Ein Ball bei Bismarcks

Etwa vierhundert Personen waren bei dem Ball im Februar 1855

erschienen, den Bismarcks gaben, darunter die Mitglieder des

diplomatischen Korps, die regierenden Bürgermeister, das

Offizierkorps sowie die Frankfurter Hautevolee. Auch aus Mainz

waren Offiziere der dortigen Garnison sowie mehrere Fremde von

Distinktion anwesend. Auf dem Feste waren Karneval und kriegerische

Zeit durch ein Menuett vertreten, das von jüngeren Mitgliedern des

diplomatischen Korps sowie von preußischen und österreichischen

Offizieren in den verschiedenen Militärtrachten des vorigen

Jahrhunderts ausgeführt wurde. Die mitwirkenden Damen waren in

der entsprechenden Hoftracht der Rokokozeit kostümiert. Es boten

sich Kontraste von einst und jetzt der Ost- und Westmächte.

Auf raschen Galopp und Polka-Masurka in schnellem Takt folgte

in der gemessenen Weise des alten Dessauer ein Menuett, dessen

eine Kolonne von einem preußischen Offizier, die andere von

einem Attaché der französischen Gesandtschaft geführt wurde. Der

angenehme Eindruck, den diese Überraschung auf die Stimmung der

Gesellschaft hervorbrachte, gab dem Feste ebensosehr einen erhöhten

Reiz, wie der Anblick der reichen und geschmackvollen Kostüme der

Vergangenheit, die sich mit den glänzenden Toiletten des Tages zu

einem heiteren Ganzen vereinigten. Die Musik zu den Tänzen wurde

von dem Musikkorps des 38. Infanterie-Regiments ausgeführt. Um

ein Uhr begab sich die Gesellschaft zum Souper, dem ein Kotillon

folgte, welcher das Ballfest beschloß.

Über Bismarcks Frankfurter Haus schreibt Motley in einem Brief an seine

Frau:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 94 / 334 题