Er sagt stets das Unerwartete

Die gemütvolle Wärme und Innigkeit der Bismarckschen Häuslichkeit

hatte von Anfang an eine »gewählte Schar geistig regsamer Freunde

angezogen«. Hier fand auch Bismarck selbst »nach Arbeit und

geschäftlichem Mißbehagen die liebste Erholung in der Musik, durch

welche ihn seine Gemahlin im Verein mit den Töchtern des bekannten

Malers Jakob Becker von Worms zu erfreuen pflegte«. »Am Teetisch«,

schildert es uns ein Gast des Bismarckschen Hauses in Frankfurt,

der abends die Heimgekehrten im lauschigen Gemach zu vereinigen

pflegte, »erschien mitunter auch der preußische Gesandte, lächelnd,

wenn die Hausfrau statt des chinesischen Trankes ein Glas mit

jener vortrefflichen Mischung aus Porterbier und Champagner ihm

vorsetzte, die von den Studenten ›Menschenfreund‹ genannt wird.

Neckend oder ernst wußte er dann, oft nur mit einem hingeworfenen

Wort, das Gespräch in seiner originellen Weise zu färben, und

die ihm eigene sprühende Unterhaltungsgabe war in Frankfurt bald

sprichwörtlich. ›Er sagt stets das Unerwartete!‹, pflegten die

Damen auszurufen, indem ihr Gesicht zugleich Stolz und weibliche

Bewunderung für ihn ausdrückte. Auch bedurfte es dort, wo er im

kleinen Kreise zugegen war, längst nach Mitternacht noch eines

kräftigen Entschlusses, um das Behagen der Stunde durch den

Aufbruch zu stören.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 92 / 334 题