öffentlichen Beweis desselben zu geben,
erhebe ich Sie hiermit mit Ihrer Deszendenz in den Grafenstand,
eine Auszeichnung, welche auch immerhin beweisen wird, wie hoch
ich Ihre Leistungen um das Vaterland zu würdigen wußte. Ihr
wohlgeneigter König Wilhelm.«
[Illustration: Das sind die zwei Planeten, die abwechselnd auf- und
untergehen. (»Kikeriki«)]
Bismarck selbst glaubte nicht an die Dauer des Ausgleichs. Schon
die Tatsache, daß er alsbald nach Frankreich ging und mit Napoleon
lange Besprechungen hatte, erweckte in Wien neuen Verdruß. In dieser
Gereiztheit schritt man dazu, die Agitation des Augustenburgers, die
schon vorher jedes Maß überstieg, heimlich noch zu verstärken. Man
billigte es sogar, daß die Gattin des Erbprinzen auf einer Reise
von Altona nach Kiel überall mit amtlichem Gepränge empfangen und
als Landesherrin gefeiert wurde. Es kam so weit, daß Manteuffel als
Gouverneur von Schleswig Bismarck riet, in Wien die Wahl zu stellen,
entweder mit Preußen oder mit dem Augustenburger zu brechen. Bismarck
erkannte die Richtigkeit dieses Standpunktes sofort. Er sandte zwar
noch kein Ultimatum nach Wien, aber die Notwendigkeit des Krieges
erhob sich für ihn immer drängender: Die preußische Machtstellung
stand auf dem Spiele und zugleich die Krongewalt. Denn der Konflikt
ging ununterbrochen weiter, und ein ruhmloser Rückzug im Äußeren
bedeutete auch die moralische Niederlage im Inneren. Der Kampf im
Herzen des Königs aber war um so schwerer, als der eigene Sohn die
Partei des Augustenburgers hielt und mit seinen Angehörigen in scharfe
Gegnerschaft gegen Bismarcks Pläne trat. Auch die Königin Augusta war
die Gegnerin des Staatsmannes, und von den Konservativen wandten sich
Gerlach und seine Freunde erschreckt von der revolutionären Tatkraft
Bismarcks ab, als sie sich offen gegen Österreich und den Bund kehrte.
Und auch das ganze Wesen des greisen Königs, der fast ein Siebziger
war, sträubte sich gegen den Krieg. Er empfand die volle Verantwortung
für das Blut, das vergossen werden sollte, für den Staat der
Hohenzollern, den er aufs Spiel setzte. Die alten preußischen Kräfte,
die er in sich trug, wurden durch seinen Staatsmann, der freilich
selber ganz Preuße war, auf ein neues Feld hinausgeführt, das sich noch
ganz fremd und unabsehbar dehnte. Sollte König Wilhelm die Kraft haben,
sich diesem ungeheueren Zuge der Bismarckschen Politik hinzugeben?
Er entschied nach Bismarcks Rat. Schon im September hatte er in
Merseburg bei der Feier der fünfzigjährigen Vereinigung der Provinz
Sachsen mit Preußen gesagt, als er den Besitzer von Schönhausen unter
den Provinzialständen sah: »Diesem Manne verdanke ich und das Vaterland
sehr viel.«