Die Verhandlungen mit König Georg führten zu einer langen
Unterredung zwischen dem jungen Staatsmann und dem Könige. Die
Audienz fand ohne Zeugen statt. »Während derselben«, so erzählte
später Bismarck, »nahm ich mit Erstaunen wahr, wie nachlässig
der blinde Herr bedient war. Die ganze Beleuchtung des großen
Zimmers bestand in einem Doppelleuchter mit zwei Wachskerzen, an
denen schwere metallene Lichtschirme angeklemmt waren. Der eine
fiel infolge Niederbrennens der Kerze mit einem Geräusch, wie der
Schlag auf ein Gong, zu Boden; es erschien aber niemand, befand
sich auch niemand im Nebenzimmer, und ich mußte mir von dem hohen
Herrn die Stelle der Klingel bezeichnen lassen, die ich zu ziehen
hatte. Diese Verlassenheit des Königs war mir um so auffälliger,
als der Tisch, an dem wir saßen, mit allen möglichen amtlichen
oder privaten Papieren so bedeckt war, daß einzelne bei Bewegungen
des Königs herunterfielen und von mir aufgehoben werden mußten.
Nicht weniger auffällig war es, daß der blinde Herr mit einem
fremden Diplomaten, wie ich, ohne jede ministerielle Kenntnisnahme
stundenlang verhandelte.«
Im Sommer 1855 kam Bismarck auf Einladung des preußischen Gesandten
Grafen Hatzfeldt zum Besuch der Industrieausstellung nach Paris. Dort
lernte er den künftigen Gegner von Sedan und Kaiserin Eugenie sowie die
Paladine des neuen Kaiserreiches, aber auch die Königin Viktoria und
den Prinzgemahl Albert von Koburg kennen. Die Eindrücke jener Reise
haben lange in seinem Gedächtnis gehaftet.
Sehr anmutig plaudert er noch in späten Jahren von den Eindrücken, die
er von den Parisern und vom Hofe gewann: