In seiner Mietwohnung vermißte Bismarck einen Glockenzug, durch den
es ihm möglich gewesen wäre, seinen Diener aus dem oberen Stockwerk
in das Arbeitszimmer herabzurufen. Er ließ den Hausherrn ersuchen,
eine solche Klingel beizustellen, allein der Patrizier, ohnehin dem
»Preußen« nicht sehr grün, gab zur Antwort, daß seine Mietparteien
in der Regel derartige besondere Wünsche auf eigene Kosten
befriedigen müßten, und er wüßte nicht, warum in diesem Falle eine
Ausnahme gemacht werden solle. Einige Tage später knallte ein
Pistolenschuß durch das Haus. Erschreckt durcheilte der Eigentümer
alle Räume und kam endlich in Bismarcks Arbeitszimmer, wo die noch
rauchende Pistole auf dem Tische lag, der ebenfalls rauchende
Bismarck aber ruhig hinter seinen Akten saß. »Um Himmels willen,
was ist geschehen?« rief der Hausherr. »Gar nichts,« versetzte
Bismarck, »seien Sie ganz unbesorgt. Ich habe nur meinem Diener
oben ein Zeichen geben wollen, daß er kommen soll. Es ist ein ganz
harmloses Signal, an das Sie sich hoffentlich gewöhnen werden.« Man
braucht wohl nicht erst hinzuzufügen, daß Bismarck in kürzester
Zeit seine Glocke bekam.