»Berliner Nachrichten«, so schrieb er, »sagen mir, daß man mich am
Hof als Bonapartisten bezeichnet. Man tut mir unrecht damit. Im
Jahre 50 wurde ich von unseren Gegnern verräterischer Hinneigung
zu Österreich angeklagt, und man nannte uns die Wiener in Berlin;
später fand man, daß wir nach Juchten rochen, und nannte uns
Spree-Kosaken. Ich habe damals auf die Frage, ob ich russisch oder
westmächtlich sei, stets geantwortet, ich bin preußisch, und mein
Ideal für auswärtige Politiker ist die Vorurteilsfreiheit, die
Unabhängigkeit der Entschließungen von den Eindrücken der Abneigung
oder der Vorliebe für fremde Staaten und deren Regenten. Ich habe,
was das Ausland anbelangt, in meinem Leben nur für England und
seine Bewohner Sympathie gehabt und bin stundenweis noch nicht frei
davon; aber die Leute wollen sich ja von uns nicht lieben lassen,
und ich würde, sobald man mir nachweist, daß es im Interesse
einer gesunden und wohldurchdachten preußischen Politik liegt,
unsere Truppen mit derselben Genugtuung auf die französischen,
russischen, englischen oder österreichischen feuern sehen. In
Friedenszeiten halte ich es für mutwillige Selbstschwächung, sich
Verstimmungen zuzuziehen oder solche zu unterhalten, ohne daß
man einen praktischen politischen Zweck damit verbindet, und die
Freiheit seiner künftigen Entschließungen und Verbindungen vagen
und unerwiderten Sympathien zu opfern.«
Es ist ein wundervolles Bild, das sich schon in diesen wenigen
Sätzen vor unseren Augen entrollt. Klar und sicher schöpft Bismarck
aus seinem weitsehenden und umfassenden Geiste die Grundsätze einer
rücksichtslos nach dem Erfolge strebenden Politik, und unbekümmert
um alle Feindseligkeiten selbst der besten Freunde hält er an diesen
Grundsätzen fest, und er führt sie zum Siege.
Auch nach Kopenhagen und dem skandinavischen Norden führt ihn der Weg.
Wieder kommt die Jagdlust über ihn, selbst aus Näsbyholm und Tomsjonäs
und später aus Kurland fliegen die Briefe in die Heimat. Ein Ausschnitt: