»Es gibt in der Geschichte soviel große Männer, deren überquellende
Naturkraft sich nicht nur im Genialen und Hohen, sondern auch im
allzumenschlich Ewig-Weiblichen dokumentiert hat. Ich erinnere nur
an Napoleon =I.=, Cäsar und Alexander. Mit um so größerem Stolze
können wir Bismarck als absolut sittenreinen Mann auch in dieser
Beziehung als Vorbild seines Volkes darstellen. Ihm, dem so viele
Möglichkeiten von Frauenliebe und Anbetung geboten wurden, lag das
Gefühl des tiefen Ernstes der Liebe zu sehr im Herzen, als daß
er je flüchtig daran gestreift hätte. Er war eben durchaus ein
Teutone, ein keuscher Mann, der sich selbst für zu würdig hielt, um
sich nur auszuleihen. Ohne prüde zu sein oder der Natur ihr Recht
verwehren zu wollen, war er jeder Frivolität feind und duldete in
der behaglichen Atmosphäre seines Hauses auch keinen Anflug von
Zynismus.«
[Illustration: ~Preußisch-Patriarchalisches~
»Gnädigster Herr, ick melde jehorsamst, daß ick soeben aus der Kammer
komme, und daß allens glücklich verrungeniert ist.« — Am 22. Februar
1866 schloß Bismarck plötzlich den preußischen Landtag, dem er
dreifache Überschreitung seiner Befugnisse vorwarf. »Angesichts der
Übergriffe und Überhebungen dieses Hauses«, so hieß es im Abschied. Es
folgten die Siege in Böhmen. (»Figaro«, März 1866)]
Nur noch einmal flammte der Konflikt empor: Noch zu Beginn des Jahres
1863 stellte Herr Virchow den Antrag, die Vereinigung Lauenburgs mit
Preußen für rechtsungültig zu erklären, weil der König ohne Zustimmung
des Landtags nicht Herrscher fremder Reiche sein dürfe. Hier stimmten
bereits zweihunderteinundfünfzig gegen vierundvierzig Stimmen für
Bismarcks Politik. Längst hatte ja auch der König Besitz von Lauenburg
ergriffen, die für den Erwerb von Österreich geforderte Summe von
zweieinhalb Millionen Talern hatte er aus eigenem Vermögen bezahlt,
und am 26. September schon hatte im Auftrage des Königs Bismarck die
Erbhuldigung der dortigen Stände in Ratzeburg entgegengenommen. Diese
Handlung aber hatte ein charakteristisches Vorspiel: