Sie sind a scheener Mann

In einem Briefe an seinen »Liebling« Johanna schildert Bismarck in

liebenswürdig drastischer Form den alten Amschel: »Er gefällt mir,

weil er eben ganz Schacherjude ist und nichts anderes vorstellen

will, dabei ein streng orthodoxer Jude, der bei seinen Diners

nichts anrührt und nur Gekauschertes ißt. ›Johann, nimm dir epps

Brot, vor die Rehcher‹, sagte er zu seinem Diener, als er ging,

mir seinen Garten zu zeigen, in dem zahmes Damwild ist. ›Herr

Beraun, die Pflanze koscht mich zweitausend Gülden, uff Ehre,

zweitausend baare Gülden, laß se Ihne vor tausend. Oder wolle Se

habe geschenkt, so soll er se Ihne bringe in Ihr Haus, waiß Kott,

ich schätze Se aufrichtig, Herr Beraun, Se sind a scheener Mann,

e braver Mann‹; dabei ist er ein kleines, mageres, eisgraues

Männchen, der älteste seines Stammes, aber ein armer Mann in seinem

Palaste, kinderlos, Witwer, betrogen von seinen Leuten und schlecht

behandelt von vornehm französierten und englisierten Neffen und

Nichten, die seine Schätze erben, ohne Dank und ohne Liebe.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 90 / 334 题