Bismarck erzählt: »Während des Aufenthalts in Berlin hatte ich
Gelegenheit, von der Verwendung der österreichischen geheimen
Fonds, der ich bis dahin nur in der Presse begegnet war, einen
praktischen Eindruck zu gewinnen. Der Bankier Levinstein, welcher
seit Jahrzehnten bei meinen Vorgesetzten und in deren vertraulichen
Aufträgen in Wien und Paris mit den Leitern der auswärtigen Politik
und mit dem Kaiser Napoleon in Person verkehrt hatte, richtete
am Morgen des Tages, auf den meine Abreise festgesetzt war, das
nachstehende Schreiben an mich: ›Ew. Exzellenz erlaube ich mir
noch hiermit ganz ergebenst gutes Glück zu Ihrer Reise und Ihrer
Mission zu wünschen, hoffend, daß wir Sie bald wieder hier begrüßen
werden, da Sie im Vaterlande wohl nützlicher zu wirken vermögen
als in der Ferne. Unsere Zeit bedarf der Männer, bedarf Tatkraft,
das wird man hier vielleicht etwas zu spät einsehen. Aber die
Ereignisse in unserer Zeit gehen rasch, und ich fürchte, daß für
die Dauer doch der Friede kaum zu erhalten sein wird, wie man auch
für einige Monate kitten wird. Ich habe heute eine kleine Operation
gemacht, die, wie ich hoffe, gute Früchte tragen soll, ich werde
später die Ehre haben, sie Ihnen mitzuteilen. — In Wien ist man
sehr unbehaglich wegen Ihrer Petersburger Mission, weil man Sie
für prinzipiellen Gegner hält. Sehr gut wäre es, dort ausgesöhnt
zu sein, weil doch früher oder später jene Mächte sich mit uns gut
verstehen werden. Wollen Ew. Exzellenz nur in einigen beliebigen
Zeilen an mich sagen, daß Sie persönlich nicht gegen Österreich
eingenommen sind, so würde das von unberechenbarem Nutzen sein.
Herr von Manteuffel sagt immer, ich sei zähe in der Ausführung
einer Idee und ruhe nicht, bis ich zum Ziele gekommen — doch fügte
er hinzu, ich wäre weder ehr- noch geldgeizig. Bis jetzt, Gott sei
Dank, ist es mein Stolz, daß noch niemand aus einer Verbindung mit
mir irgendeinen Nachteil gehabt. Für die Dauer Ihrer Abwesenheit
biete ich Ihnen meine Dienste zur Besorgung Ihrer Angelegenheiten,
sei es hier oder sonstwo, mit Vergnügen an. Uneigennütziger und
redlicher sollen Sie gewiß anderswo nicht bedient werden.