»Ew. Majestät sage ich meinen ehrfurchtsvollen und wärmsten
Dank dafür, daß Allerhöchstdieselben meiner heute in Gnaden
gedacht haben. Möge Gott mir so viel Kraft geben, als ich guten
Willen habe, den Stab, dessen Symbol Ew. Majestät mir als ein
lebenslänglich teures Andenken heute schenken, nach Allerhöchst
Ihrem Willen zum Heile unseres Vaterlandes zu führen. Ich habe das
gläubige Vertrauen zu Gott, daß Ew. Majestät Stab im deutschen
Lande blühen werde wie der Stecken Arons laut dem vierten Buch
Mosis im siebzehnten Kapitel, und daß er sich zur Not auch in die
Schlange verwandeln werde, welche die übrigen Stäbe verschlingt,
wie im siebten Kapitel des zweiten Buches erzählt ist. Verzeihen
Ew. Majestät meinem dankbaren Gefühl diese Bezugnahme. Angesichts
des Weihnachtsfestes habe ich das Bedürfnis, Ew. Majestät zu
versichern, daß meine Treue und mein Gehorsam gegen den Herrn, den
Gott mir auf Erden gesetzt hat, auf derselben festen Grundlage
beruhen wie mein Glaube.«
Aber König Wilhelm hatte sich noch nicht vertraut gemacht mit der
Entscheidung auf blutiger Heide; er wollte den Frieden wahren, solange
es in Ehren möglich war. So trat an die Stelle des Schwertes wieder die
Feder. Doch wurde in dem Ministerrat, den der König auf der Reise von
Karlsbad nach Gastein nach Regensburg berief, einstimmig beschlossen,
ein Ultimatum an Österreich zu senden, in dem jede Verhandlung über
die Zukunft der Herzogtümer abgelehnt wurde, bis dort die Autorität
wieder hergestellt und die Agitation beseitigt sein würde. »Mit dem
Frieden sieht es faul aus, in Gastein muß es sich entscheiden«, schrieb
der Minister an seine Schwester. »Die Firma Halbhuber-Augustenburg«,
schreibt er in einem anderen Briefe, »treibt es so arg, daß wir werden
nächstens einseitig Gewalt anwenden müssen. Das wird in Wien böses
Blut machen, und dann hängt sich Gewicht an Gewicht bis zum vollen
Bruch. Österreich läßt uns nur die Wahl, in Holstein zum Kinderspott zu
werden. Dann schon lieber Krieg, der doch nur eine Zeitfrage bleibt.«
Österreich aber zeigte sich jetzt entgegenkommend. Gerade damals hatte
Graf Blome dem Gesandten in München den Vorschlag gemacht, Österreich
solle Holstein, Preußen Schleswig annektieren. Dieser Plan wurde in
Wien dahin geändert, daß Preußen beide Herzogtümer übernehmen solle,
wenn eine angemessene Gegenleistung für Österreich gefunden wird. Blome
erhielt den Auftrag, zunächst für den Augustenburger zu wirken und nur
bei dauerndem Widerstande den Teilungsplan vorzunehmen. Bismarck wies
diesen Gedanken zurück, war aber zu weiterem Verhandeln bereit. Blome
reiste daher nach Ischl, um dem Kaiser Bericht zu erstatten. Bismarck
aber schrieb an seinen Freund Blankenburg: »Politisch dauert die
Schwebe zwischen Krieg und Frieden fort, Neigung für letzteren tritt
aber in Wien doch mehr in den Vordergrund. Auf der Rückreise des Königs
wahrscheinlich Begegnung mit dem Kaiser in Salzburg. Bis dahin muß ich
lavieren; denn von hier aus können wir nicht grob werden.«