Als Virchow geendet, trat der Minister, der im Nebenraume wohl den
schon erwähnten hübschen Brief an Motley schrieb, in dem er von
den ungewöhnlich abgeschmackten Reden aus dem Mund ungewöhnlich
kindischer und aufgeregter Politiker sprach, in den Saal zurück
und erklärte ironisch: »Ich wollte zur Beruhigung der Herren nur
bemerken, daß sowohl der Herr Vorredner als der letzte Herr Redner
im Nebenzimmer vollkommen verständlich waren.« Der Abgeordnete
Parisius rief hierauf in die gewaltige Aufregung hinein: »Es ist
bekannt, daß der Deutsche eine ungeheuere Portion Geduld hat, und
auch dieses Haus hat es in einem hohen Maße bewiesen. Wenn aber
der Herr Ministerpräsident in einer so wegwerfenden und ganz und
gar der Würde des Hauses und den Verhandlungen unangemessenen
Weise hier auftritt, seinen Sitz verläßt, ins Nebenzimmer
geht und hinterher mit der Bemerkung kommt, daß der Redner im
Nebenzimmer gehört sei, dann, meine Herren, muß ich bemerken,
ist es Sache des Herrn Präsidenten, wenigstens zu konstatieren,
wie wir hier behandelt werden. Wir sitzen hier nicht zu unserem
Vergnügen; wir führen eine ernste Debatte und suchen das Beste
des Vaterlandes zu fördern.« Herr von Bismarck erwiderte: »Ich
muß dem Herrn Abgeordneten jedes Urteil über das, was für mich
gehörig oder ungehörig ist, absprechen. Wir sitzen hier alle nicht
zu unserem Vergnügen. Ich habe noch sehr viel andere Aufgaben
außer der, Ihnen zuzuhören. Ich habe mit Leuten zu sprechen, die
nicht warten können. Es ist mir nicht möglich, ununterbrochen
Ihren Verhandlungen beizuwohnen. Wenn ich den Vorteil habe, bei
der sonoren Stimme der Herren Vorredner im dortigen Zimmer, am
Tische arbeitend, Ihre Rede hören zu können, so weiß ich nicht,
wie Sie darin eine Veranlassung zu diesem Aufwande von sittlicher
Entrüstung finden können.«
Diese Szene führte zu einem niedlichen Intermezzo im Theater.