Amschel Rothschild

Vom Ahnherrn der Rothschilds, dem alten Amschel, erzählte Bismarck

gern Anekdoten. Er wurde hierzu besonders vor Paris angeregt, wo

er im Hause eines Rothschild wohnte. So erzählte er: Rothschild

habe einmal in seiner Gegenwart mit einem Getreidehändler über

einen Weizenverkauf gesprochen. Dabei sagte der Händler zu ihm,

als reicher Mann habe er doch nicht nötig, den Preis des Weizens

so hoch zu stellen. — »Was, reicher Mann?« erwiderte der alte

Herr. »Ist mein Weizen darum weniger wert, weil ich ein reicher

Mann bin?« — Er gab übrigens Diners, die seinem Reichtum alle

Ehre machten. Ich erinnere mich: einmal war der jetzige König in

Frankfurt, und ich lud ihn zu Tische. Darauf hatte ihn Rothschild

auch einladen wollen. Der Prinz aber hatte ihm gesagt, das möchte

er mit mir ausmachen, er äße sonst ebenso gern bei ihm als bei

mir. Er kam nun und wollte, ich sollte ihm Seine Königliche

Hoheit abtreten, ich könnte ja bei ihm mitessen. Ich schlug’s

ihm ab. Da hatte er die Naivität, zu meinen, sein Diner könnte

ja zu mir ins Haus gebracht werden, er äße doch nicht mit — er

genoß nämlich nur Koscheres. Ich lehnte auch diesen Vorschlag zur

Güte ab — natürlich, obwohl sein Diner ohne Zweifel besser war

als das meinige. — Ferner habe ihm der alte Metternich — der mir

beiläufig sehr wohl wollte, schaltete er ein — mitgeteilt, als er

einst bei Rothschild gewohnt, habe ihm der bei der Abreise nach

dem Johannisberg ein Dejeuner mit auf den Weg gegeben, bei dem

sich auch sechs Flaschen Johannisberger Schloß befanden. Auf dem

Johannisberg wären sie ungeöffnet ausgepackt worden, und der Fürst

hätte seinen Weinverwalter kommen lassen und ihn gefragt, was

die Flasche bei ihm koste. — Zwölf Gulden, hätte er geantwortet.

— So, nun dann schicken Sie dem Baron Rothschild die sechs bei

der nächsten Bestellung wieder zu, berechnen Sie sie ihm aber zu

fünfzehn Gulden, weil sie dann älter geworden sind.

Wollen wir ein Geschäftchen machen?

Als die Nachricht von der Abberufung des russischen Gesandten in

Paris eintraf, schrieb Bismarck an Gerlach am 3. Februar 1854:

»Gestern erhielt ich die telegraphische Nachricht, daß Kisseleff

Paris verlasse. Ich war gerade auf dem Klub und besann mich, wen

ich wohl am besten damit erschrecken könnte. Mein Auge fiel auf

Rothschild; er wurde kreidebleich, als ich es ihm zu lesen gab.

Sein erster Ausruf war: ›Hätte ich das heute früh gewußt‹, sein

zweiter: ›Wollen wir morgen ein Geschäftchen zusammen machen?

Exzellenz riskieren nichts dabei!‹ Ich lehnte es freundlich dankend

ab und überließ ihn seiner erregten Stimmung.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 89 / 334 题