... Von hier habe ich Dir, soviel ich weiß, noch nicht geschrieben,
und hoffe, daß es auch künftig nicht wieder vorkommt. Ich habe
mich so viel besonnen, ob doch gestern nicht am Ende Freitag war,
als ich abreiste; ein =dies nefastus= war es sicherlich; in Gießen
kam ich in ein hundekaltes Zimmer mit drei nicht schließenden
Fenstern, zu kurzes, zu schmales Bett, schmutzig, Wanzen; infamer
Kaffee, noch nie gekannt so schlecht. In Guntershausen kamen
Damen in die erste Klasse, und das Rauchen hörte auf, eine
höhere Geschäftsdame mit zwei Kammerjungfern, Zobelpelz; sprach
abwechselnd mit russischem und englischem Akzent Deutsch, sehr gut
Französisch, etwas Englisch, war aber meiner Ansicht nach aus der
Reezenjasse in Berlin, und die eine Kammerfrau ihre Mutter oder
ältere Geschäftsfreundin. Zwischen Guntershausen und Gerstungen
platzte ganz sanft eine Röhre an der Lokomotive; das Wasser lief
aus; da saßen wir einundeinhalb Stunden lang im Freien, recht
hübsche Gegend und warme Sonne. Ich hatte mich in die zweite Klasse
gesetzt, um zu rauchen, da fiel ich einem Berliner Kammer- und
Geh.-Rats-Kollegen in die Hände, der jetzt vierzehn Tage Homburg
getrunken hatte und mich im Beisein einiger Meßjuden fragte und
zur Rede stellte, bis ich verzweifelt wieder zur Prinzessin aus
der Reezenjasse heimkehrte; durch den Aufenthalt kamen wir drei
Stunden zu spät nach Halle; der Berliner Zug war längst fort; ich
muß hier schlafen und morgen früh per Güterzug um halb eins reisen,
um zwei ankommen. Hier am Bahnhof sind zwei Gasthöfe, aus Versehen
bin ich in den falschen geraten; ein Gendarm ging im Saal auf und
ab und musterte bedenklich meinen Bart, während ich ein müffiges
Beefsteak aß. Ich bin sehr unglücklich, werde nun aber noch den
Rest Spickgans zu mir nehmen, etwas Portwein trinken und dann zu
Bette gehen ...
An den Landtagsverhandlungen selbst nahm Bismarck nur mit großer
Zurückhaltung teil, doch geriet er trotzdem einmal in einen schweren
Konflikt.